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Diversity im Unternehmen Frauen – die Minderheit in der Tech-Branche

Cebit ist die Leitmesse für die Digital-Wirtschaft. Dem Thema Diversity widmete sie in diesem Jahr ein eigenes Summit – „Women in Digital Business“. Quelle: dpa/Picture Alliance

Nur die Leistung zählt? Von wegen: Frauen in der Digitalwirtschaft stehen mit ihren Ideen allzu oft vor verschlossenen Türen. Weibliche Führungskräfte erzählen bei der Cebit, welche Konsequenzen dieser Zustand hat.

Die Digitalwirtschaft sieht sich gern als Branche, in der eine starke Leistungskultur dafür sorgt, dass die kreativsten Köpfe Karriere machen und Kapital unfehlbar in die besten Ideen fließt – egal, von wem diese stammen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das nur eine Wunschvorstellung ist, häufig zum Nachteil von Unternehmen und Innovationskraft.

Die Zahlen aus den größten Digitalunternehmen sprechen Bände: Das Entwicklungsteam von Facebook besteht zu 84 Prozent aus Männern, bei Google ist die Gesamtbelegschaft zu 70 Prozent männlich. „Weiße Männer unter 30 bestimmen, wie wir in Zukunft kommunizieren, welche Services entwickelt und welche Probleme bearbeitet werden“, sagte die ehemalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries bei der Digitalmesse Cebit.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Kerstin Ewelt, Head of Marketing für Quora bei einem Panel des Cebit-Summit „Women in Digital Business“ teil. Quelle: CeBit

Eine Ausnahme ist Kerstin Ewelt. Sie hat eine steile Karriere im Silicon Valley hinter sich: In weniger als zehn Jahren hat sie es von einem Einstiegsjob bei Google, den weltweit 8000 Menschen machen, bis zum Head of Marketing bei Quora geschafft. Als sie ihre Nische entdeckt hatte – sie ist Marketing-Fachfrau und kennt den deutschen Markt, auf dem viele Tech-Konzerne expandieren wollen – standen ihr viele Türen offen. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt für sie darin, authentisch zu sein. Ihr Chef schätze an ihr, dass sie das Herz auf der Zunge trägt. „Und man erhält Anerkennung dafür, seine zerbrechliche Seite zu zeigen“, sagt sie.

Dass das keine Schwäche sein muss, hat sie auch von ihrer Mentorin, der ehemaligen Yahoo-Chefin Marissa Mayer, gelernt. Ihr Führungsstil sei radikal von dem ihrer Vorgänger abgewichen. So habe sie der Belegschaft jeden Freitag Unternehmensabläufe offengelegt. Mit dieser kompromisslosen Transparenz hat sie sich die Bewunderung und Sympathie der Mitarbeiter erarbeitet. Aber Mayer bleibt eine Ausnahme in den Führungsetagen von Digitalkonzernen. Und so fehlen weiterhin in vielen Unternehmen Frauen, die den Kulturwandel mit vorantreiben könnten.

Diversity ist jedoch mehr als nur eine Frage der Geschlechterverteilung. Auch ein ungewöhnlicher Hintergrund oder besonderer Erfahrungsschatz macht Teams bunter und dadurch leistungsfähiger. Gerade in deutschen Unternehmen kommen krumme Lebensläufe jedoch nicht besonders gut an, sagt Ewelt. Sie selbst hatte vor ihrer Valley-Karriere für deutsche Medien von „Bild“ über „Berliner Zeitung“ bis hin zur „Frankfurter Allgemeinen“ gearbeitet. Vor kurzem hat sie in Deutschland einen Vortrag über Quora gehalten. „Da kam ein Geschäftsführer und sagte: Mit Ihrem Lebenslauf würden Sie in Deutschland gar nicht mehr unterkommen. Der ist viel zu wild“, erzählt sie. In den USA sei man offener. Ein ungewöhnlicher Lebenslauf sei dort ein Zeichen von Flexibilität und Zielstrebigkeit. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen sind ein Grund dafür, dass sie auch nach 14 Jahren noch in den USA lebt, obwohl sie ursprünglich nur drei Jahre bleiben wollte.

Ewelts Ländervergleich von den USA und Deutschland beschränkt sich nicht auf den Einzelfall, sondern ist repräsentativ für Unternehmen verschiedener Größe und verschiedener Branche. Das gilt vor allem für die Chef-Etagen. Die Allbright-Stiftung hat in einer Studie die jeweils 30 größten börsennotierten Unternehmen in Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden und den USA verglichen. Deutschland ist das Schlusslicht. Lediglich gut 12 Prozent der Vorstandsmitglieder der 30 Dax-Konzerne seien weiblich (Stand: 1. April). Deutschland befinde sich damit auf einer Stufe wie Indien und die Türkei mit einem Frauen-Anteil von jeweils rund 10 Prozent in der Führungsetage.

