Zahlungsdienstleister Klarna: Mit rosa Logos gegen Paypal

Zahlungsdienstleister Klarna: Mit rosa Logos gegen Paypal

, aktualisiert 28. August 2017, 08:28 Uhr
von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Das schwedische Fintech Klarna will ab diesem Montag Farbe in die Welt des Online-Bezahlens bringen und stärker auf Endkunden zugehen. Die Neuerungen sollen Paypal vom Thron stoßen, doch auch Banken müssen sich vorsehen.

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Hauptsache bunt – mit seinem neuen Werbekonzept hat sich der Zahlungsdienstleister an der Mode- und Musikbranche orientiert.

FrankfurtDas Bezahlen im Internet soll ab diesem Montag bunter und flippiger werden. Dafür will der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna sorgen, der seinen kompletten Markenauftritt sowohl optisch als auch strukturell umstellt. Das Ziel des Unternehmens: „Wir wollen Paypal von Platz eins verdrängen“, sagte Marc Berg, Klarna-Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum, vorab dem Handelsblatt. „Die Kunden sollen am liebsten mit Klarna einkaufen.“ Das gelte sowohl für Deutschland als auch für andere Märkte. Noch ist der Abstand zur Nummer eins beim Online-Bezahlen groß, doch die Schweden könnten auch anderen Akteuren in der Finanzbranche gefährlich werden.

Beim Bezahlen in Online-Shops haben Verbraucher die Qual der Wahl: Im Durchschnitt bieten Händler sieben verschiedene Bezahlmethoden an. Die größte Verbreitung hat Paypal. Laut neuester Online-Payment-Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI ist der Zahlungsdienst in 90 Prozent der hiesigen Top-1.000-Online-Shops zu finden. An diesen Wert kommen nur Kreditkarten (88 Prozent) heran, gefolgt von Überweisung und Vorkasse (72 Prozent) und dem Kauf auf Rechnung (68 Prozent). Auf Platz fünf stehen Onlineüberweisungen – dominiert von Sofortüberweisung mit 61 Prozent der Händler.

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Dieses Verfahren gehört seit 2014 zu Klarna und war dessen erster großer Zukauf in Deutschland. Der Name allerdings ist ab jetzt Geschichte. Im neuen Design wird es ab diesem Montag nur noch „Sofort“ heißen. Dass Kunden verloren gehen, wenn sie an der Online-Kasse nicht mehr die „Sofortüberweisung“ finden, befürchtet Marc Berg nicht. „Wir haben dazu umfangreiche Tests gemacht.“ Für Aufmerksamkeit dürfte auch das neue Logo sorgen: Eine Hand, die ein Peace-Zeichen zeigt – und das Ganze weiß auf rosa, der neuen Markenfarbe von Klarna. An der Onlinekasse (check-out) sei sehr wenig Platz, erklärt Berg. „Um neue Kunden zu gewinnen, muss man auffallen.“ Die Inspiration zum neuen Design habe Klarna in der Fashion- und Musikbranche gefunden.

Neben der ehemaligen Sofortüberweisung bietet das Finanztechnologie-Unternehmen, das 2005 in Schweden gegründet wurde, inzwischen in 18 Ländern aktiv ist und rund 1.500 Mitarbeiter hat, diverse andere Bezahlmethoden an. Sie sind ab jetzt in drei Bereiche gegliedert: Neben „Sofort bezahlen“ gibt es noch „Später bezahlen“ – was für Rechnungskauf steht. Die dritte Kategorie heißt „In Raten zahlen“. Dieser Logik soll bald auch Billpay untergeordnet werden. Diesen deutschen Anbieter von Rechnungs- und Ratenkauf hatte Klarna im Februar übernommen. Momentan läuft noch das Prüfverfahren bei der Finanzaufsicht.


Erst Sofortüberweisung, dann Billpay und zwischendurch auch noch Cookies – Klarna war bereits drei Mal auf Einkaufstour am deutschen Fintech-Markt. Mithilfe des Cookies-Team wurde kürzlich die App Wavy gestartet, die das Geldsenden von Smartphone zu Smartphone ermöglicht. Kilian Thalhammer, Experte für Fintechs und Zahlungsdienste, traut dem Unternehmen einiges zu: „Noch sind die Investitionen in Deutschland nicht auf die Marktposition durchgeschlagen, aber ich glaube schon, dass Klarna für Paypal gefährlich werden kann“, sagte er dem Handelsblatt.


