Wie Zurich sich für die Zukunft rüstet: „Alexa, was kostet mich eine Hausratversicherung?“

Wie Zurich sich für die Zukunft rüstet: „Alexa, was kostet mich eine Hausratversicherung?“

, aktualisiert 04. September 2017, 19:31 Uhr
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Die intelligente Lautsprecherbox des Online-Händlers Amazon soll die Fragen potenzieller Zurich-Kunden beantworten.

Quelle:Handelsblatt Online

Digitalisierung, Stellenabbau, neue Kunden: Die Versicherer befinden sich im Umbruch. Zurich Deutschland will den Markt mit smarten Innovationen erobern. Dabei steht eine Sprachassistentin im Mittelpunkt: Amazons Alexa.

Köln„Wir werden radikal anders arbeiten. Kreativer, kundenorientierter, agiler, effizienter“, hatte der Vorstandsvorsitzende der Zurich Gruppe Deutschland, Marcus Nagel, zuletzt angekündigt. Einen Zwischenstand präsentierte er am Montag. Dies tat Nagel nicht etwa im Bonner Sitz der deutschen Tochter des Schweizer Top-Versicherers – sondern in einem überschaubaren Kölner Co-Working-Space für Start-ups.

Mitarbeiter stünden hier regelmäßig im Austausch mit jungen Tech-Start-ups. Es sei wichtig, in der Szene dabei zu sein, so Nagel. Zurich schätze neben der IT-Kompetenz auch den Enthusiasmus der jungen Unternehmer. Von ihnen erhofft sich die Assekuranz neue Ideen für den digitalen Markt – und insbesondere junge Kunden.

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Dabei steht eine Sprachassistentin im Mittelpunkt: Alexa. Die intelligente Lautsprecherbox des Online-Händlers Amazon beantwortet die Fragen potenzieller Kunden. Wer Alexa beispielsweise die Größe seiner Wohnung und seine Postleitzahl verrät, erfährt von ihr den Preis für eine Hausratversicherung. Dazu erhalten Interessierte eine E-Mail und können die Versicherung binnen weniger Sekunden abschließen. Zum Ende des Jahres sollen Alexa-Besitzer die Anwendung („Skill“) im Amazon-Store herunterladen können.

Im Tagesgeschäft setzt die Zurich schon länger auf digitale Hilfe: Rund 50.000 Geschäftsvorfälle und 30.000 Glasschadenvorgänge würden jährlich per Software-Robotics vollautomatisch abgewickelt. In seine IT-Basis hat die deutsche Zurich zuletzt einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. „Durch die digitale Transformation werden viele Aufgaben wegfallen. Es ist jedoch schwer einzuschätzen, welche Stellen noch abgebaut werden“, so der Vorstandsvorsitzende Nagel.

859 Stellen werden bei Zurich Deutschland bis Ende 2018 gestrichen. Dies sei Nagel zufolge bislang zur Hälfte geschehen. Auch die Münchner Wettbewerberin Allianz will als Reaktion auf die Digitalisierung innerhalb der nächsten drei Jahre 700 Vollzeitstellen abbauen.

„Ich glaube, dass die Digitalisierung auch neue Aufgaben schafft. Denn jemand muss die digitalen Lösungen programmieren und aktualisieren“, erklärt Nagel. Im Endeffekt dürften sich die gestrichenen und die neu geschaffenen Stellen die Waage halten. Neben seiner Mitarbeiterzahl reduziert Zurich Deutschland auch seine Standorte von bisher fünf auf zwei in Köln und Frankfurt.

Dort sollen die Mitarbeiter eine „neue Unternehmenskultur“ etablieren. Dazu tragen etwa offene Raumkonzepte bei – auch die Vorstände sollen keine Einzelbüros mehr haben. Bei der Produktentwicklungen setzen die Versicherer künftig auf die Design-Thinking-Methode. Dabei entstehe das Angebot Nagel zufolge im permanenten Austausch mit dem Kunden.

Damit der Dialog mit dem Kunden zu keinem Zeitpunkt abreißen muss, feilt die Zurich auch einem Chat-Roboter, der Versicherungsfragen beantworten kann. Künftig soll ein Kunde auch ein einfaches Smartphone-Foto an die Zurich schicken können – zum Beispiel von einem Fahrrad, das er gerne versichern lassen würde. Berater empfehlen daraufhin entsprechende Angebote, die Interessierte online abschließen können. Und auch im Schadenfall sollen Betroffene bald einen Zurich-Begutachter per Smartphone dazuholen können.

Aber mehr Innovation geht anscheinend immer: Deshalb veranstaltet Zurich Deutschland im Oktober einen eigenen „Hackathon“. Dort entwickeln Programmierer über 48 Stunden hinweg digitale Ideen und Lösungen für den Versicherer. Die Teams mit den besten Ergebnissen entlohnt Zurich mit insgesamt 75.000 Euro. Der „InsurHack“ findet jedoch nicht in einem kleinen Co-Working-Space statt – sondern im Kölner Rheinenergiestadion.

Quelle:  Handelsblatt Online
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