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Digital Midwest Der mittlere Westen digitalisiert meisterlich

Von links: Alexander Vey (Vice President Software Engineering fino run GmbH, Kategorie Digitale Produkte und Dienstleistungen), Jürgen Veith (CEO IoT Venture GmbH, Kategorie Digitale Prozesse und Organisation), Antonio Vega (COO getsteroo Gmbh/Have it Back, Kategorie Digitales Kundenerlebnis), Thorsten Winternheimer (CEO Wolf-Gruppe, Kategorie Digitale Transformation Mittelstand). Quelle: Deutsche Telekom

Wofür die Digitalisierung gut ist? Die prämierten Firmen der Digital Midwest haben die Antworten parat: um Probleme zu lösen, mehr Nutzen zu bieten – und schneller zu sein als die Konkurrenz.

Vorreiter in einer Wirtschaftswelt voller neuer Möglichkeiten zu sein, ist kein Alleinstellungsmerkmal von Metropolen wie Hamburg, Berlin oder München. Beim letzten regionalen DCA-Entscheid in diesem Jahr zeigten die Unternehmen aus der Mitte Deutschlands, was sie in Sachen Digitalisierung drauf haben.

In der Kategorie Digitales Kundenerlebnis zeichnete die Jury die getsteroo GmbH aus. Das Start-up hat die erste Meta-Suchmaschine für Fundsachen ins Leben gerufen - ein digitales Fundbüro, in dem jeder übers Internet eine Suchanfrage aufgeben oder gefundene Gegenstände melden kann. Entstanden ist die Idee 2015 aus eigener, leidvoller Erfahrung: „Unser Geschäftsführer hatte seinen Rucksack verloren und festgestellt, dass es online keine Möglichkeit gibt, danach zu suchen und dass alle anderen Möglichkeiten unbefriedigend sind“, erzählt Antonio Vega, Chief Operations Officer von getsteroo. Ihre Lösung vereint nun unter dem Namen Zentrales Fundbüro bzw. Have it Back behördliche, gewerbliche und viele private Seiten, und aus fast allen Ländern der Erde posten Menschen Verlorenes und Gefundenes. Mittlerweile hat die Seite über sieben Millionen Einträge und ist das größte Online-Fundbüro der Welt.

„Das ist Digitalisierung pur“

Doch auch Organisationen können die Technik nutzen. Für Unternehmen und Behörden bietet das Start-up aus Frankfurt eine Software und eine App, mit denen der gesamte Prozess digital abläuft. Findet zum Beispiel der Mitarbeiter an einem Flughafen einen Laptop, fotografiert er ihm mit dem Smartphone, und die App erkennt durch automatische Bilderkennung den Gegenstand, die Farbe und sogar die Marke. Der Datensatz wird direkt im digitalen Fundbüro gespeichert und zudem mit allen Suchanfragen abgeglichen. Ist der Besitzer identifiziert, kümmert sich das Zentrale Fundbüro/Have it Back auch um den Rücktransport. Das Ziel: Für die Organisation soll alles schneller und günstiger ablaufen, der Betroffene unkompliziert wieder an seinen Laptop kommen. „Für uns bedeutet Digitalisierung, dass Prozesse beschleunigt werden und einfacher werden“, sagt Vega.

