Weltgeschichten: Chinas Fahrrad-Krieg

Weltgeschichten: Chinas Fahrrad-Krieg

, aktualisiert 13. März 2017, 17:04 Uhr
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Um die Chinesen fürs Fahrradfahren zu begeistern, setzen Start-ups wie Mobike oder Ofo auf Lockangebote und Rabattaktionen. Doch das Geschäft mit den Leihfahrrädern hat sich noch längst nicht bei allen Chinesen durchgesetzt – nach wie vor dominieren Autos das Straßenbild. Dabei wären umweltschonende Alternativen dringend notwendig, um der Luftverschmutzung in China Herr zu werden.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

Sie sind bunt und sie sind überall: Chinas Großstädte werden von Leihfahrrädern überflutet. Dahinter stehen Start-ups, die von Investoren mit Geld überschüttet werden. Doch die Zweifel am Geschäftsmodell wachsen.

PekingDie Arbeiter sind mit einem großen, weißen Lastwagen vorgefahren. Dann laden sie die Fahrräder auf den Gehsteig ab. Erst zehn, dann 20, dann 30, bis schließlich 55 orange Zweiräder den Weg am Eingang zur Pekinger U-Bahn an der zweiten Ringstraße füllen. Doch es sind keine normalen Fahrzeuge, sondern Leihräder des Start-up Mobike.
Es vergehen nur wenige Minuten, bis die erste Passantin vor den Rädern stehenbleibt. „Das ist total praktisch“, erklärt sie. Aus ihrem Mantel zückt sie ihr Smartphone. Sie hält die Kamera ihres Gerätes vor einen QR-Code am Rahmen des Fahrrads. Es ertönt ein kurzes Piepen. Dann schnappt das Schloss des Rades auf. „Im Moment gibt es fast jeden Tag Rabattaktionen. Ich fahre fast immer umsonst“, sagt die Passantin. Dann schwingt sie sich auf das Rad und fährt davon.
China war eine Fahrradnation. Doch die Zeiten schienen vorbei. Autos sind ein Statussymbol.

Aber in Chinas Großstädten treten mehrere Start-ups an, Leihfahrräder als bequeme Fortbewegungsmittel zu etablieren. Schließlich sind Autos nutzlos, wenn Chinas Metropolen in Megastaus versinken.
Zwei Anbieter dominieren das Geschäft: Mobike und Ofo. Erst vergangenen Monat konnte Mobike bei einer Finanzierungsrunde 215 Millionen Dollar einsammeln. Hinter der Firma stehen Investoren, wie Chinas führendes Internetunternehmen Tencent und Foxconn, der weltgrößte Auftragszulieferer für Unterhaltungselektronik. Ofo konnte Anfang März sogar 450 Millionen Dollar an Investorengeldern anlocken. Zu den Unterstützern des Anbieters zählt der Smartphone-Hersteller Xiaomi sowie der Fahrdienstanbieter Didi.

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Zweifel an der Firmenstrategie mehren sich

Die Wettbewerber versuchen Kunden mit Lockangeboten für ihre Dienste zu gewinnen. Nahezu im Wochenrhythmus erweitern sie ihren Service auf neue Städte. Mobike hat in ganz China bereits mehr als eine halbe Million Fahrrädern im Einsatz. Ofo bringt es auf mehr als 200.000. Mobike will mit höherwertigen Geräten punkten, und beziffert die Anschaffungskosten für ein Fahrrad auf 3000 Yuan (rund 410 Euro). Ofo setzt hingegen auf geringe Einstiegskosten und gibt nur rund 250 Yuan (rund 35 Euro) pro Rad aus.
Mittlerweile mehren sich jedoch Zweifel, an der Strategie der Firmen. „Mobike ist zu teuer“, sagt Professor Wei Wuhui von der Shanghai Jiao Tong University. Die hohen Investitionen in die Fahrräder lähmten das Wachstum des Unternehmens, sagte der Wissenschaftler bei einer Wirtschaftskonferenz in Peking.

Mittlerweile stapeln sich bereits Fahrräder von Mobike, Ofo und anderen Anbietern an beliebten Orten in Peking und Schanghai. Die Anbieter kommen kaum hinterher, defekte Räder schnell zu tauschen. Im Internet witzeln Nutzer bereits, nach der Stahlindustrie und im Solarsektor gebe es nun Überkapazitäten bei Fahrrädern in China.
Der Schanghaier Geschäftsmann Mike Huang sagt: „Chinesische Internetfirmen sind noch in der Phase, in der sie Geld im großen Stil verbrennen, um Markanteile zu sichern.“ Investitionen seien leicht zugänglich, sagte Huang der Finanzagentur Bloomberg. „Der Wettbewerb ist brutaler als im Silicon Valley.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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