Zufriedenheit im Job: Warum die Deutschen ihre Firma nicht lieben

Zufriedenheit im Job: Warum die Deutschen ihre Firma nicht lieben

, aktualisiert 22. März 2017, 16:44 Uhr
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Viele Mitarbeiter geben ihren Chefs keine guten Noten.

von Maike FreundQuelle:Handelsblatt Online

Ein Großteil der Deutschen macht nur Dienst nach Vorschrift. Das kostet die Wirtschaft jährlich Milliarden. Dass so viele Mitarbeiter sich ihrem Unternehmen nicht verbunden fühlen, hat vor allem einen Grund.

DüsseldorfEs sieht nicht gut aus für deutsche Unternehmen. Denn die meisten Mitarbeiter fühlen sich an ihren Arbeitgeber emotional nicht gebunden. Laut einer Studie haben 85 Prozent der befragten Arbeitnehmer keine oder nur eine geringe Bindung an ihr Unternehmen. Und die innere Kündigung kostet: zwischen 80,3 und 105,1 Milliarden Euro jährlich – zum Beispiel, weil Angestellte so keine Höchstleistungen bringen. Schuld daran sind vor allem schlechte Chefs.

Einmal im Jahr veröffentlicht das Beratungsunternehmen Gallup seinen „Engagement Index“. Die repräsentative Studie geht der Frage nach: Wie sehr fühlen sich Mitarbeiter in Deutschland an ihr Unternehmen emotional gebunden? Und welchen Anteil hat das Führungsverhalten der Chefs daran? 1413 Mitarbeiter ab 18 Jahren befragte das Unternehmen dazu. Das Ergebnis: Ob ein Angestellter sein Unternehmen liebt oder nicht, liegt vor allem an den Chefs. Beispielsweise haben 45 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr darüber nachgedacht, wegen ihres schlechten Chefs den Job zu wechseln.

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Schicke Büros oder Aufenthaltsräume wie bei Google & Co. können zwar das Wohlbefinden der Mitarbeiter steigern, für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung reicht das aber nicht. „Damit jemand mit Hand und Herz dabei ist, müssen die Grundbedürfnisse befriedigt sein“, sagt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup. Mitarbeiter wünschten sich vor allem Klarheit über die Aufgaben im Job und Wertschätzung.

Das zeigen auch die häufigsten Antworten der befragten Angestellten: Für sie ist der wichtigste Faktor für eine Bindung ans Unternehmen, das zu tun, was die Person richtig gut kann. Dann folgt die Führungskraft. Außerdem wichtig: eine herausfordernde und abwechslungsreiche Tätigkeit, die Kollegen und die Unternehmensphilosophie. Auf den letzten Plätzen für die emotionale Bindung ans Unternehmen ist laut Umfrage die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Bezahlung oder die Anzahl der Urlaubsplätze.

Doch eben genau bei den Punkten, die die emotionale Bindung fördern, hakt es laut Gallup-Studie in der Praxis oft. 56 Prozent haben demnach in den vergangenen zwölf Monaten ein Gespräch mit dem Vorgesetzen über die Leistung geführt. Doch das reiche bei Weitem nicht aus, sagt Marco Nink. Positiv auf die Mitarbeiterbindung wirke sich erst ein regelmäßiges Feedback aus, so dass der Mitarbeiter sich zeitnah verbessern könne, sagt Nink. Je besser und häufiger das konstruktive Feedback, desto besser die Bindung.

Nicht immer bemisst die Forschung dem Führungsverhalten eine so hohe Bedeutung zu wie die Gallup-Studie. Der Chef sei nur „ein Teil des Ganzen“, sagt Stefanie Wolter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg der dpa. Schaue man sich an, was wechselwilligen Beschäftigten wichtig ist, stünden andere Dinge ganz oben: „Bessere Bezahlung, Zusatzleistungen, veränderte Arbeitsinhalte, Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten und erst danach kommt der Chef“, sagt Wolter.

Widerspruch kommt auch der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Die Befragung geht weit an der betrieblichen Realität hierzulande vorbei“, sagt ein Sprecher. „Deutschland verzeichnet auch im internationalen Vergleich Spitzenwerte bei der Arbeitszufriedenheit.“

Zwar sieht die Gallup-Studie vor allem die schlechten Chefs als ausschlaggebenden Faktor für die fehlende Mitarbeiterbindung. Doch Schuld ist auch das System: „In Deutschland gibt es eine Defizitorientierung“, sagt Nink. „Das beginnt schon in der Schule.“ Statt das zu fördern, was das Kind besonders gut kann, gebe es Nachhilfe im in den Fächern, in denen das Kind Lücken hat. Genauso sei es im Job. „Mitarbeiter werden nicht genug gefördert, das zu tun, was sie richtig können. Und so werden sie keine Höchstleistungen erzielen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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