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Interview zu Start-ups in der Pharmaindustrie "Die Digitalisierung in der Medizin hat gerade erst begonnen."

Bild: © 2021 Bristol-Myers Squibb Company. All rights reserved

Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung von Daten werden die Zukunft der Medizin bestimmen. Patient:innen profitieren von Erkenntnissen, die so bislang nicht zu erlangen waren. Wichtig ist dabei die Kooperation der Pharmaindustrie mit jungen Unternehmen.

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Herr Dr. May, Herr Neugebauer, warum arbeitet ein Pharmaunternehmen wie Bristol Myers Squibb eng mit Start-ups zusammen. In welchen Bereichen ist das besonders fruchtbar?

May: Die Frage ist eher, in welchen Bereichen ist es das nicht? Die Kooperationen, die Sie ansprechen, finden sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette pharmazeutischer Unternehmen, das heißt in der Forschung, Entwicklung und Bereitstellung von Medikamenten. Das beginnt bei der Identifizierung neuer Wirkstoffmoleküle, die wir entweder selbst oder in Kooperation mit Partnern erforschen oder erwerben.

Dr. Michael May ist Mitglied der Geschäftsleitung von Bristol Myers Squibb in Deutschland und leitet die Abteilung Medizin Quelle: Bristol Myers Squibb

Neugebauer: Ein interessantes Feld für die Kooperation mit Start-ups sind klinische Studien. Hier geht es etwa darum, passende Studienteilnehmer:innen zu finden, um die Entwicklung zu beschleunigen und die neuen Wirkstoffe schneller zu den Menschen zu bringen, die sie brauchen.

Oftmals stehen Start-ups insbesondere für Innovationen auf technologscher Ebene. Welche Technologien sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

May: Künstliche Intelligenz ist ein zentrales Thema. Die Datenmengen, die in der Forschung und in Studien erzeugt werden, sind ohne künstliche Intelligenz praktisch nicht mehr handhabbar. Dabei geht es etwa darum, zentrale Zusammenhänge in großen Patient:innendatenbanken zu identifizieren. Zum Beispiel, welche Biomarker Patient:innen gemeinsam haben. Zu diesen Ansätzen zählen etwa bildbasierte Diagnosemöglichkeiten auf Basis von künstlicher Intelligenz und digitaler Pathologie, um zum Beispiel Krebsdiagnosen zu verbessern.

Wir schätzen Sie Deutschland als Standort für Health-Start-ups ein?

Neugebauer: Die Gegebenheiten für Pharmaunternehmen sind hierzulande gut. Wir haben eine sehr gute Grundlagenforschung und ein lebendiges Ökosystem aus exzellenten Startups, das auch durch die Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung noch einmal belebt wird. Allerdings ist die Bereitschaft, Risikokapital zur Verfügung zu stellen, in den USA deutlich höher als hier. Das kann für Startups schwierig sein.

Dierk Neugebauer ist Mitglied der Geschäftsleitung von Bristol Myers Squibb in Deutschland und leitet den Bereich Market Access. Quelle: Bristol Myers Squibb

May: Eine Herausforderung können manchmal auch administrative Hürden sein. So ist es für Health-Start-ups zeitaufwändig, eine Erstattung ihrer Leistungen im Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung zu erhalten. Ein weiteres Thema ist der Datenschutz. Natürlich sind persönliche Daten zu schützen. Manche Regularien erschweren aber in ihrer jetzigen Form den Zugang zu grundsätzlich verfügbaren Informationen. Das kann Innovationen unnötig bremsen.

Wird die Pharmaforschung in Zukunft immer digitaler werden?

May: Auf jeden Fall. Der Informationsfluss wird umfassender, direkter und schneller. Schauen Sie sich etwa an, wie sich Mediziner:innen zum Beispiel beim Thema seltene Erkrankungen über digitale Plattformen oder Cloud-Lösungen vernetzen und austauschen. Das war vor wenigen Jahren kaum möglich.

Wie schätzen Sie die kommenden Entwicklungen ein?

Neugebauer: Die Digitalisierung in der Medizin hat gerade erst begonnen. Davon sollen gerade auch die Patient:innen profitieren. Sie werden zudem bei der Behandlung eine aktivere Rolle einnehmen und etwa mithilfe von Apps stärker an ihrer Therapie teilhaben und mitwirken können. Da wird sich viel tun.


Weitere Informationen: www.bms.com/de

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