Werbungskosten: Beim Esstisch hört das Steuersparen auf

Werbungskosten: Beim Esstisch hört das Steuersparen auf

, aktualisiert 23. Mai 2016, 10:28 Uhr
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Bei manchen Ausgaben bringt auch die ausführlichste Begründung keine Steuerersparnis.

von Constanze ElterQuelle:Handelsblatt Online

Das büromäßig eingerichtete häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen, ist schon schwierig genug. Eine andere Art von Möbeln wollte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz nun aber keinesfalls anerkennen.

Neustadt an der WeinstraßeArbeitsmittel und Gegenstände, die zu weniger als zehn Prozent beruflich genutzt werden, gelten gemeinhin als Privatsache – steuerlich betrachtet. Die Finanzverwaltung wertet solche Ausgaben in aller Regel als Kosten der privaten Lebensführung. Zumal sich eine Aufteilung meist ohnehin nicht klar definieren lässt.

Ein gewerblicher Bauleiter versuchte es trotzdem. Er kaufte einen Esszimmertisch aus Nussbaum und dazu sechs weiße Lederstühle. Kostenpunkt: knapp 10.000 Euro. Den Tisch samt Stühlen stellte er in sein Esszimmer, das zum Wohnzimmer hin offen war. Der Bauleiter machte geltend, dass er auf Tisch und Stühle angewiesen sei.

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Nur dort könne er Pläne und Akten bearbeiten. In puncto Einkommensteuer war er damit vor Gericht bereits gescheitert. Nun argumentierte er in einem weiteren Verfahren, dass die Gründe für die Ablehnung des Betriebsausgabenabzugs nicht auf die Umsatzsteuer übertragbar seien. Somit stehe ihm der Vorsteuerabzug in der Umsatzsteuererklärung zu.

Der Unternehmer führte noch einmal detailliert aus, warum er davon überzeugt sei, dass er seinen Beruf ohne diese Möbel nicht ausüben könne. Die Tischgruppe stelle die einzige Möglichkeit dar, die Bauakten und Pläne zu bearbeiten. Sein Arbeitszimmer sei winzig, einen Schreibtisch in der erforderlichen Größe habe der Kläger nicht erwerben können. Die Tischdecke auf dem Tisch diene in erster Linie dem Schutz vor Kratzern. Er habe nachgewiesen, dass er an dem Tisch an mindestens 65 Tagen gearbeitet habe.

Das Gericht konnte diese Darlegungen nicht nachvollziehen (Az.: 6 K 1996/14). Die Zeiten der Nicht-Nutzung könnten nicht außer Betracht bleiben, sondern müssten der privaten Nutzung zugerechnet werden. Das gelte nicht nur für den Betriebsausgabenabzug, sondern auch für die umsatzsteuerlichen Aspekte.


Mindestnutzung von zehn Prozent

Die Richter räumten zwar ein, dass das Möbelstück unternehmerisch genutzt werde. Aber mangels einer Alternative handele es sich auch um Mobiliar, mit dem ein privater Raum eingerichtet sei. „Auch in Zeiten der ‚Nicht-Nutzung‘ dient der Tisch der Einrichtung des privaten Zimmers und damit einem privaten – nicht unternehmerischen Zweck.“ Die Höhe der Kosten lasse außerdem darauf schließen, dass bei der Anschaffung nicht nur Zweckmäßigkeit im Vordergrund gestanden habe, sondern dass der Kläger den Raum nach seinem Geschmack habe möblieren wollen. Das Finanzgericht berechnete die unternehmerische Nutzung also neu und kam auf einen Anteil von 2,9 Prozent.

Außerdem wies das Gericht noch einmal darauf hin, dass für die berufliche Nutzung von mehr als zwei Stühlen kein Anhaltspunkt ersichtlich sei. Schließlich habe der Bauleiter mit seinen Aufzeichnungen nachgewiesen, dass er bei seinen Besprechungen nur Einzelgespräche geführt habe. Da der Unternehmer eine Rechnung mit einem Pauschalpreis erhalten hatte, hätten die Preise für die einzelnen Stühle also per Schätzung herausgerechnet werden müssen.

Praxistipp:

Sollten Sie private und betriebliche Nutzungsanteile auseinander rechnen müssen, sollten Sie stets berücksichtigen, dass die betriebliche Nutzung mindestens zehn Prozent beträgt. Nur dann kann der jeweilige Gegenstand steuerlich berücksichtigt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Haufe.de. Ist dieser Steuertipp interessant für Sie? Weitere Beiträge finden Sie auf dem Haufe-Finance-Portal.

Quelle:  Handelsblatt Online
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