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Karriere Von Einsen und Nullen

IT-Fachkräfte sind gefragt. Doch nicht jeder oder jede liefert die Leistung, die er oder sie verspricht. Für Unternehmen wird diese Entwicklung zum Problem. Quelle: rh2010/Adobe Stock

Hohes Gehalt, noch höhere Ansprüche: IT-Experten zählen derzeit zu den gefragtesten Fachkräften. Für die Firmen könnte das zu großen Problemen führen.

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Dieser Text ist zuerst im Handelsblatt erschienen.

Auf dem Papier scheint der Mann genau richtig für das groß angelegte SAP-Projekt bei einem Automobilzulieferer im tiefen Westen Deutschlands. Mehrere Jahre Erfahrungen bei internationalen Konzernen schmücken den Lebenslauf, dazu mehrere Programmiersprachen, die auf tiefe Kenntnisse in der IT-Entwicklung schließen lassen. Auch der Tagessatz von gut 800 Euro für den Freiberufler erscheint vertretbar.

Doch schon kurz nach der Einarbeitung fällt dem zuständigen Teamleiter auf, dass es um die Arbeitsmoral des hochqualifizierten Experten nicht gut steht. Deadlines kümmern den jungen Mann aus Irland kaum, die Ergebnisse kommen mal pünktlich, mal mit großer Verzögerung. „Da war von Anfang an sehr wenig, worauf man sich verlassen konnte“, erinnert sich der Vorgesetzte.

Als der Manager den Mitarbeiter schließlich auf seine schwankende Leistungsbereitschaft anspricht, reagiert der Programmierer eingeschnappt – und entscheidet auf eigene Faust, die nächsten zwei Wochen von unterwegs zu arbeiten. Der Experte wird in der Firma nie wieder gesichtet, seine Arbeit müssen seither andere mitübernehmen.

Vom Experten zur Diva

Solche und ähnliche Fälle sind in vielen Firmen, vom Mittelständler bis zum Konzern alltägliches Ärgernis. Denn IT-Fachkräfte sind nicht nur rar, sie wissen auch sehr gut um ihre eigene Einmaligkeit. Wie der Branchenverband Bitkom Ende 2018 meldete, fehlen dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit 82.000 IT-Fachkräfte – so viele wie noch nie. Fünf Monate dauert es der Umfrage zufolge im Schnitt, bis Unternehmen eine vakante IT-Stelle besetzen können.

Besonders gefragt sind der Bitkom-Erhebung zufolge Programmierer, Projektmanager, Anwendungsbetreuer und Sicherheitsexperten. „Die meisten ITler sind sich ihres Status auf dem Arbeitsmarkt sehr bewusst“, sagt Philipp Leipold, Deutschlandchef des IT-Weiterbildungsanbieters Academy. „Sobald ‚Java‘ oder ‚IT-Security‘ im Xing-Profil auftaucht, glüht die Inbox.“

Das hat zur Folge, dass sich einige IT-Experten auf dem Arbeitsmarkt wie Diven aufführen. So ist es für deutsche Konzerne zur Gewohnheit geworden, ITler nicht nur mit einem überdurchschnittlichen Gehalt, sondern auch mit allerlei Extraleistungen zu verwöhnen. Es sind längst die Unternehmen, die sich bei den IT-Experten bewerben, nicht etwa umgekehrt.

Der Versandhändler Otto etwa sucht zurzeit einen Fullstack-Entwickler und wirft als Kandidatenköder neben Gratis-Konferenzbesuchen und Homeoffice gleich mal die Möglichkeit zum Sabbatical aus. Ein Personalvermittler, der sich für einen Kunden im Rhein-Main-Gebiet umhört, lockt zudem mit „flachen Hierarchien, Duzkultur und Familienfreundlichkeit“ – Kitakosten und Sommerfest mit Hüpfburg inklusive. Dass es eigentlich um komplexe Programmierprojekte geht, könnte man beim Blick auf die Stellenanzeigen fast vergessen.

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