Wohnen im Studium teurer: 580 Euro für eine Studentenbude

Wohnen im Studium teurer: 580 Euro für eine Studentenbude

, aktualisiert 06. April 2016, 10:32 Uhr
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Die Wohnungssuche stellt Studenten oftmals vor ein großes Problem.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Die Mieten für Studentenwohnungen steigen rasant an. In München müssen Studenten für eine Wohnung im Schnitt 580 Euro zahlen. Wie können sich Studenten da noch auf ihr Studium konzentrieren?

Köln„München ist am teuersten!“- Für Normalverdiener ist diese Erkenntnis des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) über den Wohnungsmarkt der bayerischen Landeshauptstadt unangenehm, für Studenten ist sie eine Katastrophe.

Denn zusätzlich werden Wohnungen für Studenten immer weniger finanzierbar, weil das Einkommen des akademischen Nachwuchs mit den rasant steigenden Mieten nicht mithalten kann. Eines der krassesten Beispiele liefert Berlin: Dort verteuerten sich Studentenwohnungen von 2010 bis 2015 um fast 30 Prozent. Das haben das IW und der Studentenwohnungsinvestor Deutsche Real Estate Funds (DREF in einer Studie analysiert. Laut der Untersuchung kostet dort eine Musterwohnung für einen Studenten 386 Euro monatlich.

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In München sind die Wohnungen sogar um 200 Euro teurer. Und was die Quadratmeterpreise angeht, schießt München sowieso den Vogel ab. Im Schnitt 15 Euro Monatsmiete je Quadratmeter müssen Münchens Studenten für ihre Unterkünfte hinblättern.

In elf deutsche Städten wurden Angebotsmieten über das Vermittlungsportal Immobilienscout24 erhoben, die dann in den von IW und DREF erstmals erstellten Studentenwohnpreisindizes einfließen. Dabei werden auch die Mieten von WG-Zimmern berücksichtigt. Um die unterschiedlichen Mietwohnungsangebote in den Indizes abbilden zu können, wurden die Mieten über ein kompliziertes statistisches Verfahren auf eine Musterwohnung umgerechnet. Die hat 30 Quadratmeter Wohnfläche, wurde 1995 erbaut, verfügt über eine Einbauküche und ist 1,5 Kilometer von der Universität entfernt. 

Die Metropolen Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart haben zwar die meisten Studenten, aber Siegen, die kleinste der analysierten Städte, hat den größeren Anteil von studentischen Mietern, nämlich rund 20 Prozent.

Doch eine kleine gute Nachricht hat IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer für die Studenten der teuersten Städte München, Frankfurt und Hamburg. Seit Anfang 2015 sinken dort die Mieten leicht. In München vermuten die Experten, dass Menschen mit mittleren und niedrigerem Einkommen ins günstigere Umland ausweichen und auf diese Weise Druck vom studentischen Wohnungsmarkt nehmen. In Hamburg würden die Mieten leicht sinken, weil sich das Wohnungsangebot erhöht hat.

Doch diese Preisminderung wird nicht lange anhalten. In allen Städten mit Ausnahme von Kiel und Siegen werden die Märkte enger werden. Das liegt daran, dass immer weniger Wohnungen angeboten werden und gleichzeitig die Zahl der Erstsemester zunimmt. 


Wohnangebot wird in Studentenstädten knapp

Kleine Wohnungen sind besonders knapp, weil die Zahl der Ein-Personen-Haushalte nach wie vor zunimmt. Wie knapp zeigt eine andere Studie des Immobiliendienstleisters Savills: Demnach sind in München nur sechs Prozent der Wohnungen kleiner als 30 Quadratmeter.

Die Vergleichszahlen für Stuttgart: Dort können Studenten zwar sechs Quadratmeter mehr mieten, aber nur neun Prozent der Wohnungen hat weniger als 40 Quadratmeter. Savills rechnet vor, dass in den 30 größten Hochschulstädten in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der erschwinglichen Wohnungen von etwa 1,7 auf 1,3 Millionen zurückgegangen ist. Gleichzeitig sei die Zahl der Studierenden im selben Zeitraum von 1,2 auf 1,5 Millionen gestiegen.

Einen weiteren Beleg dafür, dass es vor allem an Studentenapartments fehlt, zeigt ein Vergleich der Mietpreisentwicklung zwischen dem Gesamtmarkt und dem Angebot für Studentenwohnungen. In fast allen großen

Städten erhöhten sich die Mieten für Studenten stärker als die Wohnungen des Gesamtmarkts. Nur in Frankfurt stiegen die Mieten im Gesamtmarkt in den vergangenen fünf Jahren ein wenig schneller an, in Köln stiegen beide Wohnungsmärkte gleich schnell.

„Der Bedarf an kleinen Wohnungen steigt überproportional, weshalb Investoren und Projektentwickler gefordert sind, innovative und bezahlbare Lösungen für kleine Haushalte zu finden“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Abgesehen davon, dass die Mieten für Studentenwohnungen in Metropolen wie München, Hamburg, Frankfurt oder Köln Höchststände erreichen, sind Monatsmieten von 600 Euro und mehr für Studentenapartments in den Universitätsstädten wie Göttingen und Freiburg keine Seltenheit mehr, beobachtet die Bausparkasse Schwäbisch-Hall. „Die Wohngemeinschaft ist nicht immer die Alternative, denn auch das kleine WG-Zimmer kann so teuer sein wie andernorts eine 65-Quadratmeter-Wohnung“, sagt Hans-Joachim Piontek, Regionaldirektor der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Das Marktforschungsinstitut Empirica hat gerade die Monatsmieten für WG-Zimmer zum Sommersemester 2016 ausgewertet. Auch in diesem Punkt ist München am teuersten. Die Spanne reicht von 450 bis 635 Euro. Die von den Analysten definierte Standard-WG-Unterkunft kostet dort jetzt 530 Euro im Monat, vor vier Jahren war sie noch für 435 Euro zu haben.

Doch wer besonders billig wohnen möchte, sollte in Wilhelmshaven oder Chemnitz studieren. Dort sind WG-Zimmer für 230 beziehungsweise 216 Euro zu haben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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