WWF interviewt Peter Altmaier: „Ich leide wie ein Hund“

WWF interviewt Peter Altmaier: „Ich leide wie ein Hund“

, aktualisiert 07. September 2017, 11:01 Uhr
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Der CDU-Politiker ist gegen Verbote und lehnt eine CO2 Steuer ab.

von Sarah GerlachQuelle:Handelsblatt Online

Der Naturschutzverband WWF interviewte CDU-Politiker und Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Für den ehemaligen Umweltminister bot sich die Gelegenheit, die CDU als die eigentliche Umweltschutzpartei darzustellen.

„Deutschland muss eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagt CDU-Politiker Peter Altmaier. Es ist die Antwort auf die Frage der WWF-Moderatoren, welchen Stellenwert Umweltschutz für den Christdemokraten hat. Der WWF ist eine der größten Natur- und Umweltschutzorganisationen. Altmaier „leide wie ein Hund“, weil er das Gefühle habe, Umweltpolitik sei aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Dass der CDU der Schutz von Flora und Fauna wichtig ist, beweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die trotz des Austritts Donald Trumps aus dem Pariser Klimaabkommen an dessen Zielen festhalten will. Dabei hatte sich die Union bei den Klimaschutzzielen für Deutschland eher schwer getan. Monatelang wurde mit der SPD über einen Klimaschutzplan 2050 gestritten.

Eine halbe Stunde stellte sich Peter Altmaier, der neben seinem Job als Kanzleramtschef auch das Wahlprogramm der Union zusammenstellte, den Fragen der Umweltschutzorganisation. Vorher hatte der WWF schon Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und Linken-Politiker Dietmar Bartsch interviewt. Altmaier verband das derzeit wenig beachtete Thema des Umweltschutzes mit der Forderung nach einer stärkeren Digitalisierung der Wirtschaft: „Wir brauchen eine Präzisionslandwirtschaft, wo Pestizide nur da versprüht werden, wo sie auch wirklich notwendig sind“, so Altmaier. Dabei solle auch neue Technik helfen. Gegen ein Verbot des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat sprach er sich nicht aus. Er denkt, das würde der Vielfalt der Ökosysteme „eher schaden“.

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Ein weiteres Thema war der Artenschutz. Laut Altmaier hat die letzte Regierung viel erreicht – so wurden Maßnahmen gegen den Elfenbeinschmuggel beschlossen und weniger Fische gefangen. „Es braucht aber auch Hilfe bei Kleinstlebewesen und Pilzen“, so Altmaier. „Da müssen wir international noch mehr verhandeln, eine viel stärke politische Öffentlichkeit schaffen.“

Die größten Probleme sieht der Ex-Bundesumweltminister nämlich nicht in Deutschland, sondern in den Ländern der Dritten Welt. Auf die Frage, welches Umweltproblem ihn nachts nicht schlafen lasse, antwortete er: „Die afrikanischen Länder, da werden so viele Schadstoffe ausgestoßen. Umwelt hat dort einen sehr geringen Wert.“ Während Deutschland große Fortschritte bei der Entfernung von Plastiktüten gemacht habe, der Rückgang betrage 40 Prozent, hätten diese in Afrika eine riesige Konjunktur. Ob er trotzdem für ein Verbot von Plastiktüten eintritt, wird Altmaier gefragt. Er schüttelt den Kopf.

Überhaupt ist der CDU-Politiker gegen Verbote. Auch eine CO2 Steuer lehnt er ab. Man müsse Emissionsprobleme marktwirtschaftlich lösen, sagt er, zum Beispiel über einen Emissionshandel. Bis spätestens 2020 sollen die NOx-Werte eingehalten werden. Dazu muss sich in den Städten viel ändern: Es brauche eine ausreichende Zahl an Ladestationen für Elektroautos und Mobilitätskonzepte für Menschen, die sich anders fortbewegen wollen.

Ohnehin müsse sich in den Städten einiges ändern, Flachen müssten geschützt werden, indem mehr in die Höhe gebaut werde und alte Industrieflächen renaturiert würden. „Ein Land wie Deutschland muss sich so was leisten können“, so Altmaier.

Quelle:  Handelsblatt Online
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