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Georg Emprechtinger Mit Liebe zum Detail

Georg Emprechtinger hat den Öko-Betrieb in einen Designmöbelhersteller umgebaut. Bevor er an seinen Sohn übergibt, will er Team 7 zu einer globalen Premiummarke machen. Quelle: MICHAEL LIEBERT Team 7

Georg Emprechtinger hat den Öko-Betrieb in einen Designmöbelhersteller umgebaut. Bevor er an seinen Sohn übergibt, will er Team 7 zu einer globalen Premiummarke machen.

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Dieser Text ist zuerst im Handelsblatt erschienen.

Der 7. September hat eine geradezu magische Bedeutung für Team 7. Am 7. September 1959 gründete Erwin Berghammer den Möbelhersteller als kleine Tischlerei im österreichischen Inn-Viertel. Am 7. September 1999 wird Georg Emprechtinger Geschäftsführer. Am 7. September 2004 übernimmt Emprechtinger das Unternehmen in einem Management-Buy-out. Und wenn am 7. September 2019 60-jähriges Jubiläum gefeiert wird, hat er aus Team 7 ein Unternehmen mit 770 Mitarbeitern, einem Umsatz von 100 Millionen Euro und Präsenzen in New York, Mumbai und Moskau gemacht.

Dafür hat er das von Berghammer gegründete Unternehmen komplett auf den Kopf gestellt. „Ich habe seinen Schreibtisch übernommen und im Büro nichts verändert“, sagt der 59-Jährige. „Das ist wahrscheinlich das Einzige, was ich in der Firma nicht verändert habe.“

Vor 15 Jahren war diese Entwicklung nicht absehbar. „Das Unternehmen hat Verluste geschrieben, der Umsatz war rückläufig“, erinnert sich Emprechtinger an seine Anfangszeit. In der Ökobewegung hatte Team 7 mit seinen Naturholzmöbeln einen guten Ruf. Aber die Ansprüche der Kunden veränderten sich. „Wir brauchten einen ganz neuen Design-Anspruch und innovative Technik.“ Gleichzeitig wollte das Unternehmen seine Werte nicht verlieren. „Es war eine schwierige Gratwanderung“, räumt der Team-7-Chef ein.

Bieten, was es online nicht gibt

Die offenbar gelungen ist. „Team 7 hat eine starke Marke aufgebaut. Das ist für sie ein riesiger Vorteil in einer Branche, in der es nur wenige bekannte Marken gibt“, sagt Pierre Haarfeld, Möbelexperte der E-Commerce-Beratung eTribes. Er sieht sie sehr gut positioniert in einem Segment, das insgesamt vor massiven Problemen steht. Der Möbelhandel wächst schon seit Jahren kaum noch. Nach Berechnungen der BBE Handelsberatung ist der Umsatz in Deutschland 2018 um 1,6 Prozent zurückgegangen. Und daran wird sich wohl so schnell nichts ändern.

Dieser Entwicklung konnte sich auch Team 7 nicht ganz entziehen. Jahrelang war das Unternehmen stark gewachsen. Doch im vergangenen Jahr stagnierte der Umsatz bei rund 100 Millionen Euro.

Doch Emprechtinger hat eine klare Strategie, wie er aus dieser Delle herauskommen will. So wird Team 7 das Netz an eigenen Läden weiter ausbauen. Dort werden nicht nur Möbel verkauft, sondern mithilfe von Innenarchitekten wird eine komplette Einrichtungsberatung angeboten – etwas, was auch der Onlinehandel bisher nicht anbieten kann. „Die eigenen Shops sind eine riesige Chance“, bestätigt Experte Haarfeld. „Denn Marken, die sich zu stark von klassischen Möbelhändlern abhängig machen, bekommen ein Problem.“

Emprechtinger will jetzt den nächsten Schritt gehen und den einstigen Öko-Tischler zu einer globalen Premiummarke entwickeln. So hat er beispielsweise mit Partnern Monobrand-Shops in Mumbai, Bangalore, Peking oder am Broadway in New York eröffnet, große Verkaufsflächen hat er auch in Japan, Russland und Taiwan. „Nicht alle Showrooms, die wir weltweit betreiben, rechnen sich natürlich“, räumt der Team-7-Chef ein. „Aber wir wollen beweisen, dass wir in der Champions League mitspielen können.“

„Ich könnte mir das vorstellen“

Ganz bewusst will er damit das österreichische Familienunternehmen raus aus der Komfortzone bringen. „Wir setzen uns einem ganz anderen Wettbewerb aus und sehen, welche Designs weltweit funktionieren“, erklärt er die Strategie dahinter. Damit habe das Unternehmen gute Erfahrungen gemacht, und deshalb werde er die Zahl der Monobrand-Stores weiter erhöhen. Noch dieses Jahr sollen die Standorte St. Petersburg, Nanjing und Wuxi dazukommen.

