Zentralbanken-Dachorganisation: BIZ warnt vor Überlastung der Geldpolitik

Zentralbanken-Dachorganisation: BIZ warnt vor Überlastung der Geldpolitik

, aktualisiert 06. März 2016, 20:43 Uhr
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Die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken dürfte einer Studie zufolge dazu beigetragen haben, dass die Vermögen seit der Finanzkrise 2008 ungleicher verteilt sind.

Quelle:Handelsblatt Online

Die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbank trägt dazu bei, dass die Vermögen ungleicher verteilt sind. Das ist das Ergebnis einer BIZ-Studie. Die Zentralbanken-Dachorganisation warnt vor einem Vertrauensverlust.

Frankfurt/BaselAn den Finanzmärkten schwindet nach Einschätzung der Zentralbanken-Dachorganisation BIZ der Glaube an die Allheilkräfte der Geldpolitik. Die Turbulenzen an den Börsen zum Jahresstart hätten signalisiert, dass die Zentralbanken seit der Finanzkrise viel zu lange überlastet worden seien, warnte der Chef der Wirtschafts- und Währungsabteilung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Claudio Borio, im jüngsten BIZ-Quartalsbericht. Marktteilnehmer hätten dies bemerkt. „Und ihr Vertrauen in die Heilkräfte der Zentralbanken ist – wahrscheinlich zum ersten Mal – eingeknickt.“ Die Politik täte gut daran, dies zu sehen.

Laut BIZ-Bericht ist die internationale Kreditvergabe zwischen Banken zum ersten Mal seit zwei Jahren gesunken. In den Schwellenländern nahm zudem die Dollar-Verschuldung, die in den vergangenen Jahren noch ein Motor der Wachstumsfinanzierung war, nicht weiter zu. „Sollten die schwierigeren globalen Liquiditätsverhältnisse anhalten, könnte dies Stabilitätsrisiken für einige Länder bedeuten.“ Dem Bericht liegen unter anderem Daten zum globalen Bankgeschäft bis September 2015 zu Grunde.

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Während die internationalen Bankkredite an Industriestaaten danach im dritten Quartal 2015 weitgehend unverändert blieben, schrumpften sie hingegen an Schwellenländer um 141 Milliarden Euro. Im Vorjahresvergleich ist das ein Minus von sechs Prozent. Dem BIZ-Bericht zufolge betrifft der Rückgang insbesondere asiatische Länder – und hier vor allem China. So fiel die grenzüberschreitende Kreditvergabe an das Reich der Mitte den BIZ-Daten zufolge im dritten Quartal um 119 Milliarden Dollar. Allein das internationale Interbankgeschäft mit China sank um 100 Milliarden Dollar. Die BIZ hatte bereits Anfang Februar davor gewarnt, dass wegen des Dollar-Anstiegs einige Schwellenländer in Bedrängnis geraten könnten.

Die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken dürfte einer Studie zufolge dazu beigetragen haben, dass die Vermögen seit der Finanzkrise 2008 ungleicher verteilt sind. Zu diesem Ergebnis kommt die BIZ in einer am Sonntag veröffentlichten Untersuchung. Zwar lasse sich keine direkte Verbindung zwischen Niedrigzinspolitik und Vermögensverteilung feststellen, schreibt die auch als „Zentralbank der Zentralbanken“ bezeichnete BIZ. Aber es gebe Hinweise, wie eine lockere Geldpolitik die Vermögensungleichheit erhöht haben könnte.

Dafür dürften demnach vor allem steigende Aktienkurse verantwortlich gewesen sein. Als Folge der massiven Wertpapierkäufe vieler Notenbanken hätten sich Investoren von Vermögenswerten wie Staatsanleihen getrennt und stattdessen riskantere Anlagen wie Aktien gekauft. Zudem habe die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken zu einem Anlagenotstand geführt und die „Suche nach Rendite“ angefacht.

Gedämpft werde dieser Verteilungseffekt durch die nach der Finanzkrise ebenfalls gestiegenen Immobilienpreise, schränkt die BIZ ein. Dies liege daran, dass auch weniger reiche Haushalte über Immobilienbesitz verfügten, während Aktien vornehmlich im Besitz reicherer Anleger seien.

Die Resultate seien begrenzt aussagekräftig, betonte die BIZ. So sei etwa nicht berücksichtigt worden, wie sich die Geldpolitik nach der Krise auf Beschäftigung und Wachstum ausgewirkt habe. Befürworter einer lockeren Geldpolitik betonen, ohne eine geldpolitische Lockerung wären Wirtschaft und Arbeitsmärkte noch stärker eingebrochen, was die Vermögensungleichheit noch mehr erhöht hätte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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