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Strategie Innovativ dank Kooperationen

Roboter kommen zunehmend auch im Servicebereich zum Einsatz. Quelle: dpa

Immer häufiger entwickeln Mittelständler mit anderen Unternehmen neue Produkte und Leistungen. Wie die Zusammenarbeit gelingt.

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Dieser Text ist zuerst im Handelsblatt erschienen.

Die Idee kam Reinhold Ziewers während der Besichtigung einer Fertigungshalle: „Dort sortierten Arbeiter gebogene Aluminiumröhrchen so, dass Roboter sie greifen und verarbeiten konnten“, erinnert sich der Geschäftsführer der Maschinenbaugruppe ASS aus Overath. Er wollte diesen Prozess vereinfachen. Sein Ziel: „Unsere Roboter müssen sehen lernen.“ Ziewers machte sich auf die Suche nach einem Spezialisten für 3D-Kameras und Bildverarbeitung und wurde bei der Firma Isra Vision in Darmstadt fündig. Die beiden Mittelständler taten sich zusammen, ASS entwickelte für den Yaskawa-Roboter eine neue Greifhand.

Nach sechs Monaten Kooperation war die Innovation marktreif, seit November ist sie bei der S.M.A. Metalltechnik in Backnang, einem Spezialisten für Leitungen, im Einsatz. „Der Roboter greift sich aus dem Schüttgut im Transportbehälter die Einzelstücke und legt sie in die Werkzeugmaschine. Der Prozess ist nun voll automatisiert“, sagt Ziewers.

Innovative Geschäftsmodelle brechen derzeit in fast allen Branchen Strukturen auf, neue digitalisierte Produkte und Dienstleistungen verändern Märkte. Einige traditionsreiche Mittelständler drohen den Anschluss zu verlieren, weil sie häufig nicht die Expertise und Ressourcen besitzen, um auf eigene Faust technologische Innovationen voranzutreiben. Eine Lösung kann die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmern sein.

Zusammenarbeit von Mittelstand und Start-ups wichtig

Die Kooperation von ASS und Isra sei dafür ein gutes Beispiel, meint Peter Russo, Professor an der European Business School in Oestrich-Winkel: „Die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen wird vereinfacht, wenn man die unterschiedlichen Stärken von zwei oder mehr Unternehmen bündelt.“

Diese Faktoren beeinflussen die Cyber-Sicherheit
Risiken im FokusEin Team ist bekanntlich so stark wie sein schwächstes Glied. Im Fall von Unternehmen bedeutet das: Alle Hochtechnologie nützt wenig, wenn sie nicht ausreichend gegen unbefugten Zugriff und Manipulation gesichert ist. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat zu den größten Cyber-Risiken rund 400 Top-Entscheider aus mittelgroßen und großen Unternehmen sowie mehr als 100 Entscheider verschiedener Parteien in Deutschland befragt. Klare Antwort: … Quelle: Unsplash
Die Bedeutung des Themas nimmt weiter zu, die Risiken steigen an. Zugleich herrscht aber immer noch deutlicher Nachholbedarf bei Gegenmaßnahmen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse in Kürze. Quelle: Unsplash
Fake NewsFalsche Nachrichten und Meinungsmanipulation stehen erstmals ganz oben auf der Bedrohungsliste von wirtschaftlichen und politischen Entscheidern. Ein Viertel der Unternehmen berichtet bereits von Versuchen, den Ruf des Unternehmens durch gezielte Falschinformationen im Internet zu schädigen. Die Hälfte der befragten Politiker hingegen… Quelle: Monster Ztudio/Adobe Stock
…macht sich Sorgen um die Demokratie in Deutschland, weil soziale Medien zunehmenden Einfluss auf die politische Meinungsbildung haben. Rund ein Drittel (34 Prozent) sieht in dieser Entwicklung eher Chancen. Quelle: Unsplash
Abhängigkeit von TechniklieferantenEine europäische Unabhängigkeit bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien gilt für 89 Prozent der Abgeordneten und 71 Prozent der Wirtschaftsführer als notwendig für die Cyber-Sicherheit in Deutschland. Allerdings werden zum Einsatz von Technologien aus den USA oder China, zum Beispiel beim Ausbau des 5G-Netzes, derzeit keine Alternativen gesehen. Diese Abhängigkeit wird von allen Befragten als große Gefahr bewertet. Quelle: Unsplash
Rechtliche RahmenbedingungenDie rechtlichen Rahmenbedingungen für IT-Sicherheit werden von wirtschaftlichen und politischen Entscheidern für Deutschland, verglichen mit anderen Ländern, positiv eingeschätzt. Insbesondere Vertreter größerer Unternehmen urteilen hier sehr positiv. Die Rahmenbedingungen beeinflussen Standortentscheidungen kaum. Lediglich bei der Auswahl von IT-Dienstleister, beispielsweise für Cloud-Anwendungen, ist der Standort sehr relevant. Quelle: Unsplash
Fehlender Austausch zwischen Politik und WirtschaftDie Politik kann zur Erhöhung der IT-Sicherheit in Unternehmen beitragen, davon sind Politiker und Wirtschaftsvertreter überzeugt. Allerdings sehen derzeit fast drei Viertel der Wirtschaftsvertreter die Bedürfnisse der Wirtschaft in diesem Bereich nicht gut durch staatliche Institutionen abgedeckt (72 Prozent). Unter den Abgeordneten denken 56 Prozent so (52 Prozent „weniger gut“, 4 Prozent „gar nicht gut). Die Hälfte der Abgeordneten fühlt sich zudem… Quelle: Unsplash

