Warren Buffett: Chef und moralisches Vorbild

Warren Buffett: Chef und moralisches Vorbild

, aktualisiert 30. April 2016, 18:17 Uhr
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Warren Buffett beantwortet Fragen während der jährlichen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway.

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

„Woodstock für Kapitalisten“: Zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway herrscht Feierstimmung bei den Aktionären. Anlagerlegende Warren Buffett ist weiter auf der Suche nach großen Deals.

New YorkWarren Buffett ist in seinem Element. Er macht Witze, spielt sich mit seiner rechten Hand Charlie Munger die Bälle zu und lässt sich von den Aktionären feiern. Es ist wieder Zeit für das „Woodstock für Kapitalisten“, wie die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway von den Aktionären genannt wird. Gut 35.000 Anteilseigner aus der ganzen Welt sind an den Konzernsitz nach Omaha gereist. Etwas weniger als im vergangenen Jahr, denn zum ersten Mal wird die Hauptversammlung via Live-Stream in die ganze Welt übertragen und sogar simultan chinesisch übersetzt. „Ich habe immer eine super Zeit“, schwärmt Buffett über das Aktionärstreffen. Schon früh am Morgen mischt er sich unter die Menge. Gemeinsam mit Microsoft-Gründer Bill Gates nimmt er an dem jährlichen Zeitungsweitwurf-Wettbewerb teil – eine Hommage an einen seiner ersten Jobs: Zeitungen austragen.

Buffett ist ein ungewöhnlicher Chef, ebenso ungewöhnlich ist die Hauptversammlung seines Konzerns. Die Vorstellung der vorläufigen Quartalszahlen dauert gerade einmal zehn Minuten und umfasst zwei Power-Point-Seiten. Der operative Gewinn ging um zwölf Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar zurück, vor allem wegen Schwächen im Versicherungs- und im Eisenbahngeschäft. Langfristig ist Buffett, der nicht viel von Quartalsergebnissen hält, jedoch optimistisch.

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Danach beginnt die große Fragerunde. Stundenlang beantworten Buffett und Munger Fragen zu allen Lebenslagen: Warum haben Sie den Anteil an MunichRe und SwissRe verkauft und wie steht es um die Rückversicherungsbranche allgemein? Wenn es darum geht, glücklich zu werden - was würden Sie heute anders machen? Wie groß sind die Gefahren durch Amazon und Internetverkäufe? In der Diskussion um die gesundheitsschädlichen Effekte von Coca-Cola: Warum sollten Berkshire-Aktionäre stolz darauf sein, dass der Konzern einen großen Anteil an Coke-Aktien hält?

Buffett und Munger springen zwischen den Themen hin und her. „MunichRe und SwissRe sind gute Unternehmen, sie sind gut gemanagt und ich mag die Leute, die die Unternehmen führen“, lobt Buffett. Berkshire hielt über zehn Prozent an dem Münchener Rückversicherer und gut drei Prozent an dem Konkurrent aus der Schweiz. „Aber ich glaube, dass das Rückversicherungsgeschäft im Allgemeinen in den kommenden zehn Jahren schlechter laufen wird als in den vergangenen zehn.“ Berkshires eigene Rückversicherungssparte sei dagegen besser aufgestellt, weil sie als Teil des großen Konzerns mehr Flexibilität und größere Kapitalpuffer habe.

Und was die Cola-Frage angeht gibt Buffett ein klares Bekenntnis zum Zucker-Konsum. Der 85-Jährige konsumiert jeden Tag 700 Kalorien nur aus Coca-Cola-Produkten – bevorzugt Cherry Coke – und fühlt sich prächtig. „Ich wünschte, ich hätte einen Zwillingsbruder, der sein ganzes Leben lang nur Brokkoli gegessen hätte. Ich weiß, dass ich der glücklichere wäre.“

Zum Thema Glücklichsein gelten Buffett und sein 92-Jähriger stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender Munger als leuchtende Vorbilder für viele Aktionäre. Die beiden sitzen an einem langen Tisch, zwischen ihnen steht eine große Schachtel Erdnuss-Krokant des Schokoladenherstellers See‘s Candy, der seit Jahrzehnten zu Berkshire gehört und natürlich Cola-Dosen. „Ich sitze hier, esse, was mir schmeckt, ich tue das, was ich von Herzen gern tue und ich arbeite mit Leuten zusammen, die ich sehr schätze“, sagt Buffett. „Besser kann es gar nicht werden.“ Anders als viele andere Vorstandschefs zahlt sich Buffett, der drittreichste Mann der Welt, ein Jahresgehalt von 100.000 Dollar und hat sich dazu verpflichtet, fast sein ganzes Vermögen für gemeinnützige Zwecke zu spenden. Das imponiert vielen.

Es ist die 51. Hauptversammlung für Berkshire. Der Konzern ist über die Jahre zum fünftgrößten börsennotierten Konzern Amerikas aufgestiegen. Müde sind Buffett und Munger noch lange nicht. Buffett hat im vergangenen Jahr den größten Deal der Unternehmensgeschichte eingetütet – die Übernahme des Industriekonzerns Precision Castparts für rund 37 Milliarden Dollar. Und die Suche geht weiter. Buffett würde in den nächsten Jahren gern noch ein paar ganz ähnliche Übernahmen tätigen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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