Windturbinenbauer: Nordex wird von Branchenkrise voll erfasst

Windturbinenbauer: Nordex wird von Branchenkrise voll erfasst

, aktualisiert 14. November 2017, 11:33 Uhr
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Die Geschäfte des Windkraftunternehmens laufen schlecht.

von Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Gewinn halbiert, Umsatzziel verfehlt und kaum neue Aufträge: Der Hamburger Windturbinenbauer Nordex bereitet seine Aktionäre auf ein bescheidenes Jahr 2018 vor. Der Vorstand gelobt Besserung, doch die Anleger fliehen.

DüsseldorfEs ist eigentlich eine erfreuliche Entwicklung: Die Preise für Windstrom fallen weltweit rasant. Verbraucher müssen für grüne Energie immer weniger bezahlen. In vielen Ländern ist die Elektrizitätsgewinnung mit Hilfe von Windmühlen schon heute günstiger als jene aus konventionellen Quellen wie Kohle, Öl oder Gas. Für die Hersteller von Turbinen, Rotorblättern und Türmen – den wichtigsten Komponenten von Windkraftanlagen – hat der Preissturz bei ihrer Technik aber dramatische Folgen: Kurzfristig implodieren ihre Erträge.

Das jüngste Opfer dieser Entwicklung ist Nordex. Deutschland drittgrößter Windradbauer kassiert sein Umsatzziel. 2017 erwartet Nordex nur noch Erlöse von weniger als 3,1 Milliarden Euro. Im Sommer hatte der Konzern noch ein Ziel von bis zu 3,3 Milliarden Euro ausgegeben. Nach neun Geschäftsmonaten hat sich der Gewinn des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr zudem mehr als halbiert – von 64 Millionen Euro auf 28 Millionen Euro.

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„Die Windenergiebranche durchlebt bewegte Zeiten“, schreibt Nordex-Chef José Luis Blanco im Brief an seine Aktionäre. Der Spanier an der Spitze des Hamburger Windkraftkonzerns spricht von „intensivem Wettbewerb“ und „Marktverwerfungen“. Und er bereitet seine Anleger auf noch mehr Gegenwind vor. 2018 werde „herausfordernd“ und „schwierig“, erläutert Blanco. Konkrete Zahlen bei seiner Sicht auf das kommende Jahr möchte er aber noch nicht nennen – Marktbeobachter hingegen schon. 

„Wir erwarten für 2018 nur noch einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro“, sagte Arash Roshan Zamir dem Handelsblatt. Als Hauptgrund für den bevorstehenden Erlöseinbruch bei Nordex von voraussichtlich 20 Prozent im kommenden Jahr nennt der Analyst von Warburg Research den „sehr schwachen Auftragseingang“. Nach neun Geschäftsmonaten konnte Nordex lediglich Aufträge für die nächsten Jahre im Wert von 1,1 Milliarden Euro verbuchen. Das ist ein Minus im Vergleich zum Vorjahr von 49 Prozent.

Die schlechten Aussichten verschrecken die Investoren. Am Dienstag stürzte die Aktie von Nordex zunächst um fast sieben Prozent ab. Schon seit Monaten fliehen die Anleger bei den Hamburgern. Die Nordex-Papiere befinden sich aktuell auf einem Vierjahrestief. Allein in diesem Jahr ist der Aktienkurs des Konzerns von mehr als 30 Euro Anfang Januar auf aktuell kaum mehr als sieben Euro abgestürzt.

Roshan Zamir glaubt zwar, dass Nordex dem absoluten Tiefpunkt beim Aktienkurs damit schon „sehr nahe gekommen ist“. Damit eine weitere Kurskorrektur ausgeschlossen werden kann, müsse Nordex aber im vierten Quartal „wieder einen stärkeren Auftragseingang liefern“, sagt der Warburg-Analyst.


Herbe Flaute für die Branche

Nordex-Chef Blanco zeigt sich in Bezug auf die kommenden Geschäftsmonate optimistisch. „Derzeit ermutigen uns die aktuellen Verhandlungen mit großen internationalen Kunden. So gehen wir von einem erneut starken Schlussquartal aus“, erklärte der Spanier. Allerdings machen dem Manager weiterhin die veränderten Rahmenbedingungen in seiner Industrie und der schwächelnde Heimatmarkt zu schaffen.

Rund um den Globus werden die Förderungen für Ökostrom gekappt. Die einst erfolgsverwöhnten Anbieter von Windanlagen wie Nordex, Vestas oder Siemens müssen sich auf einmal im Wettbewerb um die Höhe der Vergütungen streiten. Der Konkurrenzkampf ist unerbittlich. Nach Jahren des Wachstums und der Rekordergebnisse steuert die Windkraftindustrie auf eine herbe Flaute zu. Im Zentrum der Erschütterung steht dabei Deutschland.

Ausgerechnet im Vorzeigeland der Energiewende droht der Markt für Windenergie zu implodieren, wie eine Analyse des Markforschungsunternehmens Windresearch zeigt. Wurden hierzulande im Jahr 2016 noch Windräder mit einer Leistung von 4.600 Megawatt am Festland neu gebaut, dürften es im Jahr 2019 nur noch etwa 2.500 Megawatt sein. Im Schlimmsten Fall droht der Markt sogar auf weniger als ein Viertel seiner aktuellen Größe zu schrumpfen – auf 1.100 Megawatt.

Nordex-Chef Blanco begegnet dieser Entwicklung mit einer Rosskur. Die Strukturkosten des Konzerns sollen um 45 Millionen Euro sinken. Bis zu 500 der insgesamt 5.200 Arbeitsplätze bei Nordex dürften gestrichen werden. Blanco hat den Hamburgern zudem eine neue Struktur verordnet und die operativen Aktivitäten in drei Divisionen (Europa, Nordamerika, International) aufgeteilt.

Nordex soll schlanker werden. Gleichzeitig will Blanco 150 Millionen Euro in neue Anlagen investieren. Im Sommer stellte er zwei neue Turbinen mit 140 und 149 Meter großen Rotoren vor, die dafür sorgen sollen, dass Nordex technologisch wieder die Branchenführung übernimmt.

„Auf mittlere Sicht sehe ich gute Chancen für unser Geschäft“, sagt Blanco. Das kommende Jahr werde zwar wegen der anhaltend schwachen Nachfrage in den europäischen Kernmärkten schwach ausfallen, aber der Nordex-Chef sieht dafür „ab 2019 eine sich wieder erholende Geschäftsentwicklung“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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