Weltgeschichten: Thanksgiving und die Frage des Timing

Weltgeschichten: Thanksgiving und die Frage des Timing

, aktualisiert 13. November 2017, 13:10 Uhr
Bild vergrößern

Der traditionelle Truthahn darf zu dem Fest nicht fehlen.

von Katharina KortQuelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Amerikaner entscheiden, Thanksgiving früher zu feiern und die Familie um den Tisch zu vereinen. Damit sparen sie Geld und Stress für das wohl unkommerziellste Fest Amerikas.

New York CityKaum ist Halloween überstanden, geht es in den USA mir rasanten Schritten auf Thanksgiving zu. Bei manchen geht es sogar besonders schnell: Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civi-Science ergab, haben 16 Prozent der Amerikaner dieses Jahr entschieden, Thanksgiving vor dem vierten Donnerstag im November zu feiern, die meisten am Sonntag vorher. Weitere 13 Prozent gaben an, das für die Zukunft zu erwägen.

Der Grund: Weniger Geld und weniger Stress. Schließlich ist zu Thanksgiving ganz Amerika auf Reisen, um die Familien von Florida über Chicago bis nach Kalifornien um den Truthahn zu vereinen. Viele Flughäfen versinken regelmäßig im Chaos. Ganz abgesehen von den horrenden Ticketpreisen.

Anzeige

Das 1789 zum ersten Mal gefeierte amerikanische Ernte-Dank-Fest ist das wohl am wenigsten kommerzielle Fest der Amerikaner. Die Geschäfte haben – ganz im Gegenteil zu Weihnachten oder Ostern – zu. Das Land steht still, wenn die Menschen von der Westküste bis zur Ostküste vor dem gefüllten Truthahn sitzen. Nicht nur Christen, sondern auch Atheisten und Mitglieder anderer Religionen nutzen dieses Fest, um die Familie um einen Tisch zu versammeln und stundenlang zu tafeln. Einen Grund, dankbar zu sein, gibt es schließlich immer.

Dafür machen viele Amerikaner an diesem Tag sogar eine Pause vom täglichen Take-Out-Essen und kochen tatsächlich selbst. Wir sind diesmal bei Bekannten eingeladen und werden auch mit einem Gericht zum Festmahl beitragen. Dafür sind wir sehr dankbar. Denn Thanksgiving alleine zu verbringen, ist so wie Weihnachten in Deutschland zu sein und Heiligabend alleine zuhause zu hocken.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor Jahren im Financial District im Süden Manhattans arbeitete und an Thanksgiving Dienst hatte. Glücklicherweise haben sich zum Mittag zwei europäische Freunde zu mir gesellt, die ebenfalls in New York gestrandet waren. Doch die Suche nach einem geöffneten Restaurant auf den menschenleeren Straßen gestaltet sich schwer. Nach langem Umherirren in den Häuserschluchten fanden wir einen Asiaten, bei dem wir – und drei weitere Gäste – etwas in unseren Magen bekamen. Kein gefüllter Truthahn und Sauce, sondern Reis und Gemüse.

Aber Amerika wäre nicht Amerika, wenn Thanksgiving nicht auch der Auftakt wäre, um nach dem Prassen am nächsten Tag zum Shoppen aufzubrechen – in der realen Welt oder am Computer.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%