Zweites Quartal der US-Banken: Auf der anderen Seite des Atlantiks ist das Gras grüner

Zweites Quartal der US-Banken: Auf der anderen Seite des Atlantiks ist das Gras grüner

, aktualisiert 31. August 2016, 06:22 Uhr
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Der gesamte Gewinn der 6058 Banken, deren Einlagen bei der FDIC versichert sind, lag Ende des zweiten Quartals bei 43,6 Milliarden Dollar nach Steuern, 1,4 Prozent höher als im Jahr zuvor.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die US- Banken haben im zweiten Quartal gut verdient. Auch die anstehende Zinserhöhung der Fed trübt die Laune nicht. Die zuversichtlichen Töne in den USA stehen im Gegensatz zu den Problemen der Branche in Europa.

New YorkDie amerikanischen Banken haben nach Zahlen der Einlagensicherung (FDIC) im zweiten Quartal mehr verdient als im Vorjahr. Zugleich ist das Volumen der Problemkredite gesunken und die Branche hat ihre finanziellen Reserven gestärkt. James Chessen, Chef-Ökonom des Banken-Verbandes (ABA), kommentierte die Zahlen: „Das zweite Quartal war solide, weil die Darlehensvergabe deutlich anstieg, getrieben von höherer Nachfrage. Während die Zinsen deutlich unterhalb des normalen Niveaus blieben, war die Nachfrage nach Krediten in fast allen Bereichen stark.“

Die ABA betonte, die Branche sei auf höhere Zinsen der US-Notenbank (Fed) vorbereitet. „Die Fed wird dabei langsam vorgehen, das hält die Kosten der Kredite niedrig und das Volumen bleibt auf hohem Niveau“, heißt es.

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FDIC-Präsident Martin Gruenberg äußerte sich ebenfalls optimistisch. Er fügte aber hinzu: „Das Wachstum der Erlöse bleibt schwach, weil die lange Periode niedriger Zinsen die Zinsmarge unter Druck gesetzt hat. Das hat einige Banken dazu verleitet, höhere Zinsänderungs-Risiken einzugehen, um ihre Rendite aufzubessern.“ Im traditionellen Bankgeschäft spielt die so genannte Fristentransformation, bei der kurzfristige Einlagen in langfristige Anlagen verwandelt werden, eine große Rolle, sie birgt aber auch erhebliche Risiken bei unerwarteten Entwicklungen am Kapitalmarkt.

Die insgesamt zuversichtlichen Töne in den USA stehen im Gegensatz zu den Problemen der Branche in Europa. Die US-Geldhäuser profitieren vom langsamen, aber stetigen Wirtschaftswachstum des Landes, begleitet von einem starken Arbeitsmarkt. Dabei steigt nicht nur die Zahl der Stellen, sondern zum ersten Mal seit langem wachsen in den USA die Gehälter im mittleren Bereich schneller als die am unteren und am oberen Ende der Skala, wie Bill Dudley, Chef der Fed New York, betont.

Der gesamte Gewinn der 6058 Banken, deren Einlagen bei der FDIC versichert sind, lag Ende des zweiten Quartals bei 43,6 Milliarden Dollar nach Steuern, 1,4 Prozent höher als im Jahr zuvor. Besonders stark ist das Zinseinkommen gewachsen – um 4,8 Prozent, was 5,2 Milliarden Dollar entsprach. Während bei den großen Banken die Kosten außerhalb des Zinsbereichs deutlich gesenkt wurden, stiegen sie in der Branche insgesamt minimal auf 105 Milliarden. Der Prozentsatz der Banken, die keinen Gewinn machen, fiel deutlich auf 4,5 Prozent und liegt damit so niedrig wie zuletzt 1998. Die Rate an faulen Krediten sank auf knapp 1,5 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2007.

Neben viel Licht gibt es auch etwas Schatten: Speziell bei Geschäftskrediten ist die Ausfallrate im sechsten Quartal in Folge angestiegen. In dem Bereich sind auch die Abschreibungen höher als zuvor. Außerdem haben die Banken ihre Rückstellungen für künftige Verluste im Vorjahresvergleich um 44 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar erhöht. Es war die achte Erhöhung in Folge im Verlauf der Quartale. Die Banken haben vor allem die Vorsorge für Kreditkartenschulden und Geschäftskredite aufgestockt, für den privaten Immobilienbereich aber gesenkt.

Neben höheren Gewinnen gibt es also auch Anzeichen für wachsende Risiken, allerdings ausgehend von einem insgesamt immer noch niedrigen Niveau. Zugleich ist aber auch das Eigenkapital um 1,7 Prozent gewachsen, wobei aber ein wichtiger Faktor Kurssteigerungen im Vermögen der Banken waren. Die FDIC betont, dass in den USA mehr als 99 Prozent aller Banken, die zudem 99,9 Prozent des Vermögens der Branche repräsentieren, als „gut kapitalisiert“ eingestuft werden.

Im klassischen Bankgeschäft verbessert sich mit steigenden Zinsen meist auch die Ertragslage. Weil die Fed seit kurzem wieder etwas deutlicher von einer bald anstehenden Zinserhöhung spricht, sind die Aktien der Banken auch schon entsprechend gestiegen. Auch das steht im Gegensatz zu Europa, wo vorerst keine höheren Zinsen in Sicht sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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