Unternehmen wie die US-Konzerne Apple, IBM und Coca-Cola oder Hennes & Mauritz in Schweden haben den Angaben zufolge zum Teil bereits deutlich mehr als 30 Prozent Frauen in der Topetage. Das gelte auch für L’Oréal und Danone in Frankreich, Unilever in Großbritannien oder Energa in Polen. In Deutschland erreiche keines der großen Börsenunternehmen einen Frauenanteil von 30 Prozent in dem Führungsgremium. Deutschland sei zudem das einzige Land in dem Vergleich, in dem kein einziges Topunternehmen von einer Frau geführt werde.

Auch in der Startup-Szene, wo viele revolutionäre Ideen entstehen und große Konzerne seit einigen Jahren immer engere Beziehungen pflegen, sieht es schlecht aus für weibliche Fachkräfte und Gründerinnen. „Wir wissen, dass Frauen schlechter Wagniskapital bekommen“, sagt Zypries. Weniger als zehn Prozent der in Deutschland investierten Fördersumme für Startups gehen an Gründerinnen, heißt es im aktuellen Female Founders Monitor. Unter den Top 100 Investoren waren im vergangenen Jahr zudem nur sieben Frauen. Ebenso ungleich verteilt sind die Chancen unter angestellten Digitalfachkräften.

In der Digitalwirtschaft ist die ungleiche Verteilung der Chancen heute besonders gefährlich, sagt Martina Koederitz, Global Industry Managing Director bei IBM: „Wir stehen an dem Punkt, da die Digitalwirtschaft nicht mehr nur Business ist, sondern die Welt verändert. Wir wollen die Probleme der Menschheit lösen, also müssen wir die unterschiedlichen Perspektiven verstehen.“ Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und Big Data sind nur einige der Technologien, die Alltag, Arbeitswelt und menschliche Interaktion auf den Kopf stellen. Der digitale Wandel ist keine rein technologische oder ökonomische Transformation abseits der Gesellschaft, sondern verändert grundlegend die Rahmenbedingungen für unser Zusammenleben. Das bestätigt die Capgemini-Studie „Gesellschaft 5.0“, die erstmals die Digitalisierung aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive untersucht hat.

Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Herausforderungen. Diversity ist eine davon und sie beschränkt sich nicht auf die Geschlechterfrage, wie es etwa Capgemini in seiner Mitarbeiterstruktur vormacht. In 40 Ländern aktiv repräsentieren die Mitarbeiter des Unternehmens 120 Nationalitäten und sprechen mehr als 100 Sprachen. „Vielfalt am Arbeitsplatz hat für uns noch viele Facetten: Geschlecht und sexuelle Orientierung gehören ebenso dazu wie das Alter und gesundheitliche Fragen“, teilt Capgemini mit und unterstreicht die Vorteile eines bunt gemischten Teams. Um mehr Frauen für das eigene Unternehmen zu interessieren, bietet Capgemini gezielte Förderprogramme und versucht, auch den weiblichen Nachwuchs früh für MINT-Fächer zu begeistern.

Die Vorteile von Diversity für Unternehmen, wie sie auch Capgemini hervorhebt, sind genau quantifizierbar. Studien beweisen immer wieder, dass Teams, in denen Männer und Frauen, Menschen aus verschiedenen Kulturen und solche mit einem ganz unterschiedlichen Erfahrungsschatz vertreten sind, für Unternehmen einen größeren Mehrwert erzielen. Der Risikokapitalgeber First Round Capital hat zum Beispiel festgestellt, dass sich Firmen mit Gründerinnen 63 Prozent besser entwickelten als Startups mit ausschließlich männlichen Gründer-Teams.

Gemischte Teams neigen seltener dazu, einander in ihren Ansichten und Vorurteilen zu bestätigen, und sitzen damit nicht so schnell Hypes auf, die sich als leere Versprechen herausstellen. Der Herdentrieb im Silicon Valley sorgt oft dafür, dass eine ganze Branche hinter einer Idee herjagt – sei es etwa der App als Datenstaubsauger oder der personalisierten Werbung. Doch wer sagt, dass diese Lösungen die besten sind? Weiße Männer unter 30, würde Zypries sagen.

Das Gender-Gefälle zeigt sich bei Dax-Konzernen wie in der Startup-Szene. Quelle: Female Founders

Wie lässt sich diese Kultur verändern? „Mein Fazit aus 20 Jahren Bundes- und zehn Jahren Landespolitik ist: Es geht nur mit verpflichtenden Regeln“, sagt Zypries. Der Staat müsse Regeln festsetzen; gleichzeitig brauche es Unternehmen, die sich verpflichten, als gutes Beispiel voranzugehen. Außerdem wünscht sich die Ministerin, dass aus Risikokapitaltöpfen ein bestimmter Anteil für weibliche Unternehmer reserviert wird. „Es wäre schön, wenn sich Geldgeber verpflichten würden, nur noch in Unternehmen zu investieren, in denen mindestens eine Frau im Gründungsteam ist“, sagt sie.

Unternehmen und Politik müssen zusammenarbeiten, um für faire Wettbewerbsbedingungen unter Gründern und Digitalfachkräften zu sorgen. Nur wenn die Branche die Vielfalt in der Gesellschaft wirklich widerspiegelt, lässt sich der ganze Ideenschatz digitaler Talente heben.

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