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E-Learning Mitarbeiter als Influencer

Know-how soll in den Unternehmen bleiben – per Videoclip über Plattformen konserviert. Quelle: SolisImages – Fotolia

Immer mehr Konzerne setzen bei der Weiterbildung ihrer Belegschaft auf Videoplattformen. Die Kurzfilme sollen dabei das Wissen der Mitarbeiter sichern.

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Dieser Text ist zuerst im Handelsblatt erschienen.

Verwackelte Bilder, eine kratzige Moderatorenstimme – und trotzdem ein Millionenpublikum: Die Beliebtheit von Amateurvideos auf Internetplattformen ist auch fast 15 Jahre nach dem Start von Youtube immer noch ungebrochen. Den Erfolg, den teilweise auch ungeübte Filmer mit ihren Bauanleitungen, Kochrezepten und Schminktipps erzielen, wollen inzwischen auch Industriekonzerne für sich nutzen – und gründen zunehmend eigene Plattformen, bei denen ihre Mitarbeiter in die Rolle von Influencern schlüpfen.

Vorreiter sind dabei der Mischkonzern Bosch sowie der Industriedienstleister Bilfinger, die beide vor Kurzem eigene Videoplattformen mit den Namen „Bosch-Tube“ und „Industrial Tube“ gestartet haben. Das Ziel: Die Mitarbeiter sollen ihr Wissen mit ihren Kollegen teilen können, und das unabhängig von Ort und Zeit.

Diese Speaker sollten Sie auf der DIGITAL X 2019 nicht verpassen
Christine KieferDas Als Gründerin des Blockchain-Start-ups RIDE Capital machte sie Immobilieninvestments mit institutioneller Qualität und professionellem Management für Privatanleger zugänglich. Und auch schon vorher war Christine Kiefer am Aufbau mehrerer Start-ups beteiligt, darunter BillPay, einem Anbieter für Online-Bezahlmethoden, und Pair Finance, einem digitalen Inkassounternehmen. Neben ihren unternehmerischen Aktivitäten gründete sie die Fintech Ladies, ein Netzwerk für Frauen, das sich mit Digitalisierung und Innovation im Finanzbereich beschäftigt. Christine Kiefer ist seit mehr als zehn Jahren in der Finanzindustrie tätig, vor ihrem Wechsel in die Start-up-Szene Berlins betreute sie für Goldman Sachs in London den Bereich Equity Derivatives. Quelle: PR
Mario OhovenSeit 1998 ist er das Gesicht des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft in Berlin. Als gelernter Banker im Bereich Vermögensanlagen hat Mario Ohoven die Entwicklung steueroptimierter Investitionen entscheidend beeinflusst. Erfolgreich gehört er mit seiner Unternehmensgruppe seit über 25 Jahren zu den Marktführern auf diesem Gebiet. Mario Ohoven ist bekannt für seine Wirtschafts- und Kapitalmarktprognosen. So warnte er beispielsweise im Jahr 2000 vor dem Absturz der Technologiewerte oder machte auf die Bilanzverschleierung einiger US-Konzerne aufmerksam. Zahlreiche Auszeichnungen wie zum Beispiel den „Europa-Preis“ des Europäischen Wirtschaftsinstitut oder den „Oscar des deutschen Mittelstandes“ kann Mario Ohoven zu seinen Erfolgen zählen. Sein Rat und seine Visionen sind als Referent auf Veranstaltungen, Symposien und TV-Talkshows gefragt. Quelle: PR
Anna GroosAnna Groos ist Innovationsstrategin bei quäntchen + glück. Hier macht sie Organisationen und Unternehmen fit für die digitale Zukunft – und mit dem Usability Testessen die Welt ein Stückchen nutzerfreundlicher. Sie begibt sich auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen und findet heraus, was die Kunden ihrer Kunden wollen. Anna Groos ist ein digitaler Tausendsassa. Ob als Teil des Orga-Teams des Webmontag Darmstadt, als Vorsitzende des Digitale Darmstadt e.V. oder als Mitgründerin des Usability Testessen: Sie lebt Digitalkultur. Nach Stationen als Texterin und Konzepterin in verschiedenen Agenturen und einer kreativen Zeit als Produktmanagerin in einem Digital Lab, hat Anna Groos ihr Glück bei der quäntchen + glück gefunden. Quelle: PR
Marco BörriesEr ist Unternehmensgründer und Visionär. Mit seinem vierten Unternehmen enfore weist er kleinen Firmen den Weg in die Digitalisierung. Marco Börries war 16, als er 1985 nach einem Schüleraustausch ins Silicon Valley seine erste Software-Firma „Star Division“ aufbaute. Aus dem Unternehmen heraus entwickelt er „Star Office“, was nach dem Verkauf an Sun Microsystems zu Open Office wird und bis heute der Nummer-1-Konkurrent von Microsoft Office ist. Bereits 1996 startete er seine zweite Firma Star Finanz als Joint Venture mit der Deutschen Sparkasse, um mit StarMoney das Online Banking neu zu definieren. StarMoney wurde Deutschlands erfolgreichstes Online Banking Produkt. 2001 gründete er Verdisoft und verkaufte es 2005 erfolgreich an Yahoo. Quelle: PR
Alex RosenblatSind Sie schon mal mit einer Uber-Mitfahrgelegenheit unterwegs gewesen? Was für Kunden eine große Erleichterung in ihrer persönlichen Mobilität bedeutet, bedeutet für die Uber-Fahrer stetige Kontrolle und Überwachung durch Uber selbst. Das sagt zumindest Alex Rosenblat, Technologie-Ethnographin beim Forschungsinstitut Data & Society. In ihrem Buch „Uberland: How Algorithms Are Rewriting the Rules of Work“, zeigt sie wie prekär die vom Algorithmus angepassten Arbeitsbedingungen für die Einzelpersonen sind. Das amerikanische Taxi-Start-up steht wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Alex Rosenblat beschreibt diese Umstände genau und leitet daraus eine Neudefinition von Arbeit, vor allem in den USA ab. Auf der DIGITAL X wird sie über ihre Einblick berichten. Quelle: PR
Mario Dresing Community Management und Digitalisierung sind die Fachgebiete von Mario Dresing bei Viva con Agua. Der leidenschaftliche Fußballer war jahrelang aktiver Supporter und versteht es heute als seine Mission, dass Viva con Agua jedem Einzelnen die Möglichkeit gibt, dazuzulernen und sich individuell weiterzuentwickeln. Dresing setzt sich mit positivem Aktivismus dafür ein, dass alle Menschen weltweit einen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Mehr als 10.000 Menschen haben sich seit der Gründung von Viva con Agua in vielen Teilen der Welt für die gemeinsame Vision engagiert. Auf der DIGITAL X 2019 spricht er zur Veränderung von Viva con Agua von der NGO zur eNGO. Damit die Potenziale eines vielseitigen, agilen und international agierenden Netzwerks ausgeschöpft werden können, setzt Viva con Agua konsequent auf Digitalisierungsprozesse. In Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wissenschaft und der freien Wirtschaft wird der Frage nachgegangen, wie die neuen technischen Möglichkeiten für einen positiven gesellschaftlichen Wandel genutzt werden können.
Dr. Shermin VoshmgirWenn sie einem ein X für ein U vormachen will, hat es vielleicht Methode: Shermin Voshmgir leitet nämlich das Forschungsinstitut für Kryptoökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien. Außerdem gründete sie den BlockchainHub Berlin, der weltweit interdisziplinär die Entwicklung der Blockchain-Technologie vorantreibt, kommuniziert und diskutiert. Sie sagt: „Die Blockchain wird den Wertaustausch auf der ganzen Welt revolutionieren.“ Wie genau, das verrät sie bei ihrer Keynote auf der DIGITAL X 2019. In der Vergangenheit war sie Kuratorin von TheDAO und Beraterin verschiedener Start-ups wie Jolocom, Wunder und dem estnischen E-Residency-Programm. Neben ihrem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien studierte sie in Madrid Film und Theater. Quelle: PR

