Wartungsgeschäfte: Service auf der Sonnenseite

Wartungsgeschäfte: Service auf der Sonnenseite

, aktualisiert 24. November 2016, 09:25 Uhr
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Das Geschäft mit dem Service und Wartung von Solaranlagen wächst parallel zum Ausbau der Solarenergie – und das weltweit.

von Andreas SchulteQuelle:Handelsblatt Online

Bei der Photovoltaik gewinnt parallel zum Ausbau der Sonnenenergie das Wartungsgeschäft rasch an Bedeutung. Viele Servicefirmen weiten daher ihr Dienstleistungsspektrum ständig aus – sie sehen dort großes Potenzial.

KölnMatthias Krieg setzt als Dienstleister voll auf Wachstum. „Der Großteil des Geschäfts mit Service und Wartung entsteht erst gerade“, sagt der Leiter Photovoltaik Wartung & Services beim Energiekonzern Eon. Betreiber von Solaranlagen stellen mit den Checks sicher, dass die Module die volle Leistung bringen. Lag Kriegs Fokus anfangs im Geschäft mit kleineren Anlagen, wird es nun eine Nummer größer. Zuletzt wuchs Eon auch durch Firmenzukäufe oder Kooperationsverträge. „Wir wollen dadurch auch den Markt mit großen gewerblichen Photovoltaikanlagen stärker erschließen“, erläutert Krieg die Strategie.

Mit der Fokussierung des Geschäfts auf Service und Wartung von Solaranlagen liegt Eon im Trend. Das Geschäftsfeld wächst parallel zum Ausbau der Solarenergie – und das weltweit. Nach einer Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens GTM Research wird der Photovoltaik-Markt bis 2020 auf über 524 Gigawatt installierte Leistung steigen. 2015 lag er bei 184 Gigawatt, stattliche 40 Gigawatt entfielen dabei auf Deutschland. Zwar hält der Zubau hierzulande mit zuletzt 1,5 Gigawatt im Jahr nicht mehr mit dem globalen Tempo Schritt. Doch wegen des frühen Starts benötigen viele Solaranlagen der Nullerjahre altersbedingt mehr Wartung.

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Die Experten des Tüv Rheinland gehen davon aus, dass jede dritte Photovoltaikanlage in Deutschland mit baulichen oder technischen Mängeln behaftet ist. Beschädigungen und Verschmutzungen mindern die Leistung oder sind gar sicherheitsrelevant.

Da Betreiber die Mehrkosten für Wartung und Überwachung möglichst gering halten wollen, tut sich ein lukratives Feld für technische Innovationen auf. Das Photovoltaik-Institut Berlin etwa setzt neuerdings einen mobilen LED-Flasher ein, wenn es im Kundenauftrag Solarmodule auf Effizienz trimmt. Das Gerät simuliert das Sonnenlicht, misst so die Leistung einzelner Module und vergleicht ihre Werte.


Die Hälfte der üblichen Kosten

Vorteil: Früher mussten Module zur Untersuchung aufwendig demontiert und im Laborwagen untersucht werden. Das kostete Zeit und barg die Gefahr von Beschädigungen. Der LED-Flasher wird auf das Modul einfach aufgesetzt, ohne dass dieses aus dem Verbund gelöst werden muss. „Die Überprüfung mit dem Gerät verursacht nur die Hälfte der sonst üblichen Kosten“, sagt Paul Grunow, Vorstand des PI Photovoltaik-Instituts Berlin. Grunow erkennt einen generellen Trend: Möglichst viele Arbeiten werden vor Ort verrichtet – und nicht im Labor. So könne man unnötige Kosten vermeiden.

Das Prinzip macht sich auch Flir Systems zu eigen. Der Hersteller von Wärmebildkameras hat gemeinsam mit dem Drohnenhersteller DJI ein Set entwickelt, bei dem Wärmebildkamera und Drohne aufeinander abgestimmt sind. „Bisher wurden Wärmebildkameras eher improvisiert an Drohnen befestigt“, sagt Flir-Vertriebsmanager Michael Mende. Mit Wärmebildkameras lassen sich Ausfälle von Solarmodulen besser vorhersagen und defekte Stellen entdecken. Die neuen Sets versprechen laut Mende genauere Ergebnisse.

Auf Wärmebildkameras setzt jetzt auch Sunbrush, ein Spezialist für die Reinigung von Solaranlagen. Neu im Angebot sind Bürsten, die sich mit dieser Technik nachrüsten lassen. So können Module während der Reinigung auf Funktions- und Leistungsfähigkeit überprüft werden. Aus zwei Arbeitsgängen werde einer, wirbt die Firma.

Die zunehmende Komplexität von Technik in Solarparks verändert das Servicegeschäft. „Die Anforderungen der Kunden steigen. Viele erwarten den kompletten Service aus einer Hand, das beinhaltet auch die Abwicklung mit Drittlieferanten“, sagt Bernd Lamskemper, Serviceleiter beim Solartechnikanbieter SMA Solar Technology. So wünschten Kunden zunehmend, dass Servicedienstleister für sie beispielsweise Gewährleistungsansprüche durchsetzen, wenn ein Modul während der Garantiezeit ausfällt. SMA weitet daher sein Produktportfolio und sein Dienstleistungsspektrum ständig aus. „Im Wartungsgeschäft sehen wir großes Potenzial“, sagt Lamskemper.

Quelle:  Handelsblatt Online
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