Weltgeschichte: Das große Ladensterben in Manhattan

Weltgeschichte: Das große Ladensterben in Manhattan

, aktualisiert 01. September 2017, 19:18 Uhr
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Immer mehr Läden und Restaurants können sich die hohen Mieten in Manhattan nicht mehr leisten.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Ein Spaziergang durch New York offenbart: Immer mehr Läden stehen leer. Traditionskaufhäuser wie Saks versuchen, neue Wege zu gehen. Aber eines können sie nicht ändern: die unerbittlich steigenden Mieten in Big Apple.

New York CitySeit den 90er-Jahren gibt es die Restaurants „Republic“ und „Blue Water Grill“. Sie waren Pioniere am Union Square, einer Gegend in Manhattan, die damals heruntergekommen war. Jetzt ist Schluss: Beide machen im kommenden Jahr dicht. Sie sind keine Einzelbeispiele. Überall in New York schließen nicht nur zahlreiche Restaurants, sondern auch Läden aller Art. Die dunklen Schaufenster sind so zahlreich, dass der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg sich öffentlich darüber Sorgen machte: „Man muss nur seine Augen aufmachen“.

Die Gründe für die Massenschließungen sind vielfältig. Ein Problem aber haben fast alle Läden gemeinsam: die stark steigenden Mieten für Gewerbeimmobilien. In New York laufen gewerbliche Mietverträge in der Regel über fünf oder zehn Jahre. Läuft die Zeit ab, kann der Vermieter sie nach Belieben der Marktlage anpassen.

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Was für astronomische Höhen in Big Apple erreicht werden, zeigt das „Blue Water Grill“. Das Restaurant schließt, weil es jährlich zwei Millionen Dollar Miete zahlen soll – das sind pro Tag 5.480 Dollar. Selbst das Edellokal mit seinen hohen Preisen muss dafür schon einige Steaks oder Eggs Benedict verkaufen.

Die Mieten steigen so stark, dass selbst teure Marken wie Marc Jacobs oder Ralph Lauren das Handtuch werfen. Das ist eine Ironie der Geschichte. Denn sie verdrängten alteingesessene Boutiquen wie auf der Bleecker Street in Greenwich Village. Die schönen Alleen und alten Häuser, wie auch die viele Werbung in Serien wie „Sex and the City“ zogen die Designer in den 2000er-Jahren an.

Wenige Zeit später hatte Marc Jacobs dort ganze sechs Läden, inklusive Little Marc für Kinder und einem Buchladen. Ralph Lauren kam auf drei Läden, Coach auf zwei. Heute hängen mit Ausnahme des Buchladen nur noch Schilder von Immobilienmaklern in den Schaufenstern: zu vermieten.

Wer aber soll für kleine Lädchen 30.000 bis 35.000 Dollar Miete im Monat zahlen? Allein auf den paar Blocks der Bleecker Street zwischen Christopher und Bank Street stehen mehr als ein Dutzend Läden leer. Die Besitzer gehen nicht so schnell mit den Mieten herunter. Manchmal lohnt es sich aus steuerlichen Gründen, sie leer stehen zu lassen. Und es gibt immer wieder Mutige wie Orla Kiely, eine Designerin aus Irland, oder Enfold, eine Modemarke aus Japan, die in New York ein Aushängeschild haben wollen – bis es ihnen zu teuer wird.

Anders als Restaurants haben herkömmliche Läden noch ein anderes Problem: Amazon. Das Online-Kaufhaus ist in puncto Preis und Bequemlichkeit kaum zu schlagen und erweitert sein Lieferangebot ständig. Zuletzt nahm es auch Möbel in sein Sortiment auf.

Alteingesessene Einzelhändler wie Saks auf der Fifth Avenue greifen zu ungewöhnlichen Mitteln, um Kunden in den Laden zu locken. Eine ganze Etage verwandelte das Kaufhaus in „The Wellery“, ein Wortspiel mit Wellness. Dort sollen sich Kunden wohlfühlen, können in der Salzkabine 25 Minuten lang salzige Luft einatmen, umgeben von einschmeichelnder Musik und rosafarbenen Himalaya-Salzwänden. Oder in Fitnesskursen mitmachen oder sich die Fußnägel lackieren lassen.

Doch die Allmacht des Online-Einkaufs ist überall zu spüren. Es ist eine Ironie der Geschichte: Am Union Square eröffnete Whole Foods einen seiner ersten Läden in Manhattan. Amazon hat die ökologisch angehauchte Supermarktkette vor wenigen Tagen übernommen. Einkaufen wird man dort noch lange können. Aber essen gehen – das geht am Union Square nicht mehr so leicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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