Weltgrößte Sportmesse Ispo: Keine Kälte, keine Kunden

Weltgrößte Sportmesse Ispo: Keine Kälte, keine Kunden

, aktualisiert 24. Januar 2016, 15:40 Uhr
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Die Hersteller auf der Sportmesse Ipso beklagen sich über mangelnden Absatz von Wintersportartikeln. Und das ist nicht die einzige Sorge.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Der warme, schneearme Winter macht Sporthändlern und Herstellern zu schaffen. Die weltgrößte Sportartikelmesse Ispo begann deshalb in München mit eher gedämpfter Stimmung. Nicht nur das Wetter ärgert die Branche.

MünchenDie letzten Schneereste vor den Messehallen in München schmelzen dahin, und mit ihnen die Hoffnung, dass das Geschäft doch noch einmal anzieht. Die Sportbranche leidet schwer unter dem viel zu warmen Winter. Skier, Skischuhe und warme Jacken liegen wie Blei in den Regalen.

Um fast ein Fünftel seien die Umsätze bei der Sporthandelskette Sport 2000 im Dezember abgestürzt, klagt Geschäftsführer Andreas Rudolf. Einige bitterkalte Tage haben zuletzt zwar etwas mehr Kunden in die Läden gelockt. Doch so viel steht fest: Das verlorene Geschäft lässt sich kaum noch aufholen.

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Sport 2000 ist kein Einzelfall. Der gesamte deutsche Sportfachhandel hat zu kämpfen. So haben die Händler hierzulande vergangenes Jahr ein mageres Plus von nur einem Prozent eingefahren. Das lag vor allem am schlechten Dezember, dem sonst umsatzstärksten Monat. Angesichts frühlingshafter Temperaturen gingen kaum Schlittschuhe, Mützen oder Rodel über die Ladentheken. Der Zuwachs ist dürftig verglichen mit anderen Branchen. Die Spielwarengeschäfte etwa freuten sich 2015 über sechs Prozent Wachstum. Bei den Sporthändlern im Rest Europas lief es allerdings auch besser, in Skandinavien und Italien stiegen die Einnahmen immerhin um zweieinhalb Prozent.

Die Skier, Helme und Skistiefel ganz aus den Läden räumen, das will dann aber doch kaum ein Fachhändler. „Das sind komplexe Produkte, da liegt unsere Kompetenz“, erläutert Jochen Schnell, Vorstand des Händlerverbunds Intersport. Doch klar sei auch, dass der Markt enger werde. Daher müssten die Geschäftsinhaber auch neue Wege gehen: Statt Skiausrüstung zu verkaufen, würde das Verleihgeschäft noch weiter forciert. Der Wintersport steht für rund 15 Prozent der Einnahmen von Intersport, des deutschen Marktführers.


Auch Zulieferer machen Ärger

Doch es ist nicht allein das Wetter, das den Händlern in München in diesen Tagen die Laune verdirbt. Sie haben auch Ärger mit ihren wichtigsten Lieferanten, allen voran dem US-Konzern Nike. Künftig würden nur noch Händler mit einem Mindestbestellwert von 25.000 Euro beliefert, unterstrich Sport-2000-Chef Rudolf. Bislang seien es 10.000 Euro. Damit würde etwa ein Fünftel der Ladenbesitzer der Einkaufskooperation nicht mehr vom Marktführer beliefert. Auch Adidas sorgt für Frust bei den Ladenbesitzern, und zwar wegen eines selektiven Vertriebs. So soll etwa der Bestseller Adilette künftig nicht mehr im Sporthandel zu kaufen sein, sondern in Boutiquen. Die Badelatschen könnten nur der Anfang weiterer Beschränkungen sein, fürchtet Sport-2000-Manager Rudolf: „Wir haben zunehmend Schwierigkeiten mit Adidas und Nike, weil sie den Mittelstand aus dem Fokus verlieren.“

Trotz des mageren Geschäfts zuletzt: Die Händler hoffen, dass es bald aufwärts geht. Insbesondere die Fußball-Europameisterschaft im Juni in Frankreich soll die Kunden in die Läden locken, das hofft zumindest Werner Haizmann, Chef des europäischen Sporthändlerverbands Fedas. Er sagt: „Wir erwarten uns weitere Umsatzsteigerungen, vor allem im Teamsportbereich.“

Und auch die Produzenten blicken zuversichtlich ins neue Jahr. Ein niedriger Ölpreis, die Konjunkturschwäche in China, die Kriege im Nahen Osten, all das bereite den Herstellern zwar Sorgen, erklärt Frank Dassler, Präsident des Weltverbands der Sportartikelindustrie. Doch in der Vergangenheit habe sich die Branche „eigentlich immer als recht krisensicher erwiesen“. Die großen Marken könnten dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum im Kerngeschäft mit Schuhen und Kleidung von bis zu zehn Prozent rechnen, unterstrich der Funktionär, der als Chefjurist von Adidas sein Geld verdient.

Die Ispo in München ist wie schon in den Vorjahren komplett ausgebucht mit 2645 Ausstellern. Allerdings, die Branchenführer bleiben erneut fern: Nike, Adidas und Puma sind schon seit Jahren nicht mehr dabei. Für die Besucher ein gewichtiger Nachteil, sagt Händlerfunktionär Haizmann: „Natürlich hätten wir die gern auf der Ispo.“ Messechef Klaus Dittrich freilich nimmt’s mit Humor: „Wir hätten gar keinen Platz, die unterzubringen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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