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40 Millionen für Berliner Medizin-Start-up Dr. Alexa statt Dr. Google

Ada Health schlägt Kranken per App Diagnosen vor und will mit Künstlicher Intelligenz immer präziser werden. Investoren wie der Multi-Milliardär Len Blavantik oder der Entwickler hinter Alexa investieren nun 40 Millionen in das Berliner Start-up mit der großen Vision.

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Die herrschende Lehre besagt, dass Start-ups „lean“ sein sollen. Dass sie schnell Prototypen ihres Produktes entwickeln und als „minimum viable product“ – also als gerade so funktionsfähige Version – auf den Markt werfen sollen, um rasch aus Nutzerfeedback und Fehlern lernen zu können.

Daniel Nathrath und seine Mitgründer haben all diese Regeln gebrochen. An ihrer Medizin-App Ada entwickelten sie sechs Jahre lang, seit sechs Monaten ist sie nun auf dem Markt. Wie in einer Chat-App stellt Ada ihrem Nutzer Fragen nach seinen Symptomen und ermittelt dann mithilfe der Angaben und Umweltfaktoren, welche Krankheit dahinterstecken könnte. „Mit so einem Produkt kann man erst rausgehen, wenn es wirklich gut ist“, sagt der Ex-Berater.

Ada soll den sprichwörtlichen „Dr. Google“ ersetzen, das bange Herumgoogeln ratloser Patienten nach den Ursachen ihrer Symptome, das sie wahlweise verunsichert oder so sicher in ihrer Selbstdiagnose, dass Ärzte mit ihrer fachlichen Meinung kaum dagegen ankommen.

Um das zu verhindern, zeigt Ada nach rund einem Dutzend Fragen Wahrscheinlichkeiten für die denkbaren Diagnosen an und schlägt häufig dann doch einen Arztbesuch vor. Denn den will Nathrath keinesfalls ersetzen „Wir maßen uns nicht an, den Arzt ersetzen zu wollen“, sagt der Gründer.


"Selbstbestimmte Patienten"

Klein sind Nathraths Ambitionen dennoch keineswegs: 40 Millionen Euro Risikokapital fließen in das Berliner Unternehmen mit rund 100 Angestellten, wie das Handelsblatt erfuhr – eine der größten Series-A-Runden weltweit in diesem Jahr. An dieser zweiten Finanzierungsrunde für Ada Health überhaupt, beteiligen sich weltberühmte Investoren: Access Industries etwa, der Fonds des Multi-Milliardärs Len Blavatnik. Daneben investieren der June Fund des Google-Vorstandes Philipp Schindler, der Berliner Fonds Cumberland VC von Kai-Uwe Jordan, dem ehemaligen Geschäftsführer des Henkel Family Offices, und der britische KI-Professor William Tunstall-Pedoe, der die Technologie von Amazons intelligentem Lautsprecher Alexa entwickelte.
Dessen Know-How soll Ada nun auch weiterhelfen, dem Ideal des Arztes im Smartphone noch näher zu kommen. „Die Nutzer sollen mit Ada nicht nur chatten, sondern auch sprechen können“, sagt Nathrath.

Die bisher nur englischsprachige App kann nun auch Deutsch, bald sollen es auch Sprachen wie Hindi, Spanisch oder Portugiesisch dazukommen. Außerdem soll Ada Tausende weitere seltene Krankheiten identifizieren können und seinen Nutzer – bislang 1,5 Millionen weltweit – nicht nur welche Leiden identifizieren, sondern auch helfen, sie zu verhindern.

Thomas Aßmann ist Landarzt in Lindlar, einer Kleinstadt im oberbergischen Land östlich von Köln. Mit zwei angestellten Ärztinnen betreut er rund 2700 Patienten, Fahrtzeiten von einer Stunde für einen Hausbesuch sind Gewohnheit. „Apps wie Ada ermöglichen den Patienten selbstbestimmt zu sein“, sagt er. „Wenn sie sich schon gut informiert haben, kann ich sie leichter von der richtigen Therapie überzeugen.“ Mancher Arztbesuch, hofft Aßmann, könne sogar ganz entfallen.

Die Vision des Arztsohnes und Juristen Nathrathreicht jedoch weit über das deutsche Gesundheitswesen hinaus, nach Afrika und Asien, wo es wenige Ärzte, aber ein gutes Mobilfunknetz gibt. Die Fußstapfen, in die Ada tritt, definiert jedoch sein Mitgründer Martin Hirsch. Dessen Großvater war der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg.

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