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Start-up-Monitor 2020 Deutsche Gründer trotzen der Corona-Krise

Quelle: Austin Distel/Unsplash

Die Coronakrise trifft die deutsche Start-up-Landschaft hart. Dennoch bleiben die Gründerinnen und Gründer optimistisch und schauen mit Zuversicht nach vorn, wie die 8. Ausgabe des Deutschen Start-up-Monitors zeigt.

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Drei von vier Start-up-Unternehmen sind in ihrer Geschäftstätigkeit von der Pandemie beeinträchtigt. Um die Auswirkungen in den Griff zu bekommen, fokussiert sich die große Mehrheit der Befragten auf ihre Produktentwicklung. Nur 11 Prozent wollen Personal abbauen, um Kosten zu sparen. Über 90 Prozent planen hingegen, neue Mitarbeitende einzustellen – trotz Krise. Im Schnitt wollen die Befragten in den kommenden 12 Monaten sechs neue Mitarbeitende rekrutieren (Vorjahr: 8).

Nur wenige nutzen Start-up-spezifische Krisen-Angebote

Gut die Hälfte der Start-ups (55 Prozent) hat staatliche Unterstützung zur Bewältigung der Corona-Krise in Anspruch genommen. Dabei nutzten sie vor allem Corona-Soforthilfen und Kurzarbeitergeld. Auffällig ist jedoch, dass nur eine kleine Minderheit (6 Prozent) der Jungunternehmer auf die Start-up-spezifischen Unterstützungsleistungen wie die Verlängerung vorhandener Förderungen – etwa EXIST oder ein Gründerstipendium – zurückgreift. „Optimismus liegt in der DNA von Start-ups. Auch eine veritable Krise wie die Corona-Pandemie kann diese Zuversicht nicht zerstören“, sagt Florian Nöll, Head of Digital Ecosystems bei PwC Deutschland. Die Unternehmensberatung ist Mitherausgeber der Studie. „Die Gründerinnen und Gründer sind es gewohnt, sich schnell auf neue Situationen einzustellen – und das Beste daraus zu machen. Das würde ihnen jedoch deutlich leichter fallen, wenn die staatliche Unterstützung noch besser auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten wäre: Die Maßnahmenpakete der Bundesregierung zeigen noch nicht die gewünschte Wirkung.“

Die größten Herausforderungen für Gründer

Die schwierigsten Aufgaben liegen für die Start-ups genau wie im vergangenen Jahr bei Vertrieb/Kundengewinnung, Produktentwicklung und Kapitalbeschaffung. Das Thema Vertrieb und Kundengewinnung wurde dieses Jahr jedoch deutlich häufiger als Hürde genannt (plus 13 Prozent). Zudem deuten die Ergebnisse auf nach wie vor schwierige finanzielle Rahmenbedingungen hin: 43 Prozent halten die Kapitalbeschaffung für herausfordernd (2019: 38 Prozent). 32 Prozent nennen das Thema Cashflow/Liquidität als größten Stolperstein (Vorjahr: 18 Prozent).

Beim Thema Finanzierung setzt sich der Trend zur Professionalisierung fort: Der Anteil der Start-ups, die auf externe Finanzierung zurückgreifen, ist gestiegen – und liegt mittlerweile bei rund 63 Prozent. (Vorjahr: 55 Prozent). Immer mehr Jungunternehmern gelingt es zudem, Geld über Business Angels einzusammeln: Fast ein Drittel nannte Business Angels als Geldgeber, 2019 waren es erst 23 Prozent.

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    Und auch der Anteil der Start-ups, die sich über Risikokapitalgeber finanzieren, stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozentpunkte an. Aber noch längst nicht jeder Jungunternehmer, der gerne Zugriff auf Wagniskapital hätte, hat auch welchen: Fast jeder Zweite (42 Prozent) wünscht sich eine Finanzspritze von Venture-Capital-Gebern, aber weniger als jedem Fünften (19 Prozent) gelingt dies.

    So wie der Klimawandel immer stärker ins Bewusstsein rückt, so werden auch bei Start-up-Gründungen umweltspezifische und soziale Motive immer wichtiger: Mittlerweile ordnet fast jedes zweite Start-up (43 Prozent) seine Produkte und Angebote der Green Economy zu. Das sind 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

    PwC-Mann Nöll: „Immer mehr Start-ups wollen mit ihrem Business gezielt einen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz leisten und gesellschaftliche Probleme lösen. Dabei spielt sicher auch die Erkenntnis eine Rolle, dass die Nachfrage nach grünen Produkten und Dienstleistungen stetig steigt.“

    Das sind die Gründungs-Hotspots

    Berlin steht weiter unangefochten an der Spitze der deutschen Gründungs-Hotspots und kann seinen Vorsprung im Vergleich zum Vorjahr weiter ausbauen: 18 Prozent der Befragten haben ihren Sitz in der Hauptstadt (Vorjahr: 16 Prozent). Die Metropolregion Rhein-Ruhr folgt mit 13 Prozent auf Platz zwei – musste jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen kleinen Rückgang in Kauf nehmen. Auf den Plätzen drei und vier folgen München und Hamburg mit 7 bzw. 6 Prozent.

    Erstmals beleuchtet der Start-up-Monitor 2020 auch das Thema Diversität – und erlaubt spannende Einblicke: Rund 13 Prozent der Gründerinnen und Gründer haben keinen deutschen Pass. Besonders in Berlin (21 Prozent) und der Metropolregion Rhein-Ruhr (17 Prozent) besitzen relativ viele Gründerinnen und Gründer eine ausländische Staatsangehörigkeit.

    Einen Migrationshintergrund hat sogar jeder fünfte der befragten Gründerinnen und Gründer, wobei der Anteil in Rhein-Ruhr und Berlin mit rund 30 bzw. 25 Prozent besonders hoch ist. Bei den Mitarbeitenden der Start-ups wird Diversität ebenfalls groß geschrieben: 27 Prozent der Belegschaft stammen ursprünglich nicht aus Deutschland. In Berliner Start-ups kommen sogar 43 Prozent der Belegschaft aus dem Ausland.

    Das wirkt sich auch auf die Arbeitssprache aus: In fast jedem dritten Start-up (30 Prozent) wird vor allem Englisch gesprochen. Das gilt insbesondere in Berlin: In zwei von drei Start-ups (63 Prozent) in der Hauptstadt ist Englisch die dominierende Arbeitssprache.

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