Werbungskosten: So bringt die Party einen Steuervorteil

Werbungskosten: So bringt die Party einen Steuervorteil

, aktualisiert 29. März 2016, 14:20 Uhr
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Wer mit Freunden und Kollegen anstößt, kann unter Umständen Werbungskosten geltend machen.

von Constanze ElterQuelle:Handelsblatt Online

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps? So einfach ist es bei Steuern nicht immer. Auch wenn Freunde mitfeiern, können Party-Kosten steuerlich absetzbar sein. Der Anlass ist nicht das einzig entscheidende Kriterium.

MünchenIrgendeinen Anlass gibt es immer: ein Dienstjubiläum, eine Verabschiedung in den Ruhestand, ein bestandenes Examen. Grund genug, um ein paar Sektflaschen zu entkorken und gemeinsam mit Kollegen und Freunden zu feiern. Veranstaltet ein Arbeitnehmer eine Party, um ein berufliches Fortkommen und zugleich seinen runden Geburtstag zu feiern, kann er die Kosten dafür zumindest anteilig steuerlich geltend machen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat aktuell seine Rechtsprechung zur Aufteilung von gemischten Aufwendungen weiter verfeinert (Az.: VI R 46/14). Nach Ansicht des BFH können demnach trotz eines herausgehobenen persönlichen Ereignisses berufliche Aufwendungen gegeben sein – und umgekehrt.

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Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Arbeitnehmer seine Steuerberaterprüfung bestanden: Er feierte die Bestellung zum Steuerberater zeitgleich mit seinem runden Geburtstag. Dazu lud er Kollegen, Verwandte und Bekannte ein und machte in seiner Steuererklärung anteilig die Kosten dafür als Werbungskosten geltend: ein anteiliger Betrag von rund 1.500 Euro für Hallenmiete und Bewirtung.

Im Gegensatz zum Finanzgericht Baden-Württemberg erklärte der Bundesfinanzhof, dass Aufwendungen eines Arbeitnehmers für eine Feier aus beruflichem und privatem Anlass teilweise als Werbungskosten abziehbar sein können. Der Anlass der Feier ist demnach ein hilfreiches, aber nicht ausreichendes Indiz, um die Aufwendungen zu beurteilen. Damit müssen weitere Punkte herangezogen werden, zum Beispiel

  • wer Gastgeber ist,
  • wer die Gästeliste bestimmt,
  • wer eingeladen wird (Kollegen, Geschäftsfreunde, Mitarbeiter oder private Bekannte),
  • wo die Veranstaltung stattfindet,
  • ob sich die Kosten im Rahmen vergleichbarer betrieblicher Veranstaltungen bewegen und
  • ob das Fest den Charakter einer privaten Feier aufweist.


Die Kosten je Gast berechnen

Häufig hat man mit dem ein oder anderen Kollegen auch privaten Kontakt. Dies kann ebenfalls zum Kriterium werden: Wird eine ganze Abteilung eingeladen oder alle Mitarbeiter einer bestimmten Funktion – zum Beispiel alle Außendienstmitarbeiter oder Auszubildenden –, handelt es sich um berufliche Aufwendungen. Ob Sie zu einzelnen Kollegen freundschaftlichen Kontakt pflegen, ist bei dieser Beurteilung unerheblich. Kommen dagegen nur einzelne Kollegen, lässt dies auf eine nicht unerhebliche private Mitveranlassung schließen.

Der Bundesfinanzhof gab noch einmal Hinweise dazu, wie Kosten bei gemischt veranlassten Aufwendungen aufzuteilen sind. Im Fall einer Feier, an der sowohl Gäste aus dem privaten als auch dem beruflichen Umfeld teilgenommen haben, sind die Gesamtkosten anteilig nach Gästen aufzuteilen.

Die Ausgaben, die auf den einzelnen Gast entfallen, sind nach Einschätzung des Gerichts im vorliegenden Fall mangels eines objektiven Aufteilungsmaßstabs entweder komplett der beruflichen oder der privaten Sphäre zuzurechnen. Dies müsse im Einzelfall und unter Betrachtung aller Umstände immer wieder neu entschieden werden, wo die Grenze zwischen betrieblichem und privatem Bereich verläuft.

Praxistipp:

Stammen sämtliche Gäste aus dem beruflichen Umfeld, lässt dies auf einen beruflichen Bezug der Feier schließen. Auch die Tatsache, dass sich zum Beispiel die Sekretärin um die Anmeldungen und weitere organisatorische Aufgaben kümmert, ist ein Hinweis für einen beruflichen Anlass.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Haufe.de. Ist dieser Steuertipp interessant für Sie? Weitere Beiträge finden Sie auf dem Haufe-Finance-Portal.

Quelle:  Handelsblatt Online
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