Läuft alles rund im Maschinenbau?
Der Maschinen- und Anlagenbau bildet seit Jahrzehnten das Rückgrat der deutschen Industrie und steht – auch international – für Fortschritt, Leistung und Zuverlässigkeit. Als Ausrüster prägt der deutsche Maschinen- und Anlagenbau die Wirtschaft. Sein starker Mittelstand ist Weltmarktführer in vielen Nischenmärkten. Maschinen „made in Germany“ stehen für deutsche Ingenieurskunst und haben weltweit einen hervorragenden Ruf. Quelle: Adobe Stock
Die Branche ist in besonderem Maße auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen und beschäftigte im abgelaufenen Jahr 1,03 Millionen Facharbeiter und Ingenieure: Auf deren reibungslosem Zusammenspiel basiert der betriebswirtschaftliche Erfolg des Maschinen- und Anlagenbaus. Zusammen mit Verwaltungskräften, geringer Qualifizierten und Teilzeitarbeitern beschäftigte die Branche 2017 fast 1,35 Millionen Menschen und ist damit der größte industrielle Arbeitgeber Deutschlands. Quelle: Adobe Stock
Im Jahr 2017 konnte der Maschinen- und Anlagenbau erstmals die seit fünf Jahren anhaltende Stagnation überwinden. Dank gestiegener Inlandsnachfrage und guten Geschäften mit dem Ausland legte der Umsatz jüngsten Schätzungen zufolge preisbereinigt um drei Prozent auf 224 Milliarden Euro zu. Für 2018 geht der Datenanbieter FERI von einer weiteren Umsatzsteigerung auf 242,76 Milliarden Euro, also ein Plus von 3,2 Prozent. Quelle: dpa
2015 gab es in der Branche insgesamt 6.169 Unternehmen, wobei 64 Prozent der Unternehmen weniger als 100 Mitarbeiter beschäftigten. Nur 350 Betriebe hatten mehr als 500 Mitarbeiter. Diese 5,7 Prozent der Unternehmen erzielten allerdings 52 Prozent des gesamten Branchenumsatzes. Quelle: dpa
Als ernsthafter Weltmarkt-Konkurrent tritt zunehmend China in Erscheinung. Unter den fünf wichtigsten Exporteuren von Maschinen und Anlagen belegt die Volksrepublik hinter Deutschland bereits Platz zwei, gefolgt von den USA. Im Jahr 2015 exportierten die Chinesen schon 13,3 Prozent aller Maschinen und Anlagen (134,2 Mrd. Euro), die Bundesrepublik kam auf 15,4 Prozent (155,5 Mrd. Euro). Mit der im Mai 2015 vorgestellten Strategie „Made in China 2025“ will die chinesische Regierung das Land nun auch zu einem Top-Technologie-Standort ausbauen. Quelle: Adobe Stock
Trotzdem wird der Export auch in diesem Jahr Erfolgsgarant für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau bleiben. In den ersten neun Monaten 2017 lieferten die Unternehmen Maschinen für 124,4 Milliarden Euro ins Ausland – ein Zuwachs von real 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Drei von vier Maschinen waren für den Export bestimmt, wobei die Europäische Union die mit Abstand größte Absatzregion blieb: 46,5 Prozent aller Ausfuhren gingen zu den europäischen Nachbarn. Quelle: Unsplash
In den 38 Fachbereichen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus finden sich beispielsweise Hersteller von Holzbearbeitungs- und Gießereimaschinen, Anbieter von Feuerwehrtechnik und von Reinigungssystemen. Die Heterogenität der Branche verdeutlichen auch die jeweiligen Umsatzzahlen der Fachbereiche. So erwirtschafteten die Produzenten von Verbrennungsmotoren und Turbinen im Jahr 2016 einen Umsatz von 35 Milliarden Euro, während mit der Herstellung von Büromaschinen nur 877 Millionen Euro umgesetzt wurden. Quelle: Adobe Stock

Ums Finden geht es auch bei der IoT Venture GmbH, die in der Kategorie Digitale Prozesse und Organisation den Award mit zurück nach Darmstadt nehmen durfte. Wie der Firmenname schon verrät, beschäftigt man sich mit dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). „Wir bauen Ortungsmodule, mit denen sich Dinge mit dem Internet verbinden und lokalisieren lassen – das ist Digitalisierung pur“, sagt CEO Jürgen Veith. Jüngste Geschäftsidee: Eine Diebstahlsicherung für E-Bikes. IoT Venture stellt das System demnächst auf einer Fachmesse vor, und ein deutscher Hersteller wird es bald serienmäßig in seinen Fahrrädern einsetzen. Nutzen für den Käufer eines E-Bikes: „Er bekommt kein App-Gimmick, sondern einen handfesten Service“, erklärt Veith, „nämlich die Wiederbeschaffung seines Fahrrads im Falle eines Diebstahls oder, falls nicht möglich, einen gleichwertigen Ersatz.“

Solch eine Dienstleistung ist ein Beispiel dafür, welche Überlegungen Unternehmen im digitalen Umfeld anstellen sollten: Was könnte der Kunde noch verlangen außer ein technisch ausgereiftes Produkt, im diesem Falle ein Fahrrad? IoT Venture hilft, Antworten auf diese Frage zu finden. Indem es Unternehmen unterstützt, sogenannte digitale Ökosysteme aufzubauen - komplett neue Geschäftsfelder und eine Umgebung, in der mit digitalen Methoden Geld verdient werden kann. Veith wählt zur Verdeutlichung das Beispiel Smartphone: ein Gerät, mit dem man telefonieren und surfen könne. Das alleine mache es noch nicht attraktiv, aber das Ökosystem drum herum schon: die mittlerweile ungezählten Apps und Services, die mit dem Smartphone genutzt werden können und die dem Kunden einen Nutzen bringen. Veith: „Im Prinzip kann um jedes Produkt herum ein Ökosystem entstehen.“ Bei IoT Venture hat man schon einige im Blick: Gebäude, Gepäckstücke und Industriekühlschränke.

