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Jobs gehen, Jobs kommen Was die neue Innovationswelle mit uns macht

Einige Jobs werden sich durch den Einfluss von Künstlicher Intelligenz verändern. Quelle: PR

Nie zuvor waren Computer begabter als heute. Dass sich mancher Arbeitnehmer deshalb davor fürchtet, eine Maschine könne ihn bald ersetzen, leuchtet zwar ein, ist aber nur die halbe Wahrheit – wenn überhaupt.

In den kommenden Jahren wird sich der Arbeitsalltag schleichend verändern. Wo Ingenieure zuvor noch Hand anlegten, um den Zustand von Maschinen zu überprüfen, sagen intelligente Systeme heute voraus, welche Teile bald ersetzt werden müssen. Wo Marketing-Experten sich früher auf ihr Bauchgefühl verließen, um Werbung zu platzieren, zeigt Big Data heute, an welchen Stellen Anzeigen die größte Resonanz finden. Ingenieure und Marketing-Experten werden auch in Zukunft noch gebraucht. Sie arbeiten aber immer häufiger mit digitalen „Assistenten“ zusammen und werden dadurch effizienter und effektiver.

Diese Entwicklung werde sich laut Prognosen in den nächsten fünf Jahren erst in der Breite so richtig bemerkbar machen, denn viele Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) reifen gerade erst heran. Geht heute etwa bei einem Unternehmen eine E-Mail mit Freitext ein, in der ein Kunde eine Bestellung aufgibt, muss sich noch eine menschliche Arbeitskraft darum kümmern. „Ein Computer kann das noch nicht interpretieren, aber künftig wird das möglich sein“, sagt Volker Darius, Head of Corporate Excellence & Transformation bei Capgemini Consulting. Immerhin verstehen uns die Sprachassistenten Alexa und Siri auch heute schon. Ein Bürojob müsste sich dem anpassen – wegfallen würde er deshalb aber längst nicht.


Die vorherrschende Angst vieler Arbeitskräfte vor diesen Veränderungen hält Darius für kurzsichtig. „Als bei den Automobilherstellern auf einmal Roboter die Arbeit am Band erledigten, haben sich auch viele Sorgen gemacht. Aber durch diese sind wir mit der Autoindustrie heute so erfolgreich.“ Künstliche Intelligenz könnte irgendwann einen Angestellten den Job kosten – wenn er sich ein Arbeitsleben lang nicht weiterbildet und den ganzen Tag am liebsten die gleiche monotone Aufgabe erledigen würde. „Aber wer will das schon?“, fragt Darius.

Künstliche Intelligenz bringt Unternehmen ganz konkrete Vorteile von ungeahntem Ausmaß. Pioniere bei der Anwendung solcher Technologien berichten etwa von einer drastischen Steigerung der Produktivität und einem enormen Sparpotenzial bei den Betriebskosten.

Mohammed Marikar, Director of Intelligence & Automation bei der Royal Bank of Canada, beschreibt, wie intelligente Computer die Arbeit von Mitarbeitern seiner Bank um ein Vielfaches effektiver machen: „Die Rolle des Systems ist es, die menschliche Analyse aufzustocken. Mit KI können wir die Kapazitäten unserer Analysten um das 10.000-Fache erweitern und wenn nötig auch wieder reduzieren.“

Welche Ziele Unternehmen mit dem Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen verfolgen

Doch wie sollen Menschen da mithalten, wenn die Arbeit eines einzigen Analysten mithilfe von Computern kurzerhand 10.000 Mal effektiver wird? Sogar Marikar sagt, dass Konkurrenzdenken hier grundlos ist. „Viele verwechseln Erfolge von künstlicher Intelligenz in einem ganz eng definierten Bereich, etwa beim Go-Spielen, mit der grundsätzlichen Intelligenz, die nötig ist, um die meisten Jobs zu erledigen. Tatsächlich haben auch die modernsten Systeme noch keinerlei ‚gesunden Menschenverstand‘ bewiesen und können nicht ohne menschliche Anweisung arbeiten.“

Darius beschreibt noch konkreter, welche Jobs sich durch den Einfluss künstlicher Intelligenz verändern: „Viele Jobs ohne Ausbildung dürften über kurz oder lang obsolet werden, etwa Bürojobs im Service-Bereich. Aber dass der Roboter den Job vernichtet, das ist Quatsch. Computer ersetzen Aspekte eines Jobs, und der Job verändert sich dadurch einfach. Er verschwindet aber nicht, sondern entwickelt sich weiter.“

Gerade wo Zahlen und Daten im Spiel sind, arbeiten Menschen schon heute verstärkt mit digitalen Kollegen zusammen. Der Dessous-Anbieter Cosabella etwa setzt auf eine KI-gesteuerte Marketing-Plattform. Innerhalb eines Quartals steigerte das Unternehmen zum Beispiel durch das datengetriebene Targeting von Werbung seine Umsätze um 155 Prozent. „Ich würde nie mehr einen Menschen einstellen, um die technischen Aspekte unserer Werbekampagnen zu verwalten“, sagt ein Cosabella-Manager.

Das Beispiel Cosabella zeigt aber auch, welche Jobs durch diese Entwicklung immer wichtiger werden. Gerade für kreative Aufgaben und Rollen, in denen strategische Entscheidungen gefällt werden, wolle man auf Menschen setzen.

Trotz allem ist es für Unternehmen zuweilen schwer, ihren Mitarbeitern die Angst vor der KI-Konkurrenz zu nehmen. „Ich glaube, man muss offen sein und die Mitarbeiter beteiligen. Gerade, wo Entscheidungen im verschlossenen Kämmerchen getroffen werden, gibt es Akzeptanzprobleme“, sagt Darius. So müsse man Mitarbeitern auch klar erklären, was der Stand der Technik überhaupt sei.

Aktuell stehen die künstliche Intelligenz und ihre Anwendung in der Unternehmenswelt noch ganz am Anfang. Dass sie vielerorts noch nicht angekommen ist, spielt bei der Angst davor womöglich eine große Rolle: Gerade das Unbekannte macht Arbeitskräfte nervös. Digitalisierungsexperte Darius erinnert daran, dass Veränderungen immer auch Chancen mit sich bringen: „Es gibt viele Prototypen und Ideen, aber nur wenige werden bisher im großen Stil umgesetzt. Es fehlt da noch an Reife für den breiten Einsatz, aber die Veränderung wird im großen Stil kommen, da sind die Indikatoren eindeutig, und Veränderung, das müssen wir als etwas Gutes begreifen und für uns positiv nutzen.“

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