Während Bosch sich davon vor allem einen besseren Know-how-Transfer über die weltweit knapp 260 Standorte erhofft, ist Industrial Tube für Bilfinger vor allem ein neues Geschäftsmodell: Im April soll die Plattform auch für andere Unternehmen geöffnet werden – deren Mitarbeiter dann gegen eine monatliche Gebühr dort selbst Filme erstellen, speichern und teilen können.

Die Zielgruppe, erklärt Bilfingers Digitalchef Franz Braun, seien „alle Unternehmen, die das Wissen in ihrer Firma sichern und teilen“ wollten. So komme es etwa häufig vor, dass bei einem Personalwechsel eine schlechte Übergabe gemacht werde oder bestimmte Fähigkeiten nur bei wenigen Mitarbeitern vorhanden seien. „Da wird es zum Problem, wenn der Mitarbeiter in den Urlaub fährt oder erkrankt: Bestimmte Dienstleistungen können dann nicht mehr angeboten werden.“

So wird es für Unternehmen heute immer wichtiger, das Know-how der Firma dauerhaft zu konservieren – auch angesichts der großen Zahl älterer Arbeitnehmer, die während des nächsten Jahrzehnts in Rente gehen werden. So schätzen Experten, dass sich die Zahl der Rentner in Deutschland bis 2030 auf rund 53,7 Millionen mehr als verdoppeln wird (2017: 25,7 Millionen). Wenn aus den geburtenstarken Jahrgängen der Fünfziger- und Sechzigerjahre die rentenstarken werden, bedeutet das nicht nur einen Abfluss an Arbeitskraft. Es geht damit auch viel Fachwissen verloren.

