Working Capital : Wie Sie versteckte Geldquellen freisetzen

Working Capital : Wie Sie versteckte Geldquellen freisetzen

, aktualisiert 17. Juni 2016, 16:02 Uhr
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Vorratshaltung ist teuer und aufwendig.

von Gian HessamiQuelle:Handelsblatt Online

Häufig binden Unternehmen zu viel Geld im Umlaufvermögen. Das könnten sie besser nutzen. Optimierungsmöglichkeiten sind gerade beim Management vorhanden. Viel frisches Kapital steckt häufig auch im Lagerbestand.

AachenUnternehmen halten zu viele Vorräte und müssen häufig zu lange warten, bis ihre Kunden Rechnungen bezahlen. Deutsche Unternehmen könnten 57 Milliarden Euro an Kapital freisetzen, wenn sie ihr Umlaufvermögen effizienter managen würden, so eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

Das Verhältnis des im Umlaufvermögen gebundenen Kapitals zum Umsatz ist 2014 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr von 12,5 auf 12,9 Prozent gestiegen. Während Unternehmen rund um den Globus Working Capital effizienter einsetzen, stagniert in Deutschland die Entwicklung seit 2010.

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„Bei der Optimierung des Working Capitals geht es zum einen um die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens und zum anderen um mögliche Effizienzpotenziale“, sagt Falco Weidemeyer, Finanzierungsexperte des Beratungsunternehmens Roland Berger. Firmen müssten zur Optimierung der Bestände, Forderungen und Verbindlichkeiten feste Systeme etablieren. Dabei gebe es oft nicht den einen großen Hebel, sondern viele kleine Stellschrauben. „Wir stellen allerdings häufig fest, dass Firmen die notwendigen Maßnahmen nicht sauber erarbeiten, dokumentieren und ständig überprüfen“, so Weidemeyer.

Konkret können laut dem Experten Unternehmen durch Lager-, Forderungs- und Verbindlichkeitsmanagement ihr Working Capital verbessern. Dies seien allerdings drei Bereiche, die sehr unterschiedliche Maßnahmen erfordern: „Bei der Lageroptimierung geht es um Optimierung der Lagerlogistik, des Logistiknetzwerks, der Bereinigung um Altbestände und schließlich der Definition und Sicherstellung serviceoptimaler Bestände anhand von dynamischen Zielwerten.“

Beim Forderungsmanagement stelle sich die Frage nach Insourcing oder Outsourcing. „Im Verbindlichkeitsmanagement liegt der Fokus auf der Verhandlung attraktiver Konditionen und der Steuerung der Zahlungen nach Liquiditäts- und Skontogesichtspunkten“, ergänzt Weidemeyer.

„Wenn man das Working Capital eines Unternehmens betrachtet, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie es wirtschaftlich aufgestellt ist“, sagt Martin Keller, Geschäftsbereichsleiter Product Management bei der Mittelstandsbank der Commerzbank. Bei der Analyse des Umlaufvermögens ergeben sich wichtige Fragen. Zum Beispiel: Wie betreibt die Firma ihr Forderungsmanagement? Wie arbeitet die Buchhaltung? Wie funktionieren Lager, Produktion und und Logistik?


Finanzierungsform Borrowing Base

„Ziel ist es, das Working Capital möglichst klein zu halten“, betont Keller. Bestehen zum Beispiel beim Unternehmen hohe Forderungen gegenüber Kunden, geht es darum, wie diese finanziert werden können. Der Klassiker ist der Barkredit bei der Hausbank. Ansonsten müssen sich Firmen nach Alternativen umsehen. Eine Möglichkeit ist das Factoring, bei der eine Factoringgesellschaft Forderungen ankauft.

Für Unternehmen, die große Lagerbestände im Umlaufvermögen haben, eignet sich oft die sogenannte Borrowing Base als Finanzierungsform. Im Gegensatz zur Kreditfinanzierung wird dabei die Beleihung nicht etwa durch Bürgschaften oder Immobilien gesichert, sondern durch das Umlaufvermögen der Firma. Wächst das Umlaufvermögen, weil sich das Unternehmen vergrößert, erhöht sich parallel dazu auch der Kreditrahmen. Daher ist Borrowing Base vor allem für Unternehmen attraktiv, die expandieren.

„Man kann sicher nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW). Tendenziell bestünden bei mittelständischen Unternehmen in Deutschland aber durchaus Optimierungsmöglichkeiten beim Management der kurzfristig zur Verfügung stehenden Vermögensgegenstände. „Nichts anderes ist das Working Capital“, so Ohoven. Mit dem Aufbau eines aktiven Working-Capital-Managements würden häufig Unternehmensberater betraut, deren Sachkenntnis hier gute Dienste leisten könne. Wie können Firmen ihr Working Capital verbessern? Dazu sagt Verbandschef Ohoven: „Theoretisch muss gewährleistet sein, dass liquide Mittel stets in ausreichender Höhe jederzeit zur Verfügung stehen.

Dazu sind eine optimierte Lagerhaltung und natürlich auch eine attraktive Produktpalette sinnvoll.“ Das gilt selbstverständlich auch für das Forderungs- und Kreditorenmanagement. „In der Praxis ist ein aktives Working-Capital-Management nicht die Regel. Insbesondere die langfristige Liquiditätsplanung fehlt oftmals“, resümiert Ohoven.

Die Vorteile eines effizienten Working-Capital-Managements liegen auf der Hand: Unternehmen können das frei gewordene Kapital besser nutzen, um Investitionen zu finanzieren, und langfristig wachsen. Dabei können sie deutlich höhere Renditen erzielen, als ihr Kapital unnötig im Umlaufvermögen zu binden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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