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Digital Finance Anforderungen an das Management ändern sich

Quelle: KPMG

Der Finanzbereich steht an einem Wendepunkt: Neben den rein technischen und organisatorischen Herausforderungen und der Komplexität der Themen, die die digitale Transformation mit sich bringt, stehen einer raschen Umsetzung zentrale kulturelle Herausforderungen gegenüber.

Mit der zunehmenden Automatisierung und Standardisierung werden die meisten heute noch von Mitarbeitern Finanzbereich ausgeführten Arbeiten, wie die Sammlung, Aufbereitung und Interpretation vergangener Zahlen, obsolet. In den Fokus rückt die Erstellung von auf die Zukunft ausgerichteten Entscheidungsgrundlagen. Der Finanzbereich schlüpft mit veränderten Aufgabenstellungen in eine neue Rolle und wird zum echten Business Partner. Das hat umfassende Auswirkungen auf die Tätigkeitsschwerpunkte von Führungskräften und Mitarbeitern und zieht aktuell Verunsicherungen an vielen Stellen nach sich.

Oft ist der wertstiftende Einsatz von Technologien wie Data Analytics und Künstliche Intelligenz-Anwendungen zudem noch wenig greifbar und angesichts der hohen Anforderungen an die benötigte Datenqualität und Sicherheit risikobehaftet. Obgleich sich viele Führungskräfte von einem umfassenden Einsatz lernender Systeme, Big Data und Predictive Analytics sowie Realtime-Analysen erhebliche Vorteile für ihr Unternehmen versprechen, spielen diese im produktiven Einsatz derzeit in den Unternehmen noch keine große Rolle.

Neue Rollenverteilung im Management

Neben der Bewertung konkreter digitaler Lösungen und Tools ist dafür vor allem digitale Management-Kompetenz gefragt, die den Veränderungsprozess ganzheitlich steuert und im Schulterschluss mit der IT-Abteilung die Digitalisierung Schritt für Schritt umsetzt.

Dabei zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Verschmelzung von IT- und Finanzbereich ab. Einer Studie von KPMG zufolge werden sich die Verantwortungsbereiche in Zukunft neu ordnen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass IT-nahe Aufgaben im Finanzbereich eine immer größere Rolle spielen. Wo die Verantwortung für Daten und Zahlen in Zukunft liegen wird, zeichnet sich aber bereits ab. Über ein Viertel der Befragten verorten die Digitalisierung im Rechnungswesen im Verantwortungsbereich des CFO. Damit wird deutlich, dass die Digitalisierung klar zur Chefsache wird und der CFO zum Wegbereiter der digitalen Transformation.

Allerdings scheinen die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in Bezug auf das Datenmanagement derzeit in vielen Unternehmen noch ungeklärt zu sein. Der Machtkampf um diese Verantwortung ist noch nicht ausgefochten. Neben klassischen Funktionen wie Controlling und Rechnungswesen erwartet mehr als die Hälfte der Befragten, dass auch das Datenmanagement zukünftig direkt im Finanzbereich angesiedelt ist. Im IT-Bereich sehen hingegen lediglich 37 Prozent der Befragten diese Aufgabe im Finanzbereich. Klar ist, dass die Zusammenarbeit zwischen CFO und CIO intensiviert werden muss. Hier müssen sich unterschiedliche Mentalitäten und Arbeitsweisen aufeinander zu bewegen. Trial and Error-Methoden wie sie in der IT zur Lösungsfindung erfolgreich herangezogen werden, stoßen im Finanzbereich eher auf kritische Resonanz.

Neue Kompetenzen sind gefragt

Die umfassende Automatisierung vieler Aufgaben wird Kapazitäten freisetzen, die zukünftig dort gebraucht werden, wo es um die Entwicklung von Zukunftsszenarien und weichenstellende Entscheidungen geht. Analytische Kompetenzen und die Fähigkeit, interdisziplinär konstruktiv zusammenzuarbeiten sind gefragte Skills.

Als Business Partner werden Finanzbereich und operative Einheiten eng verzahnt miteinander arbeiten und ein neues Selbstverständnis entwickeln: die Kontrollaufgaben werden zurückgehen und Dienstleistungsaufgaben in den Vordergrund rücken. Das betrifft sowohl die vor- als auch die nachgelagerten Themen und Prozesse im Finanzbereich. Gefordert sind integrierte Finanz-/ und IT-Dienstleistungen, die die Handlungsfähigkeit der internen Auftraggeber fördert und Investitionsentscheidungen proaktiv unterstützt.

Der Erfolg einer disruptiven Umgestaltung des Finanzbereichs hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Mitarbeiter für diesen Prozess zu gewinnen, eine gesunde Neugier für neue Berufsbilder wie beispielsweise den immer bedeutender werdenden Data Scientist, zu wecken und die entsprechenden digitalen Kompetenzen zu entwickeln. Mitarbeiter im Finanzbereich werden zu hochspezialisierten Experten, die sich zunehmend auch mit strategischen Fragen auseinandersetzen werden. Neben neuen Expertisen wird es zukünftig eher darum gehen, die richtigen Fragen zu stellen und die Daten zu interpretieren als Zahlen aus der Vergangenheit aufzubereiten.

Ein Beitrag von Markus Kreher (KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft)

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