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Reiner Kurzhals Weltmarktführer werden

Reiner Kurzhals: ein Hochschullehrer mit großer Freude an der Selbstständigkeit. Quelle: MSB

Der Professor der Münster Business School gründete Ende 2017 bereits sein zweites Start-up für Datenanalyse. Er hat große Namen unter seinen Kunden.

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Dieser Text ist zuerst im Handelsblatt erschienen.

Auf die Frage, ob er sich eher als Unternehmer oder als Hochschullehrer fühlt, antwortet Reiner Kurzhals ohne zu zögern: „Als Unternehmer“, sagt der 51-jährige Vater von vier Kindern. Aufgeben aber will er das Professorendasein auf keinen Fall, er tritt nur etwas kürzer.

Denn als Unternehmer hat er wieder genug zu tun. Er beschäftigt 50 Datenanalysten, die für die Kunden seines Ende 2017 gegründeten Start-ups Westphalia Data Lab interne Firmendaten mit öffentlich zugänglichen Informationen verknüpfen. Mittels maschinellen Lernens liefern sie Vorhersagen mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 94 Prozent.

Kurzhals ist sehr selbstbewusst, er wolle Weltmarktführer werden und als Statistiker hat er sich gute Chancen ausgerechnet. Vom Sommer an werden die Standardprodukte von Westphalia in der Amazon-Cloud angeboten. Amazon Web-Services habe Westphalia Data Lab bescheinigt, dass das Start-up Produkte biete, die im Unterschied zur Konkurrenz „auch vom Lagerarbeiter oder Lkw-Fahrer genutzt werden können“, wie der Professor es formuliert.

An diesem Montag wird Westphalia Data Lab vom Center Smart Services an der RWTH Aachen für seine Leistungen beim maschinellen Lernen prämiert. Philipp Jussen, Geschäftsführer des Center Smart Services, erklärt, dass Westphalia Data Lab von über 50 Unternehmen dasjenige war, „welches bereits jetzt die meisten Use Cases umgesetzt hat“. Trotz seines recht jungen Alters sei Westphalia in dem Bereich „ein echtes Schwergewicht“, ergänzt Jussen.

Die Suche nach dem nächsten großen Ding

Dass er kein reiner Theoretiker ist, hatte Kurzhals bereits vor Jahren bewiesen. Mit drei Doktoranden gründete er 2010 das Start-up 4tree, das ein Datenanalyse-Tool für den Einzelhandel entwickelte. Das hatte der Hochschullehrer noch mit eigenem Geld aufgebaut. Nach dem Verkauf 2015 an die Strategieberatung Mc Kinsey in New York wechselte das Vierergespann dorthin. Doch Kurzhals stellte fest: „Ich lasse mich nicht gern einbinden.“

Er reiste herum und überlegte, was das nächste große Ding am Datenmarkt sein könnte. Nach vielen Gesprächen wurde ihm klar, er wollte Datenanalyse als Service, das sogenannte DAaaS anbieten. Mit seinem ehemaligen Doktoranden Cornelius Brosche, der inzwischen bei Porsche Consulting arbeitete, gründete er im Oktober 2017 Westphalia Data Lab. Und die beiden Gründer stellten sich die Frage: „Machen wir es allein, oder nehmen wir direkt einen strategischen Investor mit rein?“

So holten sie den Logistikspezialisten Fiege mit 40 Prozent als Gesellschafter an Bord. Der umtriebige Hochschullehrer meint, dass die Entscheidung, mit Fiege zu arbeiten, entscheidend war für die rasante Expansion. Fiege lieferte Namen, Wissen, Vertrauen und das, woran die meisten Start-ups scheitern: Umsätze. Der Kontakt zu den Studierenden ist Kurzhals aber nach wie vor wichtig, schließlich kann er so immer wieder gut ausgebildeten Nachwuchs für sein neues Unternehmen verpflichten.

Zu den Kunden zählen inzwischen der Entsorger Remondis, der Autozulieferer Mann + Hummel oder der Landmaschinenhersteller Claas. Zurzeit läuft die nächste Finanzierungsrunde. Zehn Millionen Euro will Westphalia hereinholen, dabei aber gut aussuchen, welcher strategische Investor am besten zum Unternehmen passt.

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