Zahlungsverkehr im Web: Große Freiheit mit Tücken

Zahlungsverkehr im Web: Große Freiheit mit Tücken

, aktualisiert 04. November 2016, 16:19 Uhr
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Kundenfreundlichkeit ist auch für Zweirad-Online-Shops wesentlich.

Quelle: PR

Quelle:Handelsblatt Online

Kunden haben die Qual der Wahl: Sie können unter verschiedenen Zahlungsarten wählen und schneller an Produkte kommen. Doch nicht jede Nischenlösung führt auch ans Ziel – und bietet hinreichend Vorteile.

HamburgDie E-Commerce-Firma Internetstores verkauft jedes Jahr europaweit rund 150.000 Fahrräder. In Onlineshops wie fahrrad.de, dem größtem Web-Geschäft der Branche, bietet das Unternehmen seinen Kunden bis zu acht verschiedene Wege, ihre Einkäufe zu bezahlen: per Kreditkarte, PayPal, Rechnung, Lastschrift, Ratenkauf, Sofortüberweisung, Banküberweisung oder Nachnahme. „Wir möchten niemanden bevormunden, jeder Kunde soll entscheiden können, wie er bezahlen möchte“, sagt Ulrich Spies, Direktor Kundenservice und Zahlungsabwicklung, bei fahrrad.de.

Was altruistisch klingt, ist kaufmännisch klug: Die Conversion-Rate – also das Verhältnis der Anzahl der Besucher eines Onlineshops zum Umsatz, den diese machen – steigt mit der Vielzahl der Zahlungswege. Bei fahrrad.de reicht zudem ein Klick, um als registrierter Kunde bestellen zu können. Kundenfreundlichkeit an der Webshop-Kasse ist das A und O.

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„Einfach und sicher muss ein Payment-System sein“, sagt Stefan Grieben, Vorstand des E-Business-Lösungsanbieters Novomind. Das Unternehmen baut jährlich mehr als ein Dutzend Webshops, vornehmlich für Mittelständler. Fast alle Onlineladen-Bauer von Magento bis Shopware bieten vorgefertigte Lösungen für die Integration von Zahlungssystemen und ermöglichen Anbindungen an andere Teile der IT-Landschaft. „Welche Zahlungswege ein Händler seinen Kunden anbieten sollte, hängt auch von seinen Warengruppen ab: Bei Baby-Nahrung und Windeln beispielsweise kommt es seltener vor, dass Kunden nicht zahlen als bei Playstations und Handys“, so Grieben.

Wer als Unternehmen auf Nummer sicher gehen wolle, solle seinen Kunden nur Paypal und Vorkasse anbieten sowie Optionen, die über Provider laufen, empfiehlt der Experte. Diese übernehmen die Implementierung, den Betrieb und vor allem auch das Ausfallrisiko. Ulrich Spies von fahrrad.de arbeitet bei Kreditkartenzahlungen mit Ingenico zusammen, beim Rechnungs- und Ratenkauf sowie bei Lastschrift mit dem Onlinezahlungs-Dienstleister Billpay. Klickt der Kunde den Button „zur Kasse“ an, werden sein Warenkorb und seine persönlichen Daten unter Bonitätsgesichtspunkten geprüft. Fällt die Prüfung positiv aus, werden dem Kunden auch die Zahlungsarten Rechnung, Lastschrift und Ratenkauf angeboten.


Kaufen auf Pump

Laut dem Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln werden im deutschsprachigen Online-Consumer-Sektor rund ein Dutzend verschiedene Zahlungsarten genutzt. Im Schnitt bieten Online-Händler demnach 5,3 Payment-Optionen an. Die Kunden zahlen hier zu Lande seit Jahren am liebsten per Rechnung – statistisch vier von zehn bevorzugen diesen Weg. „Die Rechnung wird vor allem von sicherheitsaffinen Konsumenten gewählt, die nur selten online einkaufen“, erläutert Sabrina Mertens, Leitern des E-Commerce-Center Köln.

Allerdings steigen in der Gunst der Online-Shopper steigt die Beliebtheit anderer Zahlungsverfahren bei den Verbrauchern stark an. Paypal wird von knapp 31 Prozent der Käufer favorisiert – das sind zwei Prozent mehr als im vergangenen Jahr, so geht aus der aktuellen IFH-Studie „ECC-Payment“ hervor. Für je zwölf Prozent sind Kreditkarte und Lastschrift erste Wahl.

Internetstores bevorzugen Payment-Systeme, bei denen der Warenversand unmittelbar ausgelöst wird. „Bei Banküberweisung müssen wir aufgrund der Banklaufzeiten warten, bis das Geld da ist“, sagt Spies. Außerdem müssen Zahlungen oft manuell zugewiesen werden. Das verzögert den Versandprozess. „Welche Zahlungsarten ich als Händler meinen Kunden anbiete, hängt davon ab, was ich verkaufe und an wen: Beim B2B-Handel beispielsweise ist neben Rechnungskauf auch Giropay oder Sofort-Überweisung üblich“ sagt Nelson Holzner, Geschäftsführer des Zahlungsdienstleisters Billpay.

Das im August 2015 eingeführte Bezahlsystem mehrerer deutscher Banken spielt kaum eine Rolle. „Rechnungskauf ist die Nummer Eins-Zahlungsart etwa in der Fashion- und Home&Living-Branche, Lastschrift bei häufig wiederkehrenden Zahlungen etwa im Bereich Carsharing und Lieferdienste“, so Holzner.

Für Händler insbesondere in der Mode- oder Reisebranche wird die Option Ratenkauf immer wichtiger, wie Holzner betont: „Vor allem bei höheren Beträgen entscheiden sich User eher zum Kauf, wenn sie in Raten zahlen können.“ Arbeite der Händler mit einem Provider, könne der Kunde sofort kaufen: „Beim Ratenkauf über zwischengeschaltete Banken wie CommerzFinanz, Santander oder Targobank muss er erst noch Unterlagen ausdrucken und bei der Post das Postident machen.“


Vorteile für Verkäufer

Auch für den Verkäufer hat dieses System einen Vorteil: die Kundenbindung, wie Stefan Grieben betont: „Wenn ich mit einen Käufer über eine Laufzeit von 24 oder 36 Monaten in Verbindung stehe, kann ich ihm problemlos auch neue Angebote offerieren.“ Billpay-Chef Holzner hat noch einen Tipp: „Händler sollten Rechnungs- und Ratenkauf so in ihren Shop einbinden, dass der Kunde diese Zahlungsoption als Vertrauensbeweis empfindet.“

Shop-Betreiber favorisieren Systeme wie Paypal oder Click & Buy, bei denen der Kaufpreis sofort auf ihrem Konto landet. Doch Holzner warnt: „Wer nur Paypal und vielleicht noch Kreditkartenzahlung anbietet, schneidet sich etwa die Hälfte der Deutschen als potenzielle Kundengruppe ab. Denn Paypal hat nur einen Marktanteil von rund 25 Prozent und eine Kreditkarte besitzt lediglich jeder vierte Bundesbürger.“

Novomind-Vorstand Grieben relativiert: „Für Geschäfte im internationalen Bereich ist Paypal extrem wichtig, weil sich damit Transaktionen in 190 Ländern und 20 Währungen abwickeln lassen.“ Neben der bequemen Abwicklung des Zahlungsvorgangs sollten Händler auch die Kosten im Auge behalten: Am günstigen sind Giropay und die Sofort-Überweisung.

Kreditkartenunternehmen wie Mastercard oder Visa verlangen als Gebühr zwischen etwa ein bis zwei Prozent der Kaufsumme, Paypal bis zu 1,9 Prozent plus 35 Cent. Provider bekommen für ihre Dienstleistungen zwischen ein und vier Prozent. Abhängig ist die Höhe vom Volumen und von der Art der Produkte. Dafür muss sich der Webshop-Betreiber aber auch nicht um Nachfragen von Kunden, um Mahnwesen und Inkasso kümmern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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