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Der Finanzbereich im Wandel Vom Zahlenhüter zum Taktgeber der Digitalen Transformation

Quelle: KPMG

In den Finanzabteilungen scheint die Neudefinition von Zielen und Ablaufprozessen für die digitale Transformation nur langsam Fahrt auf zu nehmen. Doch gerade dieser Bereich kann zum Taktgeber der Veränderungen werden.

Kaum ein Bereich steht so im Zentrum der digitalen Machtverschiebungen wie der Finanzbereich. Denn dort  laufen alle Daten und Informationen zusammen, werden gesammelt, gesichert, analysiert und zu Handlungsempfehlungen verarbeitet. Die Finanzabteilung ist damit der Herr über den Rohstoff, aus dem die digitale Transformation in Zukunft Werte schöpfen wird und der für alle Unternehmensbereiche von höchstem Interesse ist. Dies rückt den Bereich auf ganz neue Art ins Rampenlicht, denn der Veränderungsdruck kommt nicht mehr allein von Aufsichtsrat und Vorstand, sondern dezentral aus allen Abteilungen, die mit diesen Daten Zukunft gestalten wollen.

Ein weiterer Aspekt bringt den Bereich unter Handlungsdruck. Hatten bislang CFOs und Finanzmanagement die Hoheit über die Zahlen, wird diese „Monopolstellung“ durch die Veränderungen im Rahmen der digitalen Transformation aufgehoben. Was das bedeutet, ist in den meisten Unternehmen noch mit Fragezeichen versehen und wirft Unsicherheiten auf. Viele Finanzabteilungen bewegen sich momentan in einem Spannungsfeld zwischen Bewahren und Teilen, zwischen Schützen und Öffnen. Sicher ist, dass die Macht der Zahlen zukünftig durch neue, disruptiven Technologien noch verstärkt wird und das operative Geschäft stärker als bisher beeinflusst wird. Denn diese Technologien werden Entscheidungsvorlagen sicherer und schneller vorbereiten als dies bisher möglich war. Für unterschiedliche Stakeholder und auch außerhalb der Finanzabteilung.  Um sich hier zu positionieren und von den neuen Möglichkeiten zu profitieren, ist ein  kontrolliertes „Loslassen“ der entscheidende Erfolgsfaktor. Diese Entwicklung sollte vom CFO und seinem Team - angesichts der Sensibilität der Themen und der Tragweite der Veränderungen - gezielt strategisch gesteuert werden.

In vielen Unternehmen fehlt es jedoch an der Vision, wie sich Digital Finance in Zukunft erfolgreich in die Unternehmensstrategie einfügen oder die Zukunft der Unternehmen prägen kann. Statt als Getriebene der Digitalisierung allein auf Effizienzverbesserungen zu setzen, müssen die Experten des Finanzbereichs jetzt eine klare digitale Strategie vorlegen, kooperieren und mit unaufgeregtem Realismus Schritt für Schritt die notwendigen Maßnahmen einleiten.

Digital Finance braucht Strategien

Im Finanzbereich sind die Hürden für eine konsequente Digitalisierungs-strategie noch hoch. Zwar erachtet ein Großteil der Verantwortlichen ein schnelles und direktes Handeln als unabdingbare Voraussetzung, um die wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung zu heben. Doch noch fehlt in den meisten Unternehmen für die digitale Neuausrichtung gerade im Finanzbereich eine klare Strategie. Und das, obwohl, unsrer aktuellen Studie zur Folge, die Chancen der Digitalisierung höher eingeschätzt werden als die Herausforderungen. Der Handlungsdruck nimmt demnach zu und schafft sich häufig dort ein Ventil, wo einzelne Initiatoren dezentral neue Technologien einsetzen, um die Effizienz in ihrem Bereich zu erhöhen. Der Fokus dieser Leuchtturmprojekte richtet sich vor allem auf die Verbesserung der Datenqualität und Datenkonsistenz sowie auf Kosteneinsparungen durch Standardisierung und Automatisierung. Fehlt eine übergeordnete Digitalisierungsstrategie oder ist eine solche den Mitarbeitern nicht bekannt, kann dies erhebliche Folgen für die Umsetzung einer unternehmensweit abgestimmten und ganzheitlichen digitalen Transformationsstrategie haben. Je weiter sich diese Spirale dreht, desto größer die Gefahr, dass eine spätere Homogenisierung der Abläufe, Systeme und Strukturen höheren Aufwand nach sich zieht und wertvolle Wettbewerbsvorteile verschenkt werden. Die Zeit drängt und die Mängel einer fehlenden Strategie werden immer spürbarer. Mehr als die Hälfte der Befragten erwarten Probleme durch die Digitalisierung noch nicht optimierter Prozesse. Auch die zahlreichen unternehmensindividuellen Legacy-Systeme und Standardprozesse erschweren eine reibungslose Überleitung in die digitale Welt.

Taktgeber der Transformation werden

Digital Finance bedeutet eine fundamentale Veränderung der Aufgaben, eine Neuordnung der Verantwortlichkeiten und einen Wandel im Selbstverständnis. Viele der bisherigen Arbeiten werden wegfallen und neue entstehen. Das geht einher mit einem grundlegenden Kulturwandel in den Finanzabteilungen. Noch fehlt es in vielen Unternehmen an der richtigen Strategie, um diesen Wandel zu vollziehen und die Effizienzvorteile daraus zu ziehen. Gelingt der Prozess, wird Digital Finance zum Erfolgsfaktor der digitalen Transformation, denn der Rohstoff Daten und Informationen wird hier zu dem wertvollen Gut weiterverarbeitet, das die Basis für Entscheidungen in allen Unternehmensbereichen ist. Eine klare Strategie, ein Umdenken in Methodik, Arbeitsweise und Vorgehen sowie eine offene Kommunikation sind die Schlüssel zu diesem Erfolg.

Ein Beitrag von Angelika Huber-Strasser (KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft)

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