Zika-Virus: Mit der App auf Mückenjagd

Zika-Virus: Mit der App auf Mückenjagd

, aktualisiert 12. März 2016, 13:55 Uhr
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Die App versieht Fotos potenzieller Mücken-Brutstätte mittels Geodaten automatisch mit der exakten Angabe des Ortes, an dem es aufgenommen wurde, und sendete einen Alarm an die Stadtverwaltung.

Quelle:Handelsblatt Online

Brasilien kämpft gegen Stechmücken, die das Zika-Virus und andere gefährliche Krankheitserreger übertragen. Eine Smartphone-App soll Bürgern und Behörden die Jagd auf die lästigen Blutsauger erleichtern.

NiteroiLuciana Santos hilft im Kampf gegen die Mücken, die das Zika-Virus, Dengue-Fieber und andere Krankheiten verbreiten. Sie braucht dazu nur ihr Handy. Santos lebt in Niteroi, einem Küstenort in der Nähe der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. Dort haben die Behörden kürzlich eine neue Smartphone-App namens „Sem Dengue“ – ohne Dengue – gestartet. Damit können Einwohner Pfützen und Tümpel melden, die als Brutstätte für den krankheitsübertragenden Moskito Aedes aegypti gilt.

Brasilien hat seinen Kampf gegen die Mücke verstärkt, seitdem die Fälle von Mikrozephalie gehäuft haben, einer Schädelfehlbildung bei Säuglingen, die zu geistiger Behinderung führen kann. Als Santos also kürzlich bei einem Spaziergang am Jurujuba-Strand auf mehrere Wasserpfützen mit Moskito-Larven stieß, machte sie mit ihrem Handy ein Foto und verschickte es mit der App.

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Die App versah das Foto mittels Geodaten automatisch mit der exakten Angabe des Ortes, an dem es aufgenommen wurde, und sendete einen Alarm an die Stadtverwaltung. Binnen 72 Stunden nahm sich ein Team der Mücken-Brutstätte an.

„Es ist ein Möglichkeit für uns, unserer Stadt zu helfen, was unserer Rolle als Bürger entspricht“, sagt Santos, Managerin einer onkologischen Klinik. Die Stadtverwaltung könne nicht alles sehen und die Bevölkerung ihr daher ein großes Stück helfen.


Moskito-Inspekteure nehmen den Strand unter die Lupe

Jurujuba Beach, gesäumt von Fischerbooten und gesprenkelt mit angeschwemmtem Müll, weist jede Menge potenzieller Moskito-Brutstätten auf. Wenn es regnet, sammelt sich das Wasser in allem Möglichen, von den Bootsrümpfen über leere Plastikeisbecher bis hin zu Flaschenverschlusskappen. Der Strand wird daher regelmäßig von einem halben Dutzend Moskito-Inspekteuren unter die Lupe genommen, die dank der App jetzt gezielter gegen die Gefahr vorgehen können.

Seit das Programm Anfang des Jahres angeboten wurde, sind bereits Hunderte von Meldungen bei der Stadtverwaltung eingegangen, wie Niterois Bürgermeister Rodrigo Neves schildert. Manche Berichte bezögen sich auf „Fundstellen“ in Wohnhauskomplexen oder anderen privaten Gebäuden, die Inspekteure kaum selber aufspüren könnten. Insgesamt nähmen die Menschen in dieser Stadt mit 490.000 Einwohnern ihre Umgebung stärker wahr, sagt Neves. Die Anwendung sei zweifellos eine „erfolgreiche Strategie, die örtliche Gemeinschaft für den Kampf gegen Aedes zu mobilisieren“.

Helio Costa zählt zu den Beauftragten, die vor Ort den App-Alarmmeldungen nachgehen. Er meint, dass sich grundsätzlich vieles ändern müsse, um den Kampf gegen Zika gewinnen zu können. Er kehre so viel Müll zusammen, kippe so viel Wasser aus und setze so viel Insektizide ein wie nur möglich, sagt Costa. Aber so lange die Menschen weiter die Straßen mit Müll übersäten, in dem sich Wasser sammeln könne, bleibe es extrem schwer.

Doch auch Costa hält die App für einen Fortschritt. Mittlerweile wird sie in mehr als einem Dutzend zumeist kleinen bis mittelgroßen Städten des Landes eingesetzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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