Weltgeschichten: Mysteriöse Todesfälle stören das Geschäft

Weltgeschichten: Mysteriöse Todesfälle stören das Geschäft

, aktualisiert 05. Juli 2017, 20:09 Uhr
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Auf der thailändischen Insel Koh Tao sind schon acht Touristen auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Die ungeklärten Todesfälle stören das Geschäft.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Auf einer kleinen thailändischen Insel kommen seit Jahren Touristen unter merkwürdigen Umständen ums Leben. Unser Korrespondent bekam die dunkle Seite des tropischen Paradieses bereits vor Jahren vorgeführt.

Ich war gerade einmal 25 Jahre alt und hatte das Paradies gefunden. Im Schatten der Palmen auf der thailändischen Insel Koh Tao beobachtete ich die Fischerboote vor der Küste. Fast jeden Tag fuhr ich selbst hinaus aufs Meer und tauchte zu Korallenriffen 30 Meter unter der Wasseroberfläche. Einmal schwamm eine Meeresschildkröte nur ein paar Zentimeter vor meinem Gesicht vorbei – ein unvergesslicher Glücksmoment. In den Nächten feierte ich mit anderen Rucksacktouristen in der Fishbowl Bar, oft bis die Sonne wieder aufging.

Doch dieser Ort, an dem man so herrlich unbeschwert leben konnte, zeigte mir schon damals seine dunkle Seite. Die Mitarbeiter der größten Tauchschule auf der Insel erzählten mir von ihrem früheren Chef, Virat Asavachin, der von einer maskierten Person am helllichten Tag mit sechs Kugeln erschossen worden war. Gerüchte von mafiösen Strukturen auf der Insel machten daraufhin die Runde. Festnahmen gab es in dem Fall nie. Die Touristen strömten weiter ohne Bedenken auf die tropische Insel – bis offensichtlich wurde, dass Virat nicht der letzte war, der in dem Paradies unter unklaren Umständen sein Leben verlor.

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Seit drei Jahren kommt die nur von 2.000 Einwohnern bewohnte Insel Koh Tao immer wieder in die internationalen Schlagzeilen – und zwar nicht wegen seiner spektakulären Strände und Tauchgebiete, sondern wegen der merkwürdig häufigen Todesfälle, die sich auf der Insel ereignen. Vergangene Woche meldete die Polizei ein weiteres Opfer: eine 30 Jahre alte Belgierin, die mitten im Dschungel Suizid begangen haben soll, was ihre Angehörigen aber massiv in Frage stellen. Die Zahl der Touristen, die seit 2014 auf Koh Tao verschwanden oder unter mysteriösen Bedingungen starben, stieg damit auf acht.

Aufgrund der Flut an Berichten, die vor den Vorgängen auf der Insel warnen, sorgt sich die Insel nun um das lukrative Geschäft mit den Touristen. Gegen kritische Berichte wollen die Behörden vor Gericht vorgehen. Der Gouverneur der Provinz, zu der Koh Tao gehört, kündigte eine Verleumdungsklage gegen ein Lokalmedium an, das den Urlaubsort als „Todesinsel“ bezeichnet hatte. „Die verzerrten Berichte haben dem Tourismussektor in der Region ein negatives Image gegeben“, sagte Gouverneur Uaychai Innak.

Doch dass die Medien gute Gründe haben, über die Insel kritisch zu berichten, lässt sich kaum abstreiten. Die traurige Todesserie begann am Neujahrstag 2014, als die Leiche eines jungen Engländers im Ozean gefunden wurde – er war damals genauso alt wie ich bei meinem ersten Mal auf Koh Tao. Die Behörden gingen von einem Unfall aus, die Eltern des Opfers waren überzeugt: Es war Mord. Nur ein paar Monate später wurden die Briten Hannah Witheridge und David Miller am Strand getötet. Der Fall erregte weltweite Aufmerksamkeit. Zwei Männer aus Myanmar wurden für die Tat verurteilt – Menschenrechtsaktivisten bezweifeln jedoch, dass es sich bei ihnen um die wahren Mörder handelt.

In den Monaten darauf wurden drei weitere Urlauber tot aufgefunden. Die Polizei schloss Fremdeinwirkung aus, Familienmitglieder waren von den Ermittlungsergebnissen jedoch nicht überzeugt. In einem Fall ging die Polizei gar davon aus, dass sich ein Franzose erhängt hatte, obwohl er bei seinem Tod an den Armen gefesselt war. Anfang dieses Jahres verschwand eine junge Russin auf der Insel – von ihr fehlt bis heute jede Spur. Auch der nun bekannt gewordene Fall der gestorbenen Belgierin wirft Fragen auf. Kurz vor ihrem Tod brannte der Bungalow ab, in dem sie wohnte. Die Urlauberin soll zudem im Kontakt mit einer Sekte gewesen sein. Nachdem Zweifel an dem angeblichen Suizid laut geworden waren, startete die Polizei eine neue Untersuchung des Falls.

Eine restlose Aufklärung ist dringend nötig, um das Vertrauen der Urlauber in ihre Sicherheit auf der Insel wiederherzustellen. Mir jedenfalls wird es nicht gelingen, zu den unbeschwerten Nächten auf der Insel zurückzukehren, solange die Fragen um die Todesfälle noch offen sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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