Werbeexperte Jörg Ihlau: „An Plakaten kann keiner vorbeisehen“

Werbeexperte Jörg Ihlau: „An Plakaten kann keiner vorbeisehen“

, aktualisiert 01. September 2017, 12:13 Uhr
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Ob Werbung gute Werbung ist, ist nicht nur Geschmacksfrage.

Quelle:Handelsblatt Online

Wahlkampf im Jahr 2017. Alles digital? Nein, von Laternen lächeln Politiker wie eh und je, Sprüche im Großformat säumen die Straßen. Ein Werbefachmann erklärt, warum das so ist – und welche Parteien dabei herausstechen.

BerlinDie Parteien geben sich vor der Bundestagswahl im Internet besonders Mühe und ziehen emsig von Tür zu Tür, setzen aber auch auf das klassische Wahlplakat. Die einen setzen auf Popstar-Optik, die anderen auf ewige Wahrheiten in Großbuchstaben. Jörg Ihlau – in den 90er-Jahren Sprecher im Bundesbauministerium – von der Agentur Serviceplan Berlin hat sich die Kampagnen angeschaut.

Sind Wahlplakate im Jahr 2017 noch zeitgemäß?
Ganz allgemein gelten Plakate mehr denn je als effiziente Werbeform. Weil die Menschen in anderen medialen Kanälen sich immer mehr verlaufen, auf unterschiedliche Medien verteilen, ist Werbung im Stadtraum sehr attraktiv. Niemand kann dran vorbeisehen, jeder kann auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder wohin auch immer mitkriegen: Es ist Wahlkampf und da ist was los draußen. Generell hat der Wahlkampf vor allem die Aufgabe, die eigenen Leute an die Urne zu treiben.

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Welche andere Art der Wahlwerbung lohnt sich besonders?
Sehr wirksam sind kleine, persönliche Kontakte zum Wähler. Der Haustürwahlkampf hat nicht ohne Grund eine Renaissance erfahren. Es kommt dabei auch nicht drauf an, Menschen zu überzeugen, sie in große inhaltliche Gespräche zu verwickeln. Sowas wie Haustürwahlkampf wirkt, weil er ein bisschen persönliche Wertschätzung widerspiegelt. Besonders wirksam ist die Verbindung mit genau diesem Näheerlebnis auf Social-Media-Kanälen. Auf Facebook, auch auf Twitter, kann man als Spitzenkandidat zugänglich wirken für seine Wähler.

Welche Kampagne fällt Ihnen positiv auf?
Die FDP hat es geschafft, einen völlig neuen Look in die Wahlplakatewelt hinein zu bringen. Das erinnert eher an Plattencover. Der Spitzenkandidat stellt sich eher dar wie ein Popstar als wie ein Spitzenpolitiker, wie wir das von anderen Parteien oder aus anderen Wahlkämpfen kennen. Die FDP hat mit ihrer Kampagne vermute ich vor allem ein Ziel im Kopf: Nämlich ganz konsequent anders aufzutreten, keine Erinnerung an die alte FDP aufkommen zu lassen.

Und welche Kampagne gefällt Ihnen aus Werber-Sicht nicht?
Die Grünen haben, finde ich, gestalterisch die schlechtesten Wahlplakate. Texte, die wie Denkmäler oder wie Grabsteine ewige Wahrheiten ausdrücken sollen. In Großbuchstaben, ganz schlecht lesbar, auf dieser Modefarbe Magenta, die auch die FDP nutzt. Und auf der anderen Seite haben die Grünen einen sehr schönen TV-Spot hingekriegt. Sie müssen über die großen Bedrohungen dieser Welt sprechen, über Klimawandel, Naturkatastrophen, Einwanderungsprobleme, soziale Risiken. Und das haben sie im TV-Spot trotzdem positiv hingekriegt, sie haben ein positives Lebensgefühl vermittelt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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