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Digitale Zukunft Europa muss groß denken

Quelle: Adobe Stock

Die großen Player der Digitalisierung USA und China gehen voran – Europa müht sich, Schritt zu halten. Das allein reicht aber nicht, sagt Zukunftsforscher Jens Hansen. Er fordert eine grundsätzliche Diskussion, wohin der Kontinent will. Das Ziel: Nichts weniger als die digitale Führerschaft.

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Die Digitalisierung macht aus der Welt ein Dorf – und aus seinen Bewohnern Konkurrenten um die besten Ideen und die Geschäftsmodelle von morgen. Die Weltmächte USA und China liegen gut im Rennen: Die US-Amerikaner haben ihre digitalen „Big 5“ Google, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft. China kontert mit seiner Strategie Made in China 2025 und schickt sich an, Technologieführer in wichtigen Schlüsselbranchen zu werden.

Der europäische Kontinent dagegen hechelt hinterher und droht, den Anschluss zu verlieren. In Politik und Wirtschaft zerbricht man sich den Kopf über die Frage, wie Europa es schaffen kann, Chinesen und Amerikaner im digitalen Wettlauf zumindest einzuholen.

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Eine gute Sache, findet Zukunftsforscher Jens Hansen – nur ist Aufholen allein nicht genug. Wie bei einem Marathonläufer, der sich zuerst in die Spitzengruppe vorkämpfe, müsse es irgendwann „Klick“ im Kopf machen: Ich will die vor mir überholen und gewinnen! „Wir brauchen ein neues Mindset“, forderte Hansen auf der DIGITAL X 2019 in Köln. „Wir müssen unsere Kräfte mobilisieren und umschalten vom Willen, den Anschluss halten, zum Anspruch, die Führung zu übernehmen.“ Doch im Gegensatz zum Marathon wisse man bei der Digitalisierung nicht, wo das Ziel sein. „Dieses Ziel“, so Hansen, „müssen wir uns selbst stecken. Wir brauchen eine Diskussion darüber, wo wir hin wollen.“

Die USA und China verfolgen bei ihren Digitalstrategien in vielen Bereichen genau entgegengesetzte Ziele, hat Hansen beobachtet. Europas Weg werde seiner Einschätzung nach eine Mischung aus beiden sein, sozusagen das Beste aus beiden Welten. Es mache Sinn, ein gigantisches, umfassendes digitales Ökosystem zu haben, wie die Chinesen, innerhalb dessen aber Wettbewerb untereinander nach amerikanischem Vorbild stattfinde. Staat und Unternehmen sollten bei der Digitalisierung kooperieren.

„In einigen Regionen Europas werden wir die Digitalisierung nutzen, um bestehende Infrastruktur zu ergänzen – in anderen wird die gleiche Infrastruktur ganz neue Möglichkeiten schaffen, damit die Menschen dort digital teilhaben können“, erläuterte Hansen. Das Ziel müsse Verbesserung für die gesamte Bevölkerung sein, nicht nur für einen Teil. Als moralischen Überbau empfiehlt der Futurist Europa die Werte Vielfalt, Freiheit und Unabhängigkeit und damit eine Alternative zu den Zielen der anderen: Dominanz im Falle der USA und Kontrolle in Falle Chinas.

Doch wie muss Europa den Sprint nach ganz vorne nun angehen? Für Hansen sind zwei Themen entscheidend. Erstens ein entschiedener Fokus auf Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz und Blockchain: „Wir müssen heute schon darauf setzen, damit sie funktionieren, wenn wir sie brauchen.“ Zweitens solle Europa sich endlich darüber klar werden, dass Digitalisierung Disruption bedeute – nicht nur innerhalb von Unternehmen und Branchen, sondern auf Systemebene. „Digitalisierung verändert das Sozial-, das Renten-, das Finanz- und Wirtschaftssystem. Da liegen riesengroße Chancen“, betonte Hansen.

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Immerhin: Einen Exportschlager hat Europa heute schon zu bieten. „Beim Thema Datenschutz sind wir ganz weit vorne“, sagte Hansen, forderte zugleich aber einen „No-Backdoor-Deal“ aller Akteure, der Systeme sicher macht und keine Hintertüren für staatliche Überwachung offenlässt. Das, so der Futurist, wäre ein Verkaufsargument, das sonst niemand auf der Welt bieten könne.

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