Wie Lotto-Millionäre anlegen: „Hände weg und sauber bleiben!“

Wie Lotto-Millionäre anlegen: „Hände weg und sauber bleiben!“

, aktualisiert 15. Januar 2016, 18:06 Uhr
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Größere Summen sollten sorgsam investiert werden.

von Jens HagenQuelle:Handelsblatt Online

In den USA gab es einen Milliarden-Lotto-Jackpot. Ein Vermögensverwalter erklärt, wie Neu-Millionäre auch in turbulenten Börsenzeiten ihr Geld anlegen – und welche haarsträubenden Fehler sie dabei machen.

Der Code zum unerschöpflichen Wohlstand lautet 4, 8, 19, 27, 34, Zusatzzahl 10. Das sind die Gewinnzahlen für die US-Lotterie Powerball. Im Jackpot befanden sich gut 1,5 Milliarden US-Dollar. Auch wenn nicht der gesamte Betrag unter die Gewinner aus Florida, Kalifornien und Tennessee aufgeteilt wurde und sie noch einen Steuersatz von 30 Prozent entrichten müssen ist klar: Die Loskönige haben ausgesorgt. Bei einer sofortigen Auszahlung bekäme jeder von ihnen immer noch knapp 300 Millionen Dollar.

Die meisten Leser, die von diesem Losglück erfahren haben dürften wohl gedacht haben: Was wäre, wenn mir so etwas einmal passiert? Was würde ich mit dem Geld machen? Der Finanzplaner Heiko Löschen berät beim Vermögensverwalter Mademann & Kollegen vermögende Privatkunden in Hamburg. Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung erklärt er, wie Menschen reagieren, die plötzlich sehr reich geworden sind.

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Herr Löschen, angenommen ich hätte einen dreistelligen Millionenbetrag gewonnen und käme zu Ihnen. Was würden Sie mir raten?
Ich würde erst einmal versuchen, Sie zu beruhigen. Die meisten Menschen, die plötzlich zu großem Reichtum gelangen sind aus meiner Erfahrung geradezu von Panik getrieben. Sie sehen sich unter dem enormen Druck, das Geld möglichst schnell anzulegen und somit die „schönen Sorgen“ los zu sein.

Wie beruhigen Sie solche „Neureichen“?
Ich mache sie auf dieses psychologische Phänomen aufmerksam. Und darauf, dass deswegen die meisten Fehler bei der Geldanlage entstehen. Ich mache klar: Es kommt nicht auf einige wenige Wochen an. Geldanlage ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf.

Was passiert dann?
Dann höre ich erst einmal zu. Was ist das für ein Mensch? Wie ist sein Bezug zu Geld. Möchte er sich selbst darum kümmern oder nur ab und zu eine Überweisung auf sein Konto und ansonsten gar nichts hören? Wieviel Flexibilität benötigt er bei seinem Vermögen? Ist er eher für Absicherung oder will er eine nennenswerte Rendite sehen? Das kann sehr lange dauern. Wenn ich mir sicher bin, was das für ein Geldanlegertyp ist, dann können wir in die Beratung starten.

Wie soll jemand, der plötzlich in den Besitz von hundert Millionen Euro gekommen ist sein Geld anlegen?
Die Frage lässt sich pauschal nicht seriös beantworten. Es hängt von sehr vielen Faktoren ab. Da wäre etwa das Alter zu nennen oder der Punkt ob und wie der Vermögende seine Familie, andere Menschen oder Organisationen bedenken möchte. Es kommt darauf an, welche Immobilien die Person haben möchte, ob er im In- oder Ausland leben möchte, wie seine steuerliche Situation ist. Um nur einige Kriterien zu nennen. Vor allem die Liquidität wird oft unterschätzt.


„Der Wunsch, Steuern zu sparen ist vielfach übermächtig“

Bitte erklären Sie uns das genauer.
Es gibt liquide Anlagen, dazu zählen neben Tages- und Festgelder auch Aktien, Gold und sogar im erweiterten Sinn Anlagen in Kunst, Oldtimern oder Schmuck. Im Notfall lassen sich solche Anlagen relativ schnell in Bargeld tauschen. Es gibt aber auch nicht liquide Anlagen. Dazu zählen etwa Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder Rentenversicherungen. Tendenziell setzen Vermögende oft zu sehr auf illiquide Anlagen.

