Young Labour-Partei im Brexit-Wahlkampf : Ein Schwarzwald-Mädel in London

Young Labour-Partei im Brexit-Wahlkampf : Ein Schwarzwald-Mädel in London

, aktualisiert 21. Juni 2016, 14:15 Uhr
Bild vergrößern

Die Chefin der „Young Labours“ im Gespräch mit Orange-Korrespondent Paul Ostwald und Handelsblatt-Reporter Andreas Dörnfelder.

von Andreas DörnfelderQuelle:Handelsblatt Online

Die Londoner Young Labour-Chefin ist 25 und kommt aus Baden-Württemberg. Ein Auslandssemester motivierte Sabrina Huck zu ihrer besonderen Politik-Karriere. Doch die gerät nun in Gefahr, berichtet Orange by Handelsblatt.

LondonWenn im Büro mal wieder eine Debatte zum möglichen „Brexit“ über den TV-Bildschirm flimmert, setzt Sabrina Huck ihre Kopfhörer auf und schaltet ihre Musik ein. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagt die 25-jährige Abgeordnete der Londoner Young Labour-Partei. Huck ist das Nachwuchsgesicht der Partei, die man mit der deutschen SPD vergleichen könnte. Sie vertritt London bei nationalen Parteikongressen. Und, das mag besonders überraschen, sie stammt nicht etwa aus Großbritannien sondern aus Baden-Württemberg. Orange by Handelsblatt traf sie auf ein Pint.

Auf ihrem Facebook Account zeigt sie sich mal neben Londons Bürgermeister Sadiq Khan, mal neben dem Oppositionsführer und Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn. Doch nun droht der bemerkenswerten Karriere das Aus. „Mit einem Brexit wäre es für mich als Ausländerin in der britischen Politik vorbei“, sagt Huck.

Anzeige

Wie kommt eine Deutsche zu Young-Labour?

Der Moment, in dem es Sabrina Huck in die britische Politik zog, liegt gut drei Jahre zurück. Es war im Januar 2013. Als junges Mädle, wie man in ihrer Heimat in Lahr bei Freiburg sagen würde, hatte sie sich an der Uni Erlangen-Nürnberg für Politikwissenschaft und Öffentliches Recht eingeschrieben. Dann war sie für ein Auslandssemester nach Helsinki geflogen. In der finnischen Hauptstadt erlebte sie ein Europa wie im Bilderbuch. Huck traf Jugendliche aus Spanien und verliebte sich in einen Jungen aus England. Eines Tages saß sie im Hörsaal und verfolgte über Twitter und Facebook eine Rede von Großbritanniens Regierungschef David Cameron. Es war der Moment, als Cameron ankündigte, sein Volk über den Verbleib in der EU abstimmen zu lassen.

„Ich hatte sofort das Gefühl, dass das ein historisches Ding ist“, erinnert sich Huck. Und sie hatte das Bedürfnis, dass sie etwas unternehmen muss. Die Studentin wollte verhindern, dass die Briten dem vereinten Europa den Rücken kehren. Sie wollte nach London. Also überzeugte sie ihren Professor, ihre Abschlussarbeit über das anstehende Referendum zu schreiben und zog in die britische Hauptstadt. Dort erlebte sie ein anderes Europa. Ein Europa der Gleichgültigkeit. „Die EU war den Menschen egal“, sagt Huck. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die nationalkonservative Ukip auf das Thema Flüchtlinge einschoss.


„Ich fühle mich machtlos“

Für Huck war das alles kaum vorstellbar. Ihr Europa begann im heimischen Lahr praktisch vor dem eigenen Kinderzimmer. Baguette und Käse kauften die Eltern selbstverständlich im nahen Frankreich und auch die Schweiz, immerhin Teil des Schengenraums, war nur eine Autostunde entfernt. Grenzkontrollen? Unvorstellbar. Und so machte sich die junge Badenerin daran, den Briten die schönen Seiten der EU zu erklären.

Im Londoner Norden half sie der Labour-Partei beim Wahlkampf zur Parlamentswahl. So erfolgreich, dass die Young-Labours aus der City auf die junge Deutsche aufmerksam wurden und sie als Kandidatin ihres linken Flügels aufstellten. Huck gewann das Mandat – und ist seit Februar die Repräsentantin der Young-Labours in London.

Seit zwei Jahren beschäftigt sie sich nun schon mit dem möglichen Austritt der Briten aus der EU. „Ich habe meine Bachelorarbeit über das Thema geschrieben, Jahre lang bei Kampagnen mitgearbeitet und jetzt ist es tatsächlich so weit“. Doch ihre Stimme klingt nicht nach Vorfreude auf das Referendum. „Zurzeit fühle ich mich nur noch machtlos“, sagt Huck. Die Debatte werde über Wirtschaft geführt, dabei gehe es den Menschen eigentlich um etwas ganz Anderes.

Immigration. Zukunftsperspektiven. Nationalstolz. Dann gesteht sie ein: „Labour hat das Referendum ein wenig verpennt“.Was sie tun würde, wenn es am Freitag morgen tatsächlich „Brexit“ heißt? Vielleicht nach Deutschland gehen, aber eigentlich möchte sie lieber in London bleiben. „Hier fühle ich mich wohl, das ist meine Stadt“. Wenn Huck Deutsch spricht, klingen da zwei Akzente mit. Einer aus dem tiefsten Baden, einer aus Nordlondon. Aber sie sitzt nicht zwischen den Stühlen, ist auch nicht zwischen zwei Welten gefangen. „Das ist ein Europa“. Doch mit dieser Überzeugung fühlt sie sich in ihrer Heimat zunehmend allein. Der 24. Juni wird zu einem Schicksalstag werden, nicht nur für junge Briten. Er wird auch über die Zukunft des europäischen Gedankens entscheiden. Und für Sabrina Huck wird es der bedeutendste Tag ihrer jungen Politik-Karriere.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%