Eine Plattform für alles

Neue Geschäftsfelder hat sich auch die Wolf-Gruppe aus Ingelheim dank konsequenter Digitalisierung erschlossen. Das von über 100 Jahren als klassische Druckerei gestartete Familienunternehmen erhielt dafür den DC-Award in der Kategorie Digitale Transformation Mittelstand. Gedruckt wird bei Wolf immer noch. Doch einen nicht unerheblichen Teil seines Umsatzes macht das Medienhaus im IT-Geschäft. Zur Firmengruppe gehört auch ein Unternehmen, das spezielle Software und Webshops für die Druckbranche entwickelt. Zudem sind die meisten Prozesse digitalisiert: Die Produktionsplanung läuft ohne menschlichen Eingriff ab, der Vertrieb erfolgt über Online-Kanäle und Kunden können mittels eigener Portale und offener Schnittstellen die Daten ihrer Druckaufträge übermitteln. Der große Vorteil all dieser Anstrengungen: „Jetzt können wir unseren Kunden neue Dienstleistungen und Produkte liefern, die wir im herkömmlichen Druckgeschäft gar nicht anbieten können“, sagt Thorsten Winternheimer, geschäftsführender Gesellschafter von Wolf.

Bei Wolf setzt man nicht auf verschiedene digitale Lösungen, sondern nutzt eine Plattform für alles – und die hat man auch noch selbst programmiert. Sie nennt sich saas.do, eine sogenannte No-Code-Plattform, auf der jeder seine eigene Software oder Applikationen entwickeln kann. Und das ohne Programmierkenntnisse. Dadurch lassen sich Prozesse digitalisieren und automatisieren. Diese Vorteile nutzt Wolf nicht nur selbst. saas.do ist auch für Firmen jenseits der Print-Branche interessant und erschließt dem Druckspezialisten so neue Märkte. Innovation ist es, was Unternehmertum nach Ansicht von Winternheimer in Zeiten der digitalen Wandels ausmacht, nicht immer nur Perfektion:
„Gut ist gut genug.“ Ein neu digitalisierter Prozess muss nicht gleich zu 100 Prozent passen. „Wir werfen ihn in den Live-Betreib rein, dann ruckelt’s ein bisschen, wir bügeln ihn glatt und er funktioniert“, sagt Winternheimer. Diese Mentalität lässt einen Hauch von Start-up durch das Traditionsunternehmen wehen.

In drei Monaten zum Produkt

Eine junge, digital-affine Firma freute sich in Offenbach über die Auszeichnung in der Kategorie Digitale Produkte und Dienstleistungen: die fino run GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel brachte wenige Monate nach seiner Gründung 2015 den ersten vollautomatisierten und intelligenten Kontowechsel der Branche auf den Markt. Bankkunden brauchen seitdem gerade einmal noch sechs Minuten, um mit ihrem Konto von einem zum anderen Finanzinstitut zu ziehen. Mittlerweile kann man mit fino unter anderem seine Depots wechseln oder Verträge verwalten. „Wir wollen den Menschen Werkzeuge in die Hand geben, die ihnen helfen, komplizierte Dinge leichter zu erledigen“, fasst Alexander Vey, Software Engineering Vice President, die Mission von fino zusammen.

Fino ist in der Finanztechnologie, kurz Fintech, zuhause. Die Branche lebt insbesondere von ihrer Schnelligkeit bei der Produktentwicklung. „Was wir in drei Monaten nicht schaffen, fangen wir nicht an“ lautet konsequenterweise ein Leitspruch des Start-ups. Das heißt nicht, dass jedes Produkt nach drei Monaten fertig sein muss. „Können wir aber nach dieser Zeit immer noch nicht sagen, ob eine Idee funktionieren wird, kennen wir die Antwort eigentlich schon“, erklärt Vey. „Fail fast, fail cheap“ nennt sich diese Strategie. Zudem geht es bei digitalen Produkten seiner Meinung nach nicht um die „eierlegende Wollmilchsau, die vollumfänglich jeden Use Case abdeckt“, sondern um eine Lösung, die zunächst bei einem Problem zuverlässig hilft. Erweiterungen bauen darauf nach und nach auf. Diese Einstellung honoriert nicht nur der private Kontoinhaber: Mittelweile gehören auch Banken selbst, Versicherungen und andere Unternehmen zu Kundestamm von fino.

Die digitale Deutschlandreise der Telekom strebt nun ihrem Höhepunkt zu: der Preisverleihung des nationalen Digital Champions Award am 7. und 8. November in Köln beim DIGITAL SUMMIT 2018. Im Rennen sind alle ausgezeichneten Unternehmen aus den sechs Regionen.

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