Anders ausgedrückt: Das Insolvenzrisiko steigt mit dem Reichtum?
Das ist jetzt natürlich arg überspitzt formuliert. Ich möchte Ihnen ein Beispiel eines vermögenden Arztes geben. Er legte sein Vermögen, knapp eine Millionen Euro vor allem in Immobilien, unternehmerischen Beteiligungen und Versicherungen an. Dann lief die Praxis schlechter und der Mann brauchte Geld. Solchen Phasen belasten die Partnerschaft. Es kam zur Scheidung von der Gattin. Der Geldbedarf stieg. Zu allem Überfluss lief auch noch die unternehmerische Beteiligung schlecht und er musste Geld nachschießen. Der Mann hatte keine liquiden Mittel zur Verführung und entkam nur knapp der Privatinsolvenz.

Gibt es weitere Fehler, die Vermögende machen?

Der Wunsch, Steuern zu sparen ist vielfach übermächtig. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Wenn wir mit Ihren fiktiven hundert Millionen Euro, losgelöst von der Anlageform, eine Rendite von drei Prozent erzielen würden, hätten Sie einen Ertrag von drei Millionen Euro. Dafür würde Pi mal Daumen eine Einkommenssteuer von 1,4 Millionen Euro im Jahr fällig. Viele schmerzt es, solche Summen an das Finanzamt zu überweisen. Es gibt zwar nach wie vor vorteilhafte und legale Steuersparmodelle, aber auch unseriöse. Denken Sie nur an die vielen Prominenten, die jetzt anwaltlich vertreten werden. Ich kann dazu immer wieder nur sagen: Hände weg und sauber bleiben!

Wie viele Berater kümmern sich um einen Vermögenden?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Bei einem dreistelligen Millionen-Vermögen kann man schon ein eigenes Familiy Office aufbauen, das sich um die Verwaltung kümmert. In der Regel handelt es sich um ein Team von internen und externen Spezialisten, etwa für Anlage, Immobilien, Steuern und Recht.


„Da helfen keine Lehrbücher“

Es heißt: Aktien seien der Schlüssel zum Anlageerfolg. Das ist nur schwer zu glauben jetzt, wo der Dax seit Jahresbeginn fast zwölf Prozent verloren hat. Welchen Anteil sollten Vermögende im Depot haben?
Faustregeln und Börsenweisheiten haben in der Praxis keinen Wert. Ein Beispiel: Eine vermögende Familie kam zu uns und hatte ein Portfolio von vier Millionen Euro, das ausschließlich aus Aktien Bestand. Den Rat, das Vermögen breiter auch in anderen Anlageformen zu streuen, lehnte die Familie ab. Schon die Eltern hätten nur Aktien gehabt, sie seien an starke Schwankungen gewöhnt, die innerhalb von Jahrzehnten schon mal eine Millionen Euro betragen könnten. Jeder Anleger hat seine Vorlieben und Erfahrungen, das sollte der Berater akzeptieren.

In Deutschland sind Aktien vergleichsweise unbeliebt.
Ganz genau. Ein Vermögender hatte mehrere hundert Millionen Euro fast komplett in Immobilien angelegt. Für 50.000 Euro kaufte er Telekom-Aktien. Jedes Mal, wenn der Kurs minimal fiel, rief er an. Dieses Beispiel zeigt: Die Anlage muss immer auch zu der Erfahrungswelt des Kunden passen. Der Anleger muss sich grundsätzlich mit der gewählten Anlage wohlfühlen. Da helfen keine Lehrbücher.

Was möchten Sie den Millionären unter unseren Leser noch mit auf den Weg geben?
Eigentum verpflichtet! Viele Vermögende machen ganz neue, intensive Lebenserfahrungen, wenn sie sich sozial engagieren. Nicht nur in anonymen Stiftungen, sondern persönlich und vor Ort.
Herr Löschen, wir danken für das Gespräch.

Quellle:  Handelsblatt Online
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