Emprechtinger ist ein Unternehmer aus Leidenschaft mit dem Blick für Details, wie ihm Weggefährten bescheinigen. Und die Liebe zum Werkstoff Holz begann bei ihm schon in der Kindheit: Die Eltern hatten ein Sägewerk.

Doch zu Team 7 ist er nur per Zufall gelangt. Nach dem Studium von BWL und Jura in Linz und Salzburg arbeitete er zunächst bei einem Obst- und Gemüseimporteur und beim Ski-Unternehmen Fischer Sports. Danach wurde er Geschäftsführer bei einem Fußbodenproduzenten. In dieser Zeit lernte er Team-7-Gründer Berghammer über ein Grundstücksgeschäft kennen. Sie waren Nachbarn in Ried im Inn-Viertel, drehten gemeinsame Jogging-Runden.

Als Berghammer ihn eines Tages fragte, ob er ihm nicht jemanden als Geschäftsführer empfehlen könnte, weil er sich langsam zur Ruhe setzen wollte, sagte Emprechtinger spontan: „Ich könnte mir das vorstellen.“
Recht schnell war auch klar, dass sich beide einen Verkauf der Firma an Emprechtinger vorstellen konnten, weil Berghammer keinen Nachfolger in der Familie hatte. Doch der Weg dahin war viel komplizierter, als beide gedacht hatten. „Das war eine sehr schwierige Situation, die hatte ich so noch nie erlebt“, erinnert sich Emprechtinger. „Trotz allen Vertrauens sitzt man bei einem solchen Firmenverkauf automatisch an zwei verschiedenen Seiten des Tischs.“

Keine Serienfertigung

Er hatte ein kleines Startkapital aus einer selbst gegründeten Firma, die er verkauft hatte, doch das reichte nicht. Einen externen Investor aber wollte Emprechtinger nicht. „Wir wollten ein Modell, in dem ich von Anfang an die volle Entscheidungsfreiheit habe, auch wenn ich zunächst noch nicht die Mehrheit übernehmen konnte“, erklärte er. Die Lösung kam dann von Berghammer: Er wurde für eine Übergangszeit von fünf Jahren zum Venture-Capital-Geber für seinen eigenen Nachfolger.

Schon 2001 hat Team 7 die Serienfertigung komplett beendet und setzt voll auf auftragsbezogene Fertigung. „Losgröße eins ist für uns die Normalgröße“, beschreibt es der Chef. Jedes Möbel wird trotz der hohen Stückzahlen in Ausführung und Maß genau auf den Kundenwunsch zugeschnitten – eine produktionstechnische Leistung, die kaum ein anderer Hersteller beherrscht.

Die große Herausforderung ist, dass dafür die Daten an jedem Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. „Heute sind wir noch sehr stark davon abhängig, dass wir sehr gute Mitarbeiter haben, die genau wissen, was sie zu tun haben“, betont Emprechtinger. „Aber wir arbeiten daran, diese Prozesse immer stärker zu digitalisieren, damit alle Daten jederzeit überall verfügbar sind.“ Noch gebe es viele digitale Insellösungen im Unternehmen, das müsse sich ändern.

Diese Prozesse stößt Emprechtinger jetzt an, aber vollenden wird sie wohl sein Sohn Stefan. Der 28-Jährige hat Internationale BWL studiert und arbeitet zurzeit bei McKinsey. In drei, vier Jahren soll er dann in die väterliche Firma wechseln und nach einer kurzen Übergangsphase die Leitung übernehmen. Denn spätestens mit 65 will Georg Emprechtinger abtreten.

„Ich will nicht in eine Konfliktsituation zwischen Vater und Sohn kommen und weiß, dass ich dann völlig das Feld räumen muss“, sagt der Team-7-Eigentümer. Leicht wird ihm das nicht fallen, das gibt er offen zu. Die „Königsaufgabe eines Familienunternehmers“ nennt er das. „Aber wenn ich das nicht schaffe, gefährde ich alles, was ich aufgebaut habe.“

Und niemanden bei Team 7 würde es wundern, wenn die Übergabe der Geschäfte an den Sohn an einem 7. September stattfände.

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