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HPI-Direktor Christoph Meinel „Wohlstand hängt von innovativen Lösungen ab“

Prof. Dr. Christoph Meinel ist wissenschaftlicher Direktor und CEO des Hasso-Plattner-Instituts.

Wenn großen Konzernen die Ideen ausgehen, soll Design Thinking den Weg zu echten Innovationen bahnen. HPI-Direktor Christoph Meinel im Interview über Pappmaché-Prototypen, Scheitern und deutsche Gewohnheiten.

Anfangs war „Design Thinking“ lediglich eine neue Innovationstechnik. Doch die Zahl derer, die die neue Art zu denken und zu arbeiten verinnerlicht haben, steigt rasant. Es geht um Interdisziplinarität, um Kollaboration und um das Infragestellen des scheinbar Offensichtlichen. Selbst etablierte Großunternehmen wie SAP, Volkswagen oder die Telekom verschreiben sich selber Design-Thinking-Kuren. Gelehrt wird die neue Philosophie seit 2005 am Hasso Plattner Institute of Design, der d.school an der Stanford University in den USA. Zwei Jahre später wurde in Potsdam die School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut gegründet. Christoph Meinel ist dessen Direktor und Professor für Internet-Technologien.

Herr Meinel, was kann man sich unter Design Thinking genau vorstellen?
Design Thinking ist ein Denk- und Handlungsansatz, bei dem multidisziplinäre Teams mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen wie Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften sowie Design dazu gebracht werden können, neue Ideen und Innovationsgedanken zu entwickeln. Sie gehen dabei vor wie Industrie-Designer: Die Nutzerfreundlichkeit steht im Fokus, es geht um reale Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Wir schauen in Deutschland traditionell eher auf die technische Machbarkeit, anstatt zu fragen: Will das jemand haben? Wer braucht es wie sehr und in welcher Form?

Spielt Design Thinking im IT-Bereich eine größere Rolle als in anderen Industrien?
Getrieben durch schnelle Technologiewechsel hat es der IT-Bereich besonders nötig, immer wieder darüber nachzudenken, was denn eigentlich die Nutzer brauchen und was man ihnen anbieten kann. Bei Autoherstellern beispielsweise ist die Freude der Fahrer an den Autos schon immer stark im Fokus gewesen. Im IT-Bereich gibt es dagegen nach wie vor viele Programme und Anwendungen, die recht nutzerunfreundlich daherkommen. Deshalb bringen wir hier am Hasso-Plattner-Institut unseren Studenten – die ja als zukünftige Führungskräfte im IT-Bereich ausgebildet werden – neben den IT-technischen Grundlagen und Fertigkeiten auch das Design Thinking nahe.

Können Sie ein Beispiel nennen für eine Innovation, hinter der Design Thinking steckt?
Ein Beispiel, woran man auch sehen kann, dass nicht alle Innovationen im IT-Bereich aus dem Silicon Valley kommen müssen, ist die In-Memory-Technik, die SAP zu großen Erfolgen bei ihrer Entwicklungsplattform HANA (High Performance Analytic Appliance, deutsch: Hochleistungsanalyseanwendung, d. Red.) verhilft. SAP HANA hat Wurzeln hier im HPI und im Design Thinking. Die Frage, die sich damals stellte, war, ob Datenbanken nicht besser im Prozessor angesiedelt werden können, anstatt auf Festplatten oder externen Speichern. Der Zugriff auf Daten und deren Auswertung kann so zehntausend Mal schneller erfolgen, als wenn diese erst von einem externen Speicher abgeholt werden müssen.

Wie gehen die Teams vor, wenn sie beispielsweise eine neue Anwendung entwickeln wollen?
Man kann sich so eine Anwendung, so ein Programm und seine Wirkung meist schlecht vorstellen, bevor es fertig ist. Und dann sagen die Nutzer oft: Genau das, was wir ursprünglich wollten, macht das Programm nicht, es ist zu kompliziert in der Bedienung oder erfüllt auf sonstige Art nicht seinen Zweck. Design Thinking empfiehlt, die Ideen schon vor der technischen Realisierung mit Hilfe von Prototypen – zum Beispiel aus Pappmaché – wortwörtlich anfassbar zu machen. Denn Ideen lassen sich sehr einfach kommunizieren aber jeder steckt in seinem eigenen Kontext und nimmt das, was kommuniziert wird, anders auf. Mit Design Thinking können Nutzer schon in einer sehr frühen Phase erfahren, ob die vorgestellte Idee die ursprünglichen Erwartungen erfüllt und wo nachgebessert werden muss. Wenn dann die eigentliche Entwicklungsarbeit losgeht ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das, was dann entwickelt wird, auch tatsächlich den Bedarf und die Erwartungen der Nutzer trifft.

„Wenn wir von Innovationen reden, ist das Scheitern ein wichtiger Teil.“  


Ist der Design-Thinking-Ansatz in jedem Fall das beste Mittel der Wahl?
Für bestimmte Dinge, wenn es zum Beispiel um die Optimierung eines vorgegebenen Ablaufs geht, braucht man vielleicht kein Design Thinking. Das schaffen die Entwicklungsfachleute auch so ganz gut. Sobald ich aber grundsätzliche Erwartungen habe und einen ganz neuen Service oder Ablauf entwickeln will, ist Design Thinking tatsächlich sehr hilfreich um die Nutzererwartungen zu erkennen und auch ganz neue Lösungsideen zu entwickeln. Und oft sind dann die mit Design Thinking erhaltenen Ergebnisse so simpel und einleuchtend, dass man sich fragt, warum da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist.

Wann können Unternehmen mit dem Design Thinking Ansatz scheitern?
Wenn wir von Innovationen reden, ist das Scheitern natürlich ein wichtiger Teil. Allerdings kann ich Ihnen bei den Projekten an unserer HPI School of Design Thinking nicht viel über gescheiterte Projekte erzählen. Wir führen mit den etwa 120 Studenten pro Semester grob 20 Projekte mit Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft durch. Es gibt sicherlich Projekte, wo die Idee, die da entwickelt wurde, später nicht umgesetzt wurde. Das hat aber nichts mit Design Thinking zu tun, sondern mit der Entscheidung des Partners, die gemeinsam entwickelte Idee nicht in ein reales Produkt oder einen neuen Service umzusetzen. Das liegt nicht mehr in unserer Macht.

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