Auch die Wissenschaftler des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) in Berlin halten viel von Zusammenarbeit. Projekte von Mittelständlern und Start-ups „sind für die deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung“, so Martin Wrobel, einer der Autoren einer HIIG-Studie: „Die Mittelständler verschaffen sich Zugang zu neuen Technologien und können innovative Geschäftsmodelle entwickeln, die Start-ups wachsen schneller, weil sie erste Referenzen und Zugang zu den Kunden- und Vertriebsnetzen der Etablierten gewinnen.“

Doch die Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer: „Wichtig bei solchen Kooperationen ist eine solide Vorbereitung“, betont Wrobel. Die Partner müssten Erwartungen abgleichen. Das empfiehlt auch Reinhold Ziewers: „Aufgaben und Ziele müssen klar definiert sein, nur dann ist ein gemeinsamer Projektstart sinnvoll.“ ASS will seine Innovation vielen Unternehmen verkaufen, Isra verdient an jedem Deal mit. Eine Win-win-Situation. Die Projektinvestition von etwa 200.000 Euro hat die Förderbank der Indus Holding, zu der ASS gehört, mitfinanziert. „Dieses Geld und das Netzwerk der 45 Beteiligungsfirmen stärken uns als Mittelständler, gegen die Großen zu bestehen“, so Ziewers.

Über die eigenen Firmengrenzen hinaus denken

Einen anderen Weg geht der Heizungsbauer Viessmann: Für Firmenchef Martin Viessmann (65) ist klar, „dass es Aufgabe der nächsten Generation ist, das Unternehmen digital zu transformieren“. Darum kümmern sich Sohn Max (31) und WATTx, ein Company-Builder in Berlin mit digitalen Talenten aus Start-ups und Beratungshäusern. An der Spitze stehen Martin Unger und Martin Mittermeier. Ihr 30-köpfiges Team hat bisher fünf Firmen das Laufen beigebracht. „Wir haben den Freiraum, Innovationen zu kreieren und dann in Produkte umzusetzen, die nicht unbedingt für Viessmann sein müssen“, erklärt Unger.

So arbeitet WATTx gerade mit einem großen Baumaschinen-Mittelständler zusammen. Der will seine Kunden durch einen neuen digitalen Service stärker binden, neue Umsatzquellen erschließen und dafür eine App entwickeln. „Dem Unternehmen fehlen Topleute für Softwareentwicklung, Markt- und Nutzerforschung, digitales Marketing und Design der Benutzeroberfläche. Die stellen wir“, erklärt Unger. Im Sommer soll die App laufen.

Auch die AHG Autohandelsgesellschaft in Horb am Neckar mit 1700 Mitarbeitern an 20 Standorten profitiert von der Zusammenarbeit eines Mittelständlers mit einem Start-up. In einer Autohaus-Filiale in Pforzheim steht als „Kundenberater“ der Roboter Pepper, „der Menschen und deren Mimik, Gestik und Berührungspunkte analysiert und auswertet und auf diese Emotionszustände reagieren kann“, erläutert Patrick Pfalzgraf von The Retail Performance Company (RPC) in München, einem Joint Venture der BMW Group und der Managementberatung h & z.

Hellman: Per Lichtstrahl zum richtigen Artikel

Ein Team von RPC hat den japanischen Roboter kalibriert, das Team des Hamburger Start-ups Finrocks, die Fähigkeiten von Pepper auf die Wünsche der Autohandelsgesellschaft zugeschnitten. „In nur zweieinhalb Wochen“, ist Finrocks-Gründer Alexander Braune stolz. „In der kurzen Zeit hätte das keiner von uns allein geschafft und das Autohaus ohne uns auch nicht“, sagt Pfalzgraf. AHG ist mit Pepper zufrieden, will in diesem Jahr möglicherweise weitere Roboter einsetzen. Für Pfalzgraf ist die strategische Kooperation mit Finrocks ein Beispiel, „wie zwei Spezialisten zusammen etwas völlig Neues für den Retailbereich entwickeln können“.

Manchmal holt sich ein Mittelständler auch ein Start-up ins Haus. So wie der Logistikdienstleiter Hellmann: Um eine Online-Bestellung versandfertig zu machen, brauchte das Unternehmen früher Scanner, an denen die Mitarbeiter ablasen, in welchen Karton sie die Ware zu legen hatten. Das kostete Zeit. 2017 lernten die Osnabrücker die Gründer des Start-ups Symbic kennen.

Nach einem Jahr Forschung und Meetings von Technikern und Logistikexperten stand das System Logistic Lights. Clou: Greift ein Mitarbeiter sich einen Artikel, führt ihn ein Lichtstrahl, der von einem Spot an der Decke kommt, zu dem Karton, in den das Stück gehört. Robert Bommers, Chief Operating Officer bei Hellmann, rechnet vor: „Wir haben damit eine Zeitersparnis von fünf Sekunden pro kommissionierten Artikel erreicht.“ Macht bei täglich 20.000 Stück 27 Arbeitsstunden weniger.

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