Zinsentscheid: EZB deutet vorsichtige Änderung der Geldpolitik an

Zinsentscheid: EZB deutet vorsichtige Änderung der Geldpolitik an

, aktualisiert 08. Juni 2017, 14:08 Uhr
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Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) wird auf einer Pressekonferenz die Entscheidung erläutern.

von Felix HoltermannQuelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank belässt trotz der Hinweise auf eine anstehende Veränderung der Geldpolitik die Leitzinsen auf ihrem Rekordtief. Allerdings deuten die Währungshüter einen Kurswechsel zumindest an.

DüsseldorfDie Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer Zinssitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn ihre Leitzinsen nicht angetastet. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Währungshüter am Donnerstag mit. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016. Auch die Strafzinsen für Banken, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken, wurden nicht angetastet. Der sogenannte Einlagensatz bleibt bei minus 0,4 Prozent.

Eine Änderung dürfte jedoch aufhorchen lassen. Der EZB-Beschluss enthält folgenden Passus: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.“ Bei den letzten Zinsentscheiden war die Formulierung immer durch den Zusatz „oder einem niedrigeren Niveau“ ergänzt worden.

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Damit signalisiert der EZB-Rat, dass er sich langsam auf einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Krisenpolitik vorbereitet. Dies war im Vorfeld der Zinssitzung von zahlreichen Beobachtern erwartet worden. Vor allem aus Deutschland erfährt die EZB zunehmend Kritik an ihrem Kurs der ultralockeren Geldpolitik.

Hierzu hatte auch die gestiegene Inflationsrate in Deutschland und Europa beigetragen. Lag diese zwischenzeitlich bei 2,0 Prozent, so sank sie zuletzt jedoch wieder auf 1,5 Prozent. Die EZB strebt eine Inflationsrate von annähernd 2,0 Prozent an.

Ökonomen zufolge ist die Euro-Zone auch im zweiten Quartal auf Wachstumskurs. Im ersten Jahresviertel war die Wirtschaft hier sogar stärker gewachsen als in den USA. Volkswirte erwarten, dass die EZB dies in ihrer Beurteilung berücksichtigt und auch durch eigene Wachstumsprognosen bestätigt. Allerdings dürfte EZB-Präsident Mario Draghi Sorge bereiten, dass sich die Inflation im Währungsraum weiterhin nicht dauerhaft dem Notenbank-Ziel von knapp unter zwei Prozent nähert. Manche Experten gehen davon aus, dass die Notenbank ihre Inflationsprognosen sogar leicht senken wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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