WC-Kultur in Asien: Beim Klo ist der Westen ein Entwicklungsland

WC-Kultur in Asien: Beim Klo ist der Westen ein Entwicklungsland

, aktualisiert 18. November 2016, 17:03 Uhr
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Die Klos von Berlin bis New York haben sich seit 100 Jahren nicht mehr wesentlich geändert. Asiaten zeigten sich in der Zeit hingegen offen für Innovationen.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Wenn die Bewohner eines Schwellenlandes Europas Toiletten für zu unhygienisch halten, sollte einem das zu denken geben. Thailänder nehmen neuerdings sogar spezielle Reise-Accessoires mit auf ihre Urlaubsreisen.

BangkokDer Laden, der den Europäern zu denken geben sollte, findet sich in Bangkoks bester Lage. Zwischen den noblen Einkaufszentren am Siam Square, die mit Prada-, Gucci- und Louis-Vuitton-Logos um Kunden werben, hat kürzlich ein Geschäft aufgemacht, dessen Name sich von den vornehmen Marken deutlich abhebt: Sabaitood – zu deutsch: glücklicher Hintern – steht über dem Schaufenster. Die Zielgruppe der Shop-Betreiber: wohlhabende Thailänder, die regelmäßig nach Europa oder Amerika reisen und dort ein Problem mit den Toiletten haben. Denn die WCs im Westen sind den Thailändern zu unhygienisch. Die Reise-Accessoires von Sabaitood sollen diesen Makel ein Stück weit lindern.

Dass sich die Bewohner eines Schwellenlandes über die Zustände auf Europas Toiletten beschweren, mag auf den ersten Blick überraschen: Schließlich sind Asiens aufstrebende Volkswirtschaften in weiten Teilen nicht gerade bekannt für strahlend weiße Porzellanklos. Wer sich zwischen Indien und Vietnam außerhalb der großen Metropolen bewegt, muss oft schon dankbar sein, eine einigermaßen saubere Hocktoilette mit einem Eimer Wasser zur Spülung zu finden.

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Auch in Thailand ist es an vielen Orten nicht unüblich, mit einer Schöpfkelle Wasser ins Becken nachschütten zu müssen, anstatt einfach auf den Spülknopf drücken zu können. Doch während die ländlichen Gegenden bei der Toiletteninfrastruktur durchaus noch Nachholbedarf haben, sind die Großstädte längst an den westlichen Standards vorbeigezogen. Egal ob Thailänder oder Expat – wer sich daran gewöhnt hat, tut sich schwer, die Toilette so zu akzeptieren, wie man sie in Deutschland kennt.

Die Klos von Berlin bis New York haben sich seit 100 Jahren nicht mehr wesentlich geändert. Asiaten zeigten sich in der Zeit hingegen offen für Innovationen. Führend sind diesbezüglich natürlich die High-Tech-Klos aus Japan und Korea, die automatische Deckelöffnung, Sitzheizung und sogar eine Massagefunktion bieten. Dieser technische Schnickschnack ist aber gar nicht nötig, um zu erkennen, dass der Westen am Klo das Beste verpasst.

Das einfache Utensil, das die Menschen in Thailand und anderen südostasiatischen Nachbarländern nicht mehr missen wollen, ist ein dünner Schlauch, der heutzutage neben jeder modernen Kloschüssel angebracht ist. Darauf ist ein kleiner Brausekopf montiert, der auf Knopfdruck einen kräftigen Wasserstrahl von sich gibt – ideal um sich nach dem Toilettengang zu reinigen. Dass sich in den reichen Industriestaaten ein Großteil der Bevölkerung damit zufrieden gibt, sich mit Papier sauber zu reiben, erscheint im Vergleich dazu wie eine Barbarei. Allein Länder wie Frankreich und Italien bieten mit ihren Bidets akzeptable Alternativen.

Warum Deutsche ebenso wie Briten und Amerikaner so wenig mit dem Wassereinsatz bei der Körperreinigung am Klo anfangen können, lässt sich mit Vernunft nicht erklären. Aber vielleicht ändert sich die Einstellung ja bald: Denn das thailändische Toilettenspray zieht jetzt rund um die Welt. Im Fachgeschäft Sabaitood können sich Brause-Fans nämlich nun mit sogenannten Reise-Bidets eindecken – einer Art Spritzpistole, die sich auf Wasserflaschen schrauben lässt. Auf den säubernden Strahl müssen Asiaten so auch beim Weihnachtsurlaub in Europa nicht verzichten. Mit der Brause im Gepäck könnten sie in den sanitär unterentwickelten Ländern nun auch Missionarsarbeit leisten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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