Weltwirtschaftsforum 2016: Warum die Manager mit mieser Laune nach Davos reisen

Weltwirtschaftsforum 2016: Warum die Manager mit mieser Laune nach Davos reisen

, aktualisiert 20. Januar 2016, 11:19 Uhr
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Am meisten sorgen sich die deutschen Manager über die staatliche Überregulierung, geopolitische Risiken und die Schuldenkrise.

von Torsten RieckeQuelle:Handelsblatt Online

Viele Chefs kommen mit mulmigen Gefühlen zum Elitegipfel in die Alpen – denn sie sehen die weltweiten Wachstumsaussichten für ihre Unternehmen in Gefahr. Der Absturz der Börsenkurse ist ein eindeutiges Warnsignal.

DavosDas diesjährige Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos soll eigentlich ein Signal zum Aufbruch ins digitale Zeitalter werden. Doch die meisten Manager reisen mit mulmigen Gefühlen zum Elitegipfel in die Schweizer Berge. Zwei Drittel der Top-Manager weltweit sehen für die Wachstumsaussichten ihrer Unternehmen heute mehr Gefahren als vor drei Jahren. Das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) unter mehr als 1.400 Chief Executives (CEO) rund um den Globus. Nur noch ein Viertel von ihnen glaubt, dass sich die Lage der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten verbessert.

Die deutschen Vorstandschefs sind sogar noch etwas pessimistischer als ihre Kollegen aus den anderen Industrieländern: Nur knapp 30 Prozent rechnet damit, in diesem Jahr überhaupt Wachstum zu erzielen.
„Die Verunsicherung in den Chefetagen nimmt weiter zu. Die Zunahme weltweiter politischer Krisen und Konflikte, die Entwicklung des Ölpreises, das verlangsamte Wachstum von Chinas Wirtschaft und die Herausforderungen durch Zuwanderung sind neue Risiken, die sich spürbar auf die Stimmungslage der Top-Manager ausgewirkt haben. 2016 wird kein Erfolgsjahr“, sagte Norbert Winklejohann, Vorstandssprecher von PwC-Deutschland.

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Am meisten sorgen sich die deutschen Manager über die staatliche Überregulierung, geopolitische Risiken und die Schuldenkrise. Mehr als verdoppelt hat sich jedoch die Angst vor gesellschaftlicher Instabilität. Die PwC-Experten führen das vor allem auf die Erschütterungen durch die aktuellen Flüchtlingskrise zurück.

Verunsichert wird die deutsche Wirtschaftselite auch durch den technologischen Wandel. Die Cyber-Kriminalität und das Tempo des technischen Fortschritts stehen bei den unternehmerischen Risiken zusammen mit dem Fachkräftemangel ganz oben. Der Grund ist, dass die sogenannte vierte industrielle Revolution viele bisherige Geschäftsmodelle infrage stellt und unsere Arbeitswelt massiv verändern wird. Nach einer Studie des WEF wird die digitale Revolution zusammen mit anderen Faktoren in den nächsten fünf Jahren rund fünf Millionen Arbeitsplätze in den 15 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern vernichten.

„Jede bisherige industrielle Revolution wurde von zwei Kräften angetrieben, nämlich von Automatisierung und Konnektivität, allerdings noch nie in dieser Intensität. Diese beiden Kräfte werden sich auf die einzelnen Länder, Unternehmen und Menschen ganz unterschiedlich auswirken. Diejenigen, die sich wirtschaftlich darauf einstellen können, werden für diese dynamische Zukunft besser gerüstet sein“, sagte UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber bei der Vorstellung eines „White Papers“ zur Digitalisierung in Davos.


Industrieländer werden stärker profitieren

Allerdings räumt die UBS ein, dass die digitale Revolution zwei sehr unterschiedliche Gesichter hat. Eine größere Konnektivität biete zahlreiche potenzielle Vorteile, berge aber auch größere Risiken zum Beispiel durch elektronische Kriegsführung. Konnektivität erhöhe die Risiken durch Cyber-Bedrohungen, und da Netzwerke immer stärker miteinander verknüpft seien, nehme das Ausmaß dieser Gefahren immer weiter zu. Extreme Konnektivität könne auch geopolitische Spannungen anheizen, denn sie verbessere die Fähigkeit verschiedener Gruppen, sich zu organisieren und zu protestieren.

Auf dem Arbeitsmarkt seien es vor allem Beschäftigte mit geringer und mittlerer Qualifikation, die um ihren Job fürchten müssten, schreiben die Schweizer Banker. „Dadurch ergeben sich eine zunehmende Polarisierung der erwerbsfähigen Bevölkerung und eine wachsende Einkommensungleichheit.“ Schon jetzt ist die Schere zwischen Arm und Reich weit geöffnet.

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation (NGO) Oxfam besitzen die 62 reichsten Einzelpersonen genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Vor einem Jahr waren es noch 80 Superreiche. Kein Wunder, dass nach einer Umfrage der US-Beratungsgesellschaft Edelman fast zwei Drittel der Besserverdienenden den politischen und wirtschaftlichen Institutionen vertraut, aber nicht einmal die Hälfte der Menschen aus den unteren Einkommensklassen. Diese Vertrauenslücke erkläre auch, warum populistische Politiker wie Donald Trump in den USA oder Marine Le Pen in Frankreich derzeit einen hohen Zulauf hätten.

Unterm Strich werden die Industrieländer stärker von der digitalen Revolution profitieren als die meisten Schwellenländer. „Schwellenländer hingegen stehen vor größeren Herausforderungen, weil das Überangebot an gering qualifizierten Arbeitnehmern kein Vorteil mehr ist, sondern sich eher belastend auswirkt“, heißt es n der UBS-Studie. Das deckt sich mit einer Prognose der Weltbank, die befürchtet, dass 60 Prozent der Weltbevölkerung in den ärmeren Ländern von den Wohlstandsgewinnen der vierten industriellen Revolution abgeschnitten bleiben.

Als den voraussichtlichen Gewinner der digitalen Revolution sehen die Analysten dagegen die USA. Und zwar nicht nur wegen ihrer Innovationschmiede im Silicon Valley, sondern auch, weil Amerika durch den Dollar immer noch den Ton in der Weltwirtschaft angibt. „Die Wettbewerbsvorteile Amerikas könnten die effektiven monetären Bedingungen in den Ländern, deren Währungen an den US-Dollar gekoppelt sind, verschärfen“, warnen die Experten der Schweizer Großbank.

Quellle:  Handelsblatt Online
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