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2017 China rechnet mit 6,9 Prozent Wirtschaftswachstum

Laut Ministerpräsident Li Keqiang ist es in der Volksrepublik im vergangenen Jahr wirtschaftlich besser gelaufen, als erwartet. Zuvor sorgte eine Meldung zu Chinas Kaufstrategie für US-Bonds für Unruhe bei Investoren.

Die florierende Exportwirtschaft war 2017 ein Treiber des chinesischen Wirtschaftswachstums. Quelle: dpa

Peking, London, New YorkDie chinesische Wirtschaft dürfte laut Ministerpräsident Li Keqiang im vergangenen Jahr um rund 6,9 Prozent gewachsen sein. Insgesamt sei die Lage besser ausgefallen als erwartet, zitiert die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Li bei einem Forum vom Mittwoch.

Damit dürfte das Wachstum nicht nur das staatliche Ziel übertroffen haben, sondern auch die Erwartungen der Experten, die mit einem Plus von 6,8 Prozent rechnen. Die florierende Exportwirtschaft und ein Bauboom dürften für zusätzlichen Schub gesorgt haben. Die Regierung habe die Wirtschaft nicht mit Anreizen überflutet und zugleich Reformen vorangetrieben, erläuterte Li. Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sollen am 18. Januar veröffentlicht werden.

Laut Insidern gibt China für 2018 dasselbe Wachstumsziel wie im Vorjahr aus. Es bleibe bei einem angestrebten Zuwachs von rund 6,5 Prozent. Investoren aus aller Welt blicken stets mit großem Interesse auf die Pekinger Vorgaben, da sich China in den vergangenen Jahren als Zugpferd der Weltwirtschaft erwiesen hat. 2016 hatte das chinesische BIP nur um 6,7 Prozent zugelegt – das schwächste Wachstum seit 26 Jahren.

Unterdessen stellt das Land als größter ausländischer Gläubiger der USA offenbar seine Kaufstrategie für US-Staatsanleihen auf den Prüfstand und sorgt damit für Unruhe unter Investoren. Die Agentur Bloomberg meldete am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, es gebe eine Empfehlung der für die Verwaltung der riesigen Währungsreserven zuständigen Manager, die Geschäfte zurückzufahren oder gar zu stoppen.

Die Meldung setzte den Dollar unter Druck und trieb die Renditen von US-Bonds nach oben. „Für einen Markt, der wohl einen Grund für eine Verschnaufpause sucht, ist es nicht unvernünftig, den heutigen Anstieg der Renditen als Auslöser zu nutzen“, sagte Anlagestratege Art Hogan von der Investmentbank B. Riley FBR.

Als Gründe für die Abkehr von der bisherigen Kaufstrategie wurden in der Meldung Bedenken genannt, dass US-Staatsanleihen im Verhältnis zu anderen Anlageformen weniger attraktiv seien. Zudem seien Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen China und den USA ein Faktor. China hält Fremdwährungsreserven im Wert rund drei Billionen Dollar und hat damit den größten Devisenschatz der Welt. Im Oktober entfielen allein 1,19 Billionen Dollar der von der Volksrepublik gehaltenen Anlagen auf US-Staatsanleihen.


Volkswirte sehen keine großen Spielräume in China

Bloomberg nannte keine Gründe, warum Spannungen in den Handelsbeziehungen zu Änderungen in Chinas Anleihen-Käufen führen sollten. Allerdings sei das Portfolio in der Vergangenheit als Hebel in geopolitischen Angelegenheiten genutzt worden.

Die chinesische Zentralbank war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Chef des US-Notenbankablegers von Chicago, Charles Evans, sagte vor Journalisten, er habe die Bloomberg-Meldung nicht gelesen und daher auch „keine dezidierte Meinung“ dazu. China habe allerdings in den vergangenen Jahren „verschiedene Ansätze“ beim Umschichten ausländischer Bonds in seinem Portfolio gewählt.

Volkswirte sagten jedoch, dass China nicht in der Lage sein werde, große Veränderungen bei der Zusammensetzung seiner Reserven vorzunehmen, da die Volksrepublik sie zur Steuerung des Wechselkurses benötige. Zudem habe China bereits seine Bestände an US-Bonds reduziert. Ein weiterer Abbau würde dem Portfolio schaden. Es gebe deshalb nicht viel Spielraum.

Der US-Staatsekretär im Finanzministerium für internationale Fragen, David Malpass, dämpfte Sorgen vor Turbulenzen an den Märkten. Der US-Kreditmarkt sei ein robuster Markt und das werde er auch bleiben, sagte Malpass zu Journalisten in Brüssel.

An der Wall Street kühlte sich die Stimmung nach dem Bericht ab. Börsianer verwiesen auf Befürchtungen, dass der US-Staatsanleihenmarkt ins Taumeln geraten könnte. Der Standardwerteindex Dow Jones, der breiter gefasste S&P-500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq schlossen jeweils 0,1 Prozent tiefer.

Für Nervosität hatte zuvor schon die Bank of Japan gesorgt. Sie hatte am Dienstag bekanntgegeben, ihre Käufe von japanischen Anleihen zu reduzieren. Diese Aussage schürte Spekulationen, dass Japans Notenbank eine geldpolitische Straffung noch in diesem Jahr vorbereite.

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