Konkurrenz im Konten- und Kreditgeschäft

International meldet Klarna 60 Millionen Kunden und 70.000 Händler, die auf seine Zahlungslösungen vertrauen. Gemessen an den Umsatzanteilen in Deutschland ist Klarna aber eher klein – zumindest auf den ersten Blick. Laut Daten des Forschungsinstituts EHI werden über die Sofortüberweisung gerade mal zwei Prozent der Online-Umsätze bezahlt. Auf Paypal dagegen entfallen knapp 18 Prozent – wobei der Anteil schon das zweite Jahr in Folge zurückging. Klarna hat aber auch beim Rechnungskauf seine Finger im Spiel – der mit 30 Prozent Umsatzanteil beliebtesten Bezahlweise im Onlinehandel. Über Dienstleister wie Klarna sichern insbesondere mittelgroße Händler das Ausfallrisiko beim Rechnungskauf ab. Klarna ist damit in 15 Prozent der Online-Shops zu finden, in knapp fünf Prozent ist es Billpay. Andere markengestützte Lösungen werden laut EHI von 7,9 Prozent der Händler genutzt.

Außerdem: Andere moderne Bezahlverfahren haben noch deutlich geringere Umsatzanteile. So kommt AmazonPay nur auf 1,1 Prozent. Giropay, ebenfalls ein Online-Überweisungsverfahren, das 2005 unter anderem von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken gegründet wurde, wird in der Studie gar nicht separat ausgewiesen. Ebenso Paydirekt, mit dem die deutschen Banken und Sparkassen seit 2014 Paypal Paroli bieten wollen. Laut EHI war Paydirekt mit Stand April nur in 45 der Top-1.000-Onlineshops vertreten. „34 Prozent der befragten Händler geben aber an, dass sie den Zahlungsdienst bis Ende 2018 in ihren Zahlungsmix aufnehmen wollen“, sagt Studienleiterin Dorothee Frigge. Mit Otto wurde gerade tatsächlich ein sehr großer Händler angebunden.


Um seine Marktposition zu stärken, will Klarna künftig die Konsumenten stärker in den Fokus rücken und als Marke besser wahrgenommen werden, erläutert Berg. Dabei soll insbesondere das Portal MyKlarna helfen, das auch als App für das Smartphone verfügbar ist. Hier können Kunden beispielsweise ihre Rechnungen einsehen, verwalten, bezahlen oder auch Konflikte mit Händlern melden. Berg sieht sich damit im Vorteil gegenüber Wettbewerbern: „Es gibt keinen anderen Rechnungsanbieter, der einen so umfassenden Service für Konsumenten bietet wie wir mit unserem MyKlarna-Portal.“

Ein Produkt zu bieten, das günstig und nützlich für Händler ist und zugleich den Kunden begeistert, bezeichnet Fintech-Experte Thalhammer als „große Herausforderung“. Anbieter wie Concardis oder Adyen, mit denen Klarnas Check-out, ein Paket aus mehreren Bezahlfunktionen, konkurriert, fokussieren bisher auf den Händler. „Einzig Paypal ist ebenfalls in alle Richtungen aktiv – kann aber dank seiner Marktmacht hohe Gebühren von den Händlern verlangen“, analysiert Thalhammer.

Angesichts der bisherigen Aktivitäten rechnet der Experte damit, dass Klarna künftig weitere reine Endkundenfunktionen anbieten wird. „Das werden mit Sicherheit Kredite sein, aber auch die Herausgabe einer Karte ist denkbar, denn darüber käme Klarna in die Ladengeschäfte und könnte mit einem Kreditrahmen einen weiteren Service anbieten“, vermutet er. Der Weg in den Laden könnte außerdem über eine Bezahlfunktion in der App geebnet werden. In Schweden läuft dazu bereits seit längerem ein Pilotprojekt. Letztlich könnte Klarna seine Aktivitäten künftig also sowohl im Kreditgeschäft ausweiten als auch den Offline-Bezahlverfahren und so den Anbietern von Girokonten Konkurrenz machen. Die nötige Vollbanklizenz hat das Fintech in diesem Juni von der schwedischen Finanzaufsicht erhalten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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