„Digitalisierung ist Chefsache - aber der hat keine Zeit“

Wie sich die Wissenskonzentration auf nur einen Mitarbeiter auswirken kann, weiß Bilfinger aus dem eigenen Betrieb. So gab es im Unternehmen lange genau einen Mitarbeiter, der die Technik zum Bau eines bestimmten Behältnisses beherrschte – eines sogenannten gefalzten Zeppelinkopfs, der von genau einem Kunden regelmäßig bestellt wurde. War der Kollege krank, konnte der Kunde nicht bedient werden – bis der Mitarbeiter ein Anleitungsvideo aufnahm, in dem er die Herstellung beschreibt.

Es ist ein einfach gehaltenes Video, das Schritt für Schritt zeigt, wie die Falzmaschine bedient werden muss, um am Ende eine konisch-zeppelinförmige Metallkonstruktion zu erhalten, die beispielsweise in der Isolierungstechnik verwendet wird. Dass der Experte den Film auch ansehnlich geschnitten hat, lag dabei wohl auch an der verwendeten App: Bilfinger hat in Zusammenarbeit mit externen Partnern eine eigene Anwendung entwickelt, die den Filmenden bei der Umsetzung durch vorgegebene Schablonen unterstützt.

Im Schnitt erzielt Industrial Tube derzeit rund 400 bis 500 Aufrufe am Tag, etwa 200 Videos haben die Bilfinger-Mitarbeiter dabei in den ersten Monaten nach dem Start hochgeladen. Angesichts der Millionenaufrufe, mit denen so mancher Youtube-Influencer prahlen kann, scheint das wenig.

Doch weil sich die Videos auch an ein sehr kleines Fachpublikum richten, sei die Reichweite erst einmal ein untergeordnetes Thema, so Braun: „Man kann das gut am Beispiel des Zeppelinkopfs im Fachbereich Isolierung sehen: Der Inhalt ist vielleicht nicht für viele relevant – aber einige wenige Mitarbeiter sind in bestimmten Situationen wirklich darauf angewiesen.“ Auch Bosch nutzt die selbst gedrehten Videos, um die Fähigkeiten und das Wissen seiner Mitarbeiter weltweit verfügbar zu machen.

Hintergrund sei hier aber weniger ein drohender Know-how-Abfluss als vielmehr eine effizientere und schnellere Art der Verteilung, so Alexander Preiß, der als Verantwortlicher für digitales Lernen bei Bosch auch das Projekt Bosch-Tube verantwortet: „Wir wollen den Mitarbeitern weltweit zu jeder Zeit Wissen zu aktuellen Themen wie Künstlicher Intelligenz oder Industrie 4.0 zur Verfügung stellen.“ Dafür produzieren die Mitarbeiter selbst Videos – und sparen sich so die Zeit fürs mehrfache Erklären oder aufwendige Dienstreisen.

„Wir haben in Cloud-Anwendungen und Apps investiert, als alle noch Angst davor hatten“

Wie auch Bilfinger steht Bosch dabei vor einer Herausforderung: An den 260 Standorten des Mischkonzerns, die sich auf 50 Länder verteilen, werden zahlreiche Sprachen gesprochen. „Einige Nutzer fügen ihren Videos derzeit auch englische Untertitel hinzu“, erklärt Preiß – wenn sie sie nicht ohnehin direkt in englischer Sprache aufnehmen.

Nicht wenige der rund 10.000 Videos, die sich bereits auf Bosch-Tube firmenintern abrufen lassen, beschäftigen sich dabei mit IT-Tipps: Wie lege ich ein neues Thema im Bosch-internen sozialen Netzwerk an? Wo kann ich ein neues Computerpasswort beantragen, wenn ich mein altes vergessen habe? „Solche How-to-Videos sind gefragt“, sagt Preiß. „Insbesondere gilt das aber auch für Experten-Talks zu digitaler Transformation und automatisiertem Fahren.“

Bilfinger hat schon Kunden

Der Industriedienstleister Bilfinger wiederum überwindet die firmeninterne Sprachbarriere zwischen seinen weltweit ansässigen Mitarbeitern mithilfe von Künstlicher Intelligenz: So versieht eine Software auf der Basis von Microsofts Cloud-Dienst Azure und der Spracherkennung Cortana die hochgeladenen Videos vollautomatisch mit Untertiteln. Die werden anschließend ebenso vollautomatisch übersetzt – und stehen dann in nahezu allen denkbaren Sprachen zur Verfügung. Wobei die Qualität der Übersetzung im Moment mit den bekannten Online-Übersetzern von Google oder Bing zu vergleichen ist.

Die größten Cyber-Ängste der Deutschen

Für den offiziellen Start der Plattform im April hat Bilfinger bereits drei Kunden aus der Zement-, Chemie- und Metallindustrie gewinnen können, die Industrial Tube künftig mit eigenen Inhalten bestücken werden. Ob die dann auch öffentlich abrufbar sind, entscheiden die Firmen allerdings selber.

Hier liegt wohl auch der größte Unterschied zu Influencer-Plattformen wie Youtube: Die Firmen wollen ihr Wissen zwar teilen – aber aus verständlichen Gründen nicht unbedingt mit jedem.

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