Zehnjährige Bundesanleihe: Allzeit-Tief in Sicht

Zehnjährige Bundesanleihe: Allzeit-Tief in Sicht

, aktualisiert 05. April 2016, 11:31 Uhr
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Bundesanleihen sind momentan gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Die Anleger sind nervös, das macht Bundesanleihen bei Anlegern wieder beliebt. Die Folge: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt auf ein Jahrestief. Fällt die Rendite bald auf null?

FrankfurtAnfang des Jahres hatten viele Investoren deutsche Bundesanleihen schon mehr oder weniger abgeschrieben. Die Kurse könnten im Prinzip nur noch fallen und die Renditen im Gegenzug steigen. Das war der Tenor bei der großen jährlichen Umfrage des Handelsblatts unter mehr als 30 Banken. Damals lag die Rendite der am meisten beachteten deutschen Bundesanleihe – der mit zehn Jahren Laufzeit – bei 0,63 Prozent – und damit deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt.´

Doch die Banken haben sich getäuscht. Mit 0,09 Prozent hat die zehnjährige Bund-Rendite am heutigen Dienstag ein neues Jahrestief markiert. Mehr noch: Sie nähert sich rasant ihrem Allzeittief. Dieses hatte sie am 17. April 2015 im Tagesverlauf mit 0,05 Prozent markiert. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe ist damit seit Anfang des Jahres um mehr als fünf Prozent gestiegen. Der Dax hat seither mehr als zehn Prozent verloren. Gerade am Dienstag schalteten die Investoren dabei wieder in den „Risk-Off-Modus“ – ausgelöst unter anderem durch rückläufige Auftragseingänge der deutschen Industrie.

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Selbst einen Fall unter die Marke von null Prozent schließen Banker bei der zehnjährigen Bundesanleihe jetzt nicht mehr aus. „Dies wäre ein historischer Schritt“, sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. Auch Jens Kramer, Leiter Volkswirtschaft und Strategie bei der NordLB, hält einen kurzfristigen Fall unter null Prozent für möglich. Die Strategen der Royal Bank of Scotland rechnen sogar fest damit, dass die zehnjährige Bund-Rendite bald auf minus 0,1 Prozent fallen wird.

Die zehnjährige Bundesanleihe setzen Investoren mit den sogenannten langfristigen Kapitalmarktzinsen gleich – daher die Bedeutung des Papiers. Grundsätzlich würde indes selbst eine negative Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nicht viel ändern – schließlich rentieren Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu neun Jahren bereits seit längerem im Minus-Bereich. Das bedeutet, dass Anleger, die die Papiere jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, einen garantierten Verlust machen.

Für den Run auf die Bundespapiere in diesem Jahr gibt es mehrere Gründe: Der schlechte Start der Aktienmärkte und die allgemeine Risikofurcht haben Investoren seit Jahresanfang verstärkt wieder in die „sicheren Häfen“ der Bundesanleihen getrieben. Dabei machten vor allem der fallende Ölpreis, die Sorgen um China und die allgemeine Furcht vor einer weltweiten Rezession die Anleger nervös.

Bundesanleihen sind in einem solchen Umfeld gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher. Die Ängste um die Weltwirtschaft haben sich zwar wieder etwas gelegt, doch dafür kommt jetzt erneut die Europäische Zentralbank (EZB) ins Spiel.


Bis Jahresende erwarten Banker wieder höhere Renditen

Die Währungshüter um Mario Draghi haben nicht nur den Leitzins auf null Prozent gesenkt und den Strafzins für Übernachteinlagen der Banken auf 0,4 Prozent erhöht. Sie legen auch bei den monatlichen Anleihekäufen einen Zahn zu. Seit April kauft die EZB über die nationalen Notenbanken monatlich Anleihen im Umfang von 80 Milliarden statt wie bislang 60 Milliarden. Der Großteil davon entfällt auf Staatsanleihen. Bislang machten deutsche Bundesanleihen rund zehn Milliarden Euro der monatlichen EZB-Käufe aus – diese Summe wird sich leicht erhöhen.

Trotz allem glauben Investoren aber nicht daran, dass die zehnjährige Bund-Rendite nachhaltig so niedrig bleibt. Dabei hilft auch ein Blick in die Vergangenheit. Die EZB hatte ihr Anleihekaufprogramm im vergangenen März begonnen. Dabei setzte sich die Rally der Bundesanleihen zunächst fort und trieb die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nur noch knapp über die Marke von null Prozent. Dabei war damals schon vielen Investoren angesichts der mickrigen Rendite mulmig zumute. Und sie behielten recht: Binnen weniger Wochen stieg die Rendite auf über ein Prozent.

Als Auslöser dafür galten damals etwas gestiegene Inflationssorgen und Aussagen von US-Investoren wie Bill Gross, dem bekannten Ex-Chef von Pimco und von Jeffrey Gundlach, Chef der US-Anlagefirma Doubline, einem in den USA fast ebenso bekannten Investor wie Gross. Beide empfahlen Wetten auf fallende Kurse bei Bundesanleihen, blieben bei Aussagen zum Timing aber sehr vage. Doch das reichte, um die Nervosität weiter zu schüren.

Vor solchen negativen Überraschungen sind Investoren auch jetzt nicht gefeit. Mit Blick auf Ende des Jahres sind Banken zumindest nach wie vor skeptisch für die Entwicklung von Bundesanleihen. Sie prognostizieren laut einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg im Schnitt einen Anstieg der zehnjährigen Bund-Rendite auf 0,54 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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