Wüstenlandschaft Lieberoser Heide: Deutschlands Sahara liegt in Brandenburg

Wüstenlandschaft Lieberoser Heide: Deutschlands Sahara liegt in Brandenburg

, aktualisiert 04. Juli 2017, 10:22 Uhr
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Das 550 Hektar große Areal gilt als Deutschlands größte wüstenähnliche Landschaft.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Gegenteil von blühenden Landschaften ist die Lieberoser Heide nördlich von Cottbus. Aus dem ehemaligen Truppenübungsplatz ist Deutschlands größte Wüste geworden. Ein Paradies für seltene Arten – und Naturforscher.

LieberoseDie Luft flimmert in der Ferne. Die Sonne knallt auf den Boden – Schatten gibt es nicht. Dafür einen pfeifenden Wind, der über die staubtrockene Weite hinwegfegt. Der Ort wirkt wie eine ferne Wüste, liegt aber mitten in Brandenburg.

Auf dem rund 550 Hektar großen Areal in der Lieberoser Heide nördlich von Cottbus machten zu DDR-Zeiten Sowjet-Panzer Schießübungen. Nach dem Abzug der Truppen in den 1990er Jahren blieb eine weitgehend kahle Landschaft zurück, die sich nur sehr langsam wandelt.

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Um eine echte Wüste handelt es sich nicht, aber „der Eindruck dort ist sehr wüstenähnlich“, sagt Peter Finck vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn. „Es ist wahrscheinlich die größte zusammenhängende vegetationsarme Fläche in Deutschland.“

Finck zufolge gibt es größere vegetationsarme Flächen in Deutschland auch außerhalb von Brandenburg, insbesondere auf ehemaligen oder aktiven Truppenübungsplätzen – etwa in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Dort sei der Vegetationsaufwuchs allerdings ausgeprägter und die Flächen meistens schon zumindest mit Heide bedeckt.

Davon ist die „Wüste“, wie die Lieberoser Heide in der Region genannt wird, noch weit entfernt. Der Leiter der Oberförsterei Lieberose Axel Becker geht davon aus, dass dort in ein paar Hundert Jahren wieder Wald stehen könnte. Heute ist das kaum vorstellbar.

Nur vereinzelt sind an den äußeren Rändern des Gebiets kleine Kiefern zu sehen. Die Samen aus umliegenden Wäldern hatten wohl Glück, weil sie in Kuhlen gelangten, wo sie sich geschützt entwickeln konnten.

Die Masse des Gebiets aber ist mit Flechten und Silbergräsern bedeckt. Und das ist schon ein riesiger Fortschritt. Denn zu Zeiten des Abzugs der sowjetischen Truppen war hier laut Becker nur eines zu sehen: Sand. An einigen Stellen gibt es heute noch Sandhügel.

Ein Großbrand im Jahre 1942 und dann die Panzer-Übungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide machten aus dem Gebiet diese karge Landschaft. Das Areal steht unter Naturschutz und ist wegen der hohen Munitionsbelastung für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, wie die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg mitteilt. Ihr gehören große Teile des Gebiets.


Nur wenige Arten kommen mit den Bedingungen klar

Die Stiftung bietet für Besucher geführte Touren in die Lieberoser Heide an. Jährlich sind es mehrere Dutzend, wie die Leiterin der Außenstelle Lieberose, Jenny Eisenschmidt, sagt. Anfragen gebe es beinahe täglich, zum Beispiel auch von Firmen, die Werbefilme drehen wollen, oder von Musikgruppen für Videoclip-Aufnahmen. Die Stiftung verfolgt aber das Ziel, dass sich die Wildnis ohne menschlichen Eingriff in Ruhe wieder entfalten kann und hat deshalb nur punktuell einige Aussichtspunkte eingerichtet, zu der sie Besuchergruppen führt.

In dem wüstenähnlichen Gebiet gibt es extrem seltene Arten, die solche nährstoffarmen, offenen Böden benötigen und auf diese selten gewordenen Lebensräume angewiesen sind. Der Lebensraum sei unter anderem für Insekten (Ameisenjungfer), Spinnen, Vögel (Brachpieper) sowie Heuschrecken (Blauflügelige Ödlandschrecke) von hoher Bedeutung, erläutert Eisenschmidt.

Aber auch Wölfe nutzen die Offenheit der Wüstenränder für die Jagd. „Grundsätzlich kommen mit den extremen Bedingungen nur wenige Arten klar“, so Eisenschmidt.

Das wüstenähnliche Gebiet ist auch für Forscher interessant, die hier die Entwicklung von Flechten und Gräsern beobachten. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2017 sollen Versuchsflächen installiert werden, so der Biologe Maik Veste von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU): „Wir wollen mit modernsten bildgebenden Sensoren den Kohlenstoffeintrag messen, um herauszufinden, wie viel Kohlenstoff diese biologischen Krusten binden.“ Kohlenstoff ist eine Voraussetzung dafür, dass sich die armen Böden entwickeln – damit aus der kargen Wüste irgendwann wieder ein vielschichtiger Naturlebensraum werden kann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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