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Digital Labour und schöne neue Welt Wie Künstliche Intelligenz die Wertschöpfung verändert

Quelle: KPMG

Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, eine der wichtigsten technologischen Entwicklungen der Menschheit zu werden. Mit vielen positiven aber auch mit potentiell höchst negativen Auswirkungen. Wie die Wertschöpfung im Unternehmen profitieren kann, lesen Sie hier.

Die kürzlich in der Öffentlichkeit ausgetragene Debatte zwischen Mark Zuckerberg und Elon Musk zeigt die Spannbreite der Einschätzungen zu Chancen und Risiken der Nutzung von künstlicher Intelligenz deutlich auf. Es gibt keinen Zweifel, dass wir uns am Anfang einer technologischen Zeitenwende befinden. Ein zeitlicher Rückblick an dieser Stelle zeigt, dass die Menschheit bereits häufig an solch einem Wendepunkt stand. Aber die Geschichte zeigt auch, dass sich der Fortschritt nie aufhalten ließ. Wir wollen in diesem Artikel die positiven Effekte der Nutzung von Künstlicher Intelligenz hervorheben; uns sind jedoch selbstverständlich auch die möglichen Risiken bewusst.

Es gibt viele, aber keine letztgültige Definition für Künstliche Intelligenz. Wir definieren daher KI als „einen Sammelbegriff für Techniken, mit deren Hilfe ein Computer Aufgaben erledigen kann, zu denen ein Mensch Intelligenz benötigt.“ Dabei ist klar zu unterscheiden, ob eine KI nur eine spezialisierte Aufgabe auf dem Niveau eines Menschen erledigen kann (schwache künstliche Intelligenz) oder ob sie in allen Intelligenz-Bereichen gleichwertig ist (starke oder General AI). Bisher ist der zweite Fall nicht bekannt und ob dieses Stadium überhaupt erreicht werden kann, ist unter Wissenschaftlern umstritten.

Mit Blick auf die Wertschöpfung zeigt sich, dass in Unternehmen überwiegend positive Aspekte durch den Einsatz von Anwendungen (schwacher) KI erwartet werden. Zumindest sehen dies die Befragten der KPMG „Changing Landscape of Disruptive Technologies“-Studie so: 28 Prozent von ihnen gehen davon aus, eine höhere Produktivität zu erzielen. 16 Prozent erwarten Kostensenkungen und zehn Prozent gehen von schnelleren Innovationszyklen aus. Auch eine positive Auswirkung auf Kundenzufriedenheit und Markteintrittszeiten wird erwartet. Untersuchungen zeigen deshalb auch, dass sich die Möglichkeiten für den Einsatz von KI und Digital Labour durch alle Wertschöpfungsstufen des Unternehmens ziehen. In der Forschung und Entwicklung lassen sich zum Beispiel mit intelligenten Systemen mehr und schneller umfangreiche Daten erheben und verarbeiten. In der Produktion wird der physische Support optimiert, wobei lernende Systeme sich den Anforderungen des Menschen zukünftig optimal anpassen. In der Finanzabteilung, in der Verwaltung und im Einkauf können repetitive Aufgaben schneller und mit höherer Qualität ausgeführt werden und setzen das Potential der Mitarbeiter für höher qualifizierte Aufgaben frei. Und nicht zuletzt werden die kundenorientierten Bereiche von umfassenderem Wissen über Kunden und Interessenten profitieren. Sie können zum Beispiel mit Hilfe von Chatbots einen Kunden jederzeit persönlich ansprechen (Stichwort: Conversational Commerce). 

Szenarien der Weiterentwicklung von KI

In unserer Studie: „Wertschöpfung neu gedacht – Von Humanoiden, KIs und Kollege Roboter“ zeigen wir anhand von Szenarien umfassend weitere Entwicklungen im Hinblick auf die Wertschöpfung bis ins Jahr 2040 auf. Dabei ist ein mögliches Szenario das „Brot-und-Spiele“-Szenario: In diesem Umfeld unterstützen Künstliche Intelligenzen den Menschen vollständig. Der Abstand zwischen den entwickelten und den Schwellenländern hat sich stark verringert. Daten gelten als eigene Währung und werden auf dem freien Markt wie Kryptowährung gehandelt. Unternehmen fragen Beratungsleistungen nach, um den Einsatz von KIs und Robotern steuerlich zu gestalten. Weltweit kommen unterschiedliche Steuermodelle zum Einsatz: Während einige Länder bei der Arbeit, die von Menschen geleistet wurde, auf die Mehrwertsteuer verzichten, setzen andere auf die umfassende Besteuerung von Robotern oder Robotereigentümern. In der Regel fließen die Einnahmen daraus in ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber auch Umschulungen für Mitarbeiter werden damit finanziert.

Ein anderes Szenario ist das „Machtlose Gesellschaft“–Szenario. Hier könnten einzelne dezentrale KIs zur Superintelligenz zusammenwachsen. Diese „Community of KI“ breitet sich – ausgehend von den Industriestaaten – über den gesamten Globus aus. Mittels Schwarmintelligenz wird die Wertschöpfung überall in Echtzeit gesteuert und ausgeführt. Predictive Production antizipiert fast alle relevanten Bedürfnisse des Menschen. Gleichzeitig regen KIs den Konsum an und fördern die Produktion funktioneller, oft synthetischer Nahrung. Dank Künstlicher Intelligenz könnte die jahrzehntelange Ressourcenknappheit beseitigt werden.

Schöne neue Welt oder Horrorszenario? Zumindest die Entwicklungen im Bereich der schwachen KI lassen sich nicht mehr aufhalten. Es gilt daher, jetzt Sorge zu tragen, dass die Risiken der Technologie für die Menschheit beherrschbar sind. Das ist eine Aufgabe, die uns alle angeht!

Mehr Informationen finden Sie hier.

Vorbestellung der neuen KPMG KI-Studie „Wertschöpfung neu denken“ unter: www.kpmg.com/corporates

Ein Beitrag von Petra Eileen Lichtenau (zum Linkedin-Profil) & Dr. habil. Heiko von der Gracht (zum Linkedin-Profil) (KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft)

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