Yen, Euro und US-Dollar: Neue Runde im Währungskrieg

Yen, Euro und US-Dollar: Neue Runde im Währungskrieg

, aktualisiert 07. April 2016, 17:06 Uhr
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Die Notenbanken scheinen um die niedrigste Währung zu kämpfen.

von Jürgen Röder und Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Nach der EZB nun die US-Notenbank: An den Devisenmärkten wird das Fed-Protokoll als Signal für vorerst weiter niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft gesehen. Der Kampf um die schwächste Währung geht weiter.

Düsseldorf, TokioNotenbanken haben eigentlich die Verantwortung eine erneute Finanzkrise wie 2008 zu verhindern. Doch offenbar wollen sie vor allem eine eigene starke Währung verhindern. Aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung vom März war hervorgegangen, dass sich die amerikanischen Notenbanker über eine baldige Zinsanhebung nicht einig sind. Mehrere Führungsmitglieder hatten für eine geldpolitische Straffung im April plädiert.

An den Devisenmärkten wird das Fed-Protokoll als Signal für vorerst weiter niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft gesehen. Dies machte vor allem dem Dollar zu schaffen, der sowohl zum Euro als auch zum Yen Federn ließ. „Einige Anleger gingen wohl für die nächste Zeit nicht mehr von einer Zinserhöhung aus“, sagte ein Händler.

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Noch im März hatte auch die EZB mit einer weiteren Zinssenkung den Euro geschwächt. Die japanische Notenbank versucht schon seit Jahren, mit einer ultralockeren Geldpolitik die schwache Inflation anzuschieben – bisher ohne Erfolg.

„Wenn jeder seine Währung schwach haben will, wird keine schwach sein“, warnt Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank. „Das ist ein Nullsummenspiel“. Dadurch würden Fehlallokationen entstehen, immer neue Blasen durch viel zu viel Liquidität. Seine Forderung: Die extremen Schwankungen, die zu real- und finanzwirtschaftlichen Verunsicherungen führen, müssen aufhören.

Die Frage ist: Wird nun Japan wieder eingreifen und nun doch mit einer Währungsintervention den Höhenflug des Yen bremsen? Die Marke von 110 Yen zum Dollar galt lange als ein möglicher Auslöser für einen Eingriff. Denn der rasante Höhenflug des Yen, der mit Chinas Börsendebakel Anfang des Jahres begann, stellt die Grundlage der Wirtschafts- und Geldpolitik von Regierung und Notenbank in Frage. Am Donnerstag rutschte der Dollar auf 108,20 Yen und notierte damit so niedrig wie zuletzt Ende Oktober 2014. Experten sehen einen wichtigen Grund in zunehmenden Zweifeln an der Geldpolitik der japanischen Notenbank. Der Euro notierte am Nachmittag mit 1,1340 Dollar etwas niedriger als dem am Freitag voriger Woche erreichten Jahreshoch von 1,1437 Dollar.

Japans Notenbank, global die Vorreiterin von Nullzinspolitik und massivem Kauf von Staatsanleihen, hatte im April 2013 die geldpolitischen Schleusen noch weiter geöffnet. Ein Ziel war, mit der geldpolitischen Brechstange aus der Deflation zu befreien und eine moderate Inflation von zwei Prozent zu erzeugen. Als willkommener und einkalkulierter Nebeneffekt ging der damals bärenstarke Yen in den Keller. Dies wiederum führte zu einer Explosion der Aktienkurse und der Gewinne von Firmen im Exportgeschäft wie dem Autobauer Toyota.


Ölpreis verschärft Probleme

Das Problem: Unter anderem wegen des Absturzes des Ölpreises droht der erhoffte inflationäre Schub zu versanden. Um die Inflationserwartungen am Leben zu erhalten, hat die Notenbank daher erst immer aggressiver Geld in die Wirtschaft gepumpt. Und als das nicht half, folgte sie Ende Januar dem Vorbild der EZB und führte negative Zinsen ein.

Theoretisch sollte dies den Yen schwächen. Denn die negativen Zinsen sollten eigentlich dazu führen, dass Japans Banken mehr Geld verleihen, ausländische Anleger die Finger von japanischen Staatsanleihen lassen und japanische Fonds und Banken stärker im Ausland Werte mit höheren Renditen erwerben.

Aber nach einem kurzen Fall setzte Japans Währung ihren Höhen- und der Aktienmarkt seinen Sinkflug fort. Als ein Grund gilt, dass Japan in unsicheren Zeiten als noch der sicherste Hafen angesehen wird. Zudem sehen Devisenexperten Japans Währung als unterbewertet an.

Als der Dollar voriges Jahr mit mehr als 120 Yen gehandelt wurde, war dies handelsgewichtet der schwächste Yen seit 1973. Tohru Sasaki von JP Morgan Chase sagt schon seit Monaten voraus, dass 100 Yen zum Dollar möglich seien. Dies wäre ein Niveau, mit dem Japans Exporteure wohl noch leben könnten. Laut Bloomberg-Daten wäre nach Kaufkraftparitäten gerechnet auch ein Dollar-Kurs von etwa 90 Yen noch fair.

Zwei Fragen bewegen daher die Märkte. Erstens verbreitet sich die Ansicht, dass die Notenbank derzeit wenig zur Belebung der Wirtschaft tun kann. Die Regierung kehrt nach Jahren der Geldschwemme nun zu einem bewährten Mittel im Kampf gegen Wirtschaftsflauten zurück: staatliche Ausgaben.

Kurz nachdem das Parlament Ende März den Haushalt für das ab 1. April laufende Fiskaljahr in Kraft gesetzt hat, kündigte Regierungschef Shinzo Abe bereits für Mai einen Nachtragshaushalt an.

Zweitens wird gerätselt, wo die Schmerzschwelle der Regierung beim Yen-Kurs liegt. „Es ist sehr schwierig, den Zeitpunkt einer Intervention voraussagen“, sagt Sasaki von JP Morgan. Denn die Entscheidung läge bei der Regierung, genauer beim Finanzministerium, und werde sehr von politischen Faktoren beeinflusst.

Viele Beobachter glauben daher, dass die Regierung vor dem G7-Gipfel der führenden sieben Industrienationen Ende Mai ihr Pulver trocken hält, um weitere Kritik zu vermeiden. Im Vorwahlkampf um die US-Präsidentschaft hatten sowohl der republikanische Spitzenreiter Donald Trump als auch die Favoritin der Demokraten Hillary Clinton Japan eine künstliche Schwächung des Yen vorgeworfen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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