Weltgeschichte: Bangkok plant die 100-Millionen-Dollar-Bestattung

Weltgeschichte: Bangkok plant die 100-Millionen-Dollar-Bestattung

, aktualisiert 11. September 2017, 16:57 Uhr
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Die letzten Arbeiten an dem prunkvollen Krematorium, in dem die Feuerbestattung der königlichen Überreste am 26. Oktober stattfinden soll.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Die prunkvolle Einäscherung von König Bhumibol soll im Oktober neue Superlative aufstellen. Der riesige Aufwand zeigt sich schon jetzt. Für Deutschland ist die Teilnahme an der Mega-Zeremonie politisch heikel.

BangkokElf Monate sind inzwischen schon vergangen. Und trotzdem begegnen mir im Bangkoker Skytrain immer noch viele schwarz gekleidete Menschen. Es ist ein Zeichen der Trauer – nicht um einen nahen Verwandten, sondern um einen früheren Staatschef: Thailands König Bhumibol starb im vergangenen Jahr nach 70 Jahren auf dem Thron. Er war zu Lebzeiten der am längsten regierende Monarch der Welt und prägte unter dem Namen Rama IX. sein Land wie kein anderer. In der Bahn trägt neben mir ein Mann ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich wurde geboren während der Regentschaft von König Bhumibol.“

Das Jahr der Trauer um den Monarchen, der in der Bevölkerung enorm beliebt war, läuft nun auf seinen Höhepunkt zu: Kommenden Monat soll die Urne von Bhumibol in einer fünftägigen Bestattungszeremonie eingeäschert werden. Der Aufwand, der für das Ereignis betrieben wird, passt zu dem König der Superlative, der eine der wohlhabendsten Monarchien der Welt anführte: Drei Milliarden Baht, umgerechnet fast 100 Millionen Dollar, soll die imposante Inszenierung kosten. Hunderttausende Trauergäste werden erwartet. Das Leben in der thailändischen Metropole wird sich spürbar ändern.

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Wie ernst es den Thailändern mit der Trauerarbeit ist, lässt sich vor dem Großen Palast beobachten. Normalerweise ist das opulente Gebäude in der Altstadt die beliebteste Attraktion bei Bangkok-Touristen. Doch seit dem vergangenen Oktober ist es vor allem eine Pilgerstätte. Auch ein Jahr nach dem Tod Bhumibols warten täglich Tausende Menschen – natürlich ganz in schwarz gekleidet – auf Einlass, um für wenige Sekunden der aufgebahrten Urne die letzte Ehre zu erweisen.

Freiwillige versorgen die Trauergäste im Umkreis des Palastes mit kostenlosem Essen und Getränken. Auf einer großen Grünfläche in unmittelbarer Nachbarschaft laufen unterdessen die letzten Arbeiten an einem prunkvollen Krematorium, in dem die Feuerbestattung der königlichen Überreste am 26. Oktober stattfinden soll. Das golden verzierte Bauwerk, das eigens für diesen Anlass errichtet wurde, ist 50 Meter hoch und soll an den Berg Meru erinnern – einen Ort, der in der buddhistischen und hinduistischen Mythologie das Zentrum des Universums darstellt.


Fernsehen im schwarzweißer Trauergewand

Vom Palast wird Bhumibols Urne auf einem königlichen Triumphwagen von 222 Soldaten zum Krematorium befördert. Das goldene Gefährt, das Ende des 18. Jahrhunderts gefertigt wurde und derzeit im Nationalmuseum restauriert wird, ist 18 Meter lang und fast 14.000 Kilo schwer – ein Symbol des historischen Gewichts, das der Zeremonie beigemessen wird.

Dass der Bestattungsmonat Oktober in Bangkok als außergewöhnlich wahrgenommen wird, will die herrschende Militärregierung auch im Alltagsleben der Thailänder sicherstellen: So sollen ab 1. Oktober sämtliche Fernsehsender im Land ihr Programm auf schwarzweiß umstellen – als Zeichen des Respekts. Vier Tage vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten werden dann nur Programme über das Leben des verstorbenen Königs gezeigt, bevor dann die tagelange Live-Übertragung der Bestattungsrituale beginnt.

Der Tag der Einäscherung wurde zum landesweiten Feiertag erklärt, in großen Teilen Bangkoks wird an dem Tag daher Stillstand herrschen. Auch für uns Journalisten gelten dann besondere Regeln. Zur Berichterstattung über die Prozession gibt es einen speziellen Dresscode, der auch für Frauen eine schwarze Krawatte vorsieht. Zudem heißt es in den Bestimmungen der Behörden: „Unnatürliche Haarfarben sind nicht erlaubt.“ Tabu sind dann auch kritische Worte über das Königshaus – wie auch sonst in Thailand. Die königliche Familie wird durch eines der härtesten Majestätsbeleidigungsgesetze der Welt geschützt. Für jeden Verstoß drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Auch für Diplomaten gibt es bei dem Staatsakt einiges zu beachten. Besonders heikel war aus europäischer Sicht die Frage, welche Gäste zu der Zeremonie geschickt werden. Denn seit dem Militärputsch von 2014 vermeiden die EU-Länder offizielle Treffen mit der thailändischen Junta auf Ebene der Minister und Regierungschefs. In Deutschland hat man sich deshalb ganz diplomatisch dafür entschieden, einen früheren Bundespräsidenten zu entsenden: Während der Trauerprozession wird Christian Wulff die Bundesrepublik vertreten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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