Zurich Insurance: Versicherer schockt mit erneuter Gewinnwarnung

Zurich Insurance: Versicherer schockt mit erneuter Gewinnwarnung

, aktualisiert 20. Januar 2016, 09:53 Uhr
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Der Konzernumbau soll bis 2018 abgeschlossen sein. Allein in Deutschland sollen 500 Stellen wegfallen.

von Holger AlichQuelle:Handelsblatt Online

Auch im viertel Quartal 2015 belasteten hohe Kosten für Großschäden die Geschäfte des größten Schweizer Versicherungskonzerns. Viel schlimmer: Zurich bekommt ihr Kerngeschäft mit Großkunden offenbar nicht in den Griff.

ZürichNach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal 2015 und dem daraufhin erfolgten Abgang von Vorstandschef Martin Senn setzt Zurich Insurance auch im Schlussquartal des vergangenen Jahres seine Negativserie fort. So wird die Kernsparte Sachversicherung (General Insurance) im vierten Quartal aufgrund hoher Schadenlasten rote Zahlen schreiben, warnte Zurich.

„Aufgrund der negativen Auswirkungen der Naturkatastrophen und des hohen Niveaus an Großschäden in diesem Jahr erwartet Zurich derzeit, dass ihr Schadenversicherungsgeschäft (General Insurance) für das vierte Quartal 2015 einen Betriebsverlust von rund 100 Millionen Dollar ausweisen wird“, teilte das Unternehmen mit. Schon im dritten Quartal hatte die Sparte mit ihrem Verlust von 183 Millionen Dollar dafür gesorgt, dass der Zurich-Konzern im dritten Quartal einen Gewinneinbruch von fast 80 Prozent verbuchte. Im vierten Quartal würden allein die Herbststürme Desmond, Eva und Frank, die in Großbritannien und Irland gewütet haben, den Versicherer rund 275 Millionen Dollar kosten.

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Unvorhergesehene Stürme wie diese können immer das Zahlenwerk durcheinander wirbeln. Kritischer scheint, dass die Zurich ihr Kerngeschäft mit Großkunden offenbar nicht in den Griff bekommt. Dies war bereits im dritten Quartal der Hauptgrund für die Verluste.

So vermeldete die Zurich auch im vierten Quartal „ein sehr hohes Niveau an Großschäden“. „Diese beziehen sich hauptsächlich auf einen großen Schadenfall im Bereich Kredit- & Kautionsversicherung sowie verschiedene bedeutende Sachschäden, die in erster Linie das Großkundengeschäft (Global Corporate) und einige europäische Länder betreffen“, erklärte Zurich.

„Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die Schadenbelastung im Großkundengeschäft zu senken, diese sollten in diesem Jahr ihre Wirkung entfalten“, erklärte eine Sprecherin. Doch zunächst fallen Kosten von 475 Millionen Dollar für das verschärfte Sparprogramm in der Sparte an, die ebenfalls die Konzernrechnung belasten. Im Zuge des Programms streicht der Konzern ganze Management-Ebenen in der Sparte. Betroffen sind Hunderte Jobs, zudem werde Arbeitsplätze an Billigstandorte verlagert.


Schlechte Nachrichten auch aus Deutschland

Da das vierte Quartal sowieso schon eine weitere Katastrophe darstellt, packte die Zurich gleich noch eine schlechte Nachricht aus Deutschland oben drauf. Der Versicherer buchte eine Abschreibung 230 Millionen Dollar auf den Goodwill des 2002 gekauften Versicherers Deutscher Herold. Eine Sprecherin begründete den Schritt damit, dass sich die Aussichten aufgrund des Niedrigzins-Umfeldes dauerhaft verschlechtert hätten, daher sei der Goodwill nicht mehr werthaltig.

Schon nach den schlechten Zahlen im dritten Quartal hatte die Zurich die komplette Spitze der Kernsparte General Insurance in die Wüste geschickt. Anfang Dezember warf dann auch Vorstandschef Martin Senn das Handtuch. Derzeit wird der Konzern übergangsweise von Verwaltungsratschef Tom de Swaan geführt.

Unter Hochdruck sucht die Zurich nun einen neuen Vorstandschef. Laut Presseberichten versucht die Zurich, ihren Ex-Manager Mario Greco zurück zu gewinnen, der derzeit Vorstandschef des Konkurrenten Generali ist. Der Verwaltungsrat von Generali versucht dagegen, Greco mit einem besseren Lohnpaket zu halten. In jedem Fall will die Zurich spätestens zur Verkündung des Jahres-Ergebnisses am 11. Februar einen neuen CEO zu präsentieren.

Angesichts der zahlreichen Sonderposten, die die Zurich im vierten Quartal bucht, drängt sich der Eindruck auf, dass Übergangschef de Swaan seinem Nachfolger oder Nachfolgerin eine besenreine Bilanz übergeben will. Angesichts der operativen Probleme im für die Zurich so wichtigen Großkundengeschäft erwartet den neuen Zurich-CEO dennoch eine schwere Aufgabe.

Quelle:  Handelsblatt Online
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