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Digitaler Vorreiter Eine Software für die Kleinen

Eine Software-Plattform soll kleinen Händlern das Wirtschaften erleichtern. Quelle: Deutsche Telekom

enfore-Gründer Marco Börries mag die Vielfalt in der Handelslandschaft. Deshalb will er kleine und Kleinstunternehmen die Technik verschaffen, mit der sie in der vernetzten Welt gegen große Plattformen bestehen können.

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„Es darf nicht sein, dass Amazon das Shopping-Front-End zum lokalen Handel wird“, mahnt Marco Börries. „20 Prozent des Handels ist hierzulande erst online“, sagt er. „Mit unserem Partner Telekom wollen wir den kleinen und kleinsten Handelsunternehmen in der Welt helfen, in der digitalen Welt zu überleben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Ein ambitionierter Plan, den Börries auf der DIGITAL2018 in Köln vorstellte, denn seine angestrebte Zielgruppe ist riesig: Weltweit gibt es rund 200 Millionen Klein- und Kleinstunternehmen. Eigens für sie hat er im vergangenen Jahr enfore gegründet. Seine Vision: Zukünftig soll jede kleine Firma ähnliche Wirkungsgrade und Skaleneffekte genießen, wie sie bisher nur großen Unternehmen zur Verfügung stehen.

Durch innovative Hardware, leistungsfähige Software sowie umfangreiche Service-Angebote bietet enfore eine IT-Plattform, die aus einem Software-Portal und speziellen Kassenterminals für den Point-of-Sale besteht, die alle betrieblichen Aspekte miteinander verbindet. Der Partner Telekom steuert die Festnetz- und Internetverbindungen für die Ladengeschäfte bei.

„Mit Hilfe der Technik sollen die Kleinen aber dieselben Möglichkeiten erhalten, ihre Kunden besser kennenzulernen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen, die digitalen Kanäle zum Kunden zu nutzen und zu skalieren.“ So will er sie vorm drohenden Untergang retten und auch helfen, die Vielfalt in den Innenstädten zu erhalten. „Die Kunden lieben kleine, individuelle Läden und nicht die ewig gleichen Innenstädte mit denselben Ketten“, stellt er fest.

So baut der Handel digitale Kompetenzen auf

Marco Börries (50) ist bekannt dafür, es mit den Großen aufzunehmen, und das mit Erfolg. Der Robin Hood des Handels gründete 1985 nach einem Schüleraustausch im Silicon Valley in der Garage seiner Eltern Lüneburg seine Softwarefirma StarDivision. Die Finanzierung stemmt der damals 16-Jährige mit seinem Konfirmandengeld in Höhe von 2.000 DM. Er bringt das Textverarbeitungsprogramm StarWriter auf den Markt, später StarOffice als Alternative zu Microsofts teurem Office-Paket. Die Firma läuft gut, er schmeißt das Abitur und startet in Hamburg seine Firma mit 200 Mitarbeitern. Schon bald läuft StarOffice auf jedem vierten PC in Deutschland. 1998 ist es das weltweit erste, Plattform-übergreifende Office-Programm. Hierzulande wird er als „deutscher Bill Gates“ gefeiert. Den Vergleich mag er gar nicht. „Everybody is his own man“, sagt er, „ich mache mein Ding auf meine Weise.“

1997 entwickelt er für die Sparkassen in Deutschland die Software StarFinanz. Zwei Jahre später verkauft er StarDivision für 70 Millionen Dollar an den Microsoft-Erzrivalen Sun Microsystems. Er selbst arbeitet zwei Jahre lang bei Sun und gründet danach seine dritte Firma VerdiSoft, die auf das Managen von digitalen Endgