Youtube-Stars in Fernost: Wie eine 16-jährige Deutsche Thailand erobert

Youtube-Stars in Fernost: Wie eine 16-jährige Deutsche Thailand erobert

, aktualisiert 17. Dezember 2016, 14:35 Uhr
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Jannine Weigel aus dem Münsterland ist ein YouTube-Star in Thailand.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Unbekannte in der Heimat, aber in Asien ein Star: Im fernen Osten feiern Expats verblüffende Erfolge auf Youtube. Eine 16-Jährige aus Nordrhein-Westfalen gehört inzwischen zu Bangkoks Top-Prominenz. Eine Weltgeschichte.

BangkokIn ihrer deutschen Heimat ist Jannine Weigel nahezu unbekannt. In Thailand ist die 16-Jährige ein Star. Ihr Kanal auf Youtube verzeichnet bereits mehr als 350 Millionen Video-Abrufe. Zwei Millionen Abonnenten folgen der jungen Deutsch-Thailänderin in dem sozialen Netzwerk. Vor drei Jahren lud Weigel, die in der nordrhein-westfälischen Stadt Steinfurt aufwuchs und nach der Grundschule mit ihrer Familie nach Bangkok zog, die ersten Filme hoch, in denen sie Coverversionen berühmter Lieder sang. Sie wurden zum viralen Hit. Inzwischen ist die Musikerin, die nebenbei auch schauspielert sowie fließend deutsch, englisch und thailändisch spricht, zur Top-Prominenz des südostasiatischen Landes aufgestiegen.

Weigel – Tochter eines deutschen Vaters und einer thailändischen Mutter – gehört zu einer neuen Entertainer-Gattung, die in Asien verblüffende Erfolge feiert: Social-Media-Stars mit ausländischen Wurzeln, die sich fernab ihrer Heimat Millionen Fans begeistern. Echte Talente wie im Fall Weigels sind dabei nicht immer notwendig: Ein paar Kenntnisse der Landessprache reichen für den Online-Durchbruch in Fernost mitunter schon aus.

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Der 24-jährige Amerikaner Nate Bartling arbeitete zwei Jahre lang als Missionar für eine US-Kirche, bevor er sich in Bangkok niederließ, um mit Internetvideos Geld zu verdienen. Seine anderthalb Millionen Youtube-Abonnenten unterhält er mit Streichen, die er mit versteckter Kamera filmt. Außerdem erzählt er in fast akzentfreiem Thai über seinen Alltag und erreicht mit jedem Film Hunderttausende Zuschauer.

„Meine Videos werden zu viralen Erfolgen, weil ich den Thailändern eine neue Perspektive zeige“, sagt er über seine Arbeit. „Sie wollen wissen, was Ausländer über ihr Land denken. Sie sind ganz verrückt danach zu hören, wie ich in fließendem Thailändisch darüber spreche.“

Für Bartling wurde daraus ein lukratives Geschäftsmodell: Der Analyse-Dienst Socialblade schätzt seine Einnahmen durch Werbung in den Videos auf 5000 bis 80.000 Dollar im Monat – die Spanne ist so groß, weil Werbeplätze bei Youtube je nach Nachfrage sehr unterschiedliche Preise erzielen. Dass der junge YouTuber in einer Stadt wie Bangkok davon gut leben kann, steht jedoch außer Frage. Und der Markt wächst: Jeder Thailänder hat in diesem Jahr im Schnitt täglich 1,7 Stunden lang Videos auf Youtube konsumiert – im vergangenen Jahr waren es noch 1,1 Stunden.


Beruf mit hohem Risiko

Die gestiegene Aufmerksamkeit bringt aber auch neue Probleme mit sich. Ein Video, in dem sich Bartling jüngst über die schlechten Englisch-Kenntnisse der Thailänder lustig machte, stieß in den Lokalmedien auf heftige Kritik. Ein populäres Stadtmagazin erklärte den Youtuber zum „aktuell meist gehassten Ausländer“.

Das Berufsrisiko des Shitstorms kennt auch Christoph Rehage. Der deutsche Sinologe brachte es in dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo auf Hunderttausende Follower. In Videos kommentierte er in satirischem Ton gesellschaftliche Themen wie zum Beispiel das seiner Meinung nach schlechte Fahrverhalten vieler Chinesen, das zu vielen Unfällen führe. Seine unverblümte Ausdrucksweise in nahezu perfektem Chinesisch brachte ihm erst viele Fans und dann reichlich Ärger. Ein geschmackloser Witz über eine Volksheldin führte zu seiner Sperre auf Weibo und Drohanrufen aufgebrachter Chinesen.

Rehage, der auch mehrere Bücher über China geschrieben hat, machte auf Youtube weiter. Als er dort vor einem Jahr Mao mit Hitler verglich, zog er endgültig den Zorn der Anhänger der Kommunistischen Partei auf sich: Sie forderten, ihn vor Gericht zu bringen und zu bestrafen – obwohl Rehage zu dem Zeitpunkt gar nicht in China, sondern in Hamburg lebte. „Ich habe die Kritiker eingeladen, nach Deutschland zu kommen und zu versuchen, mich hier zu verklagen“, sagte er kurz nach dem Abebben der Empörungswelle. „Ich hätte das sehr lustig gefunden.“

Langfristig geschadet hat die Kontroverse dem deutschen Filmemacher jedoch nicht: Obwohl Youtube in Chinas Internet geblockt ist, konnte er seine Abonnentenzahlen in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppeln. Den Erfolg westlicher Webvideo-Stars in Asien sieht er aber auch kritisch: „Wenn Menschen nur deshalb berühmt werden, weil sie aus dem Ausland kommen und Chinesisch sprechen, dann fühlt sich das ein wenig rückständig an“, sagt er. „Man ist dann lediglich ein exotischer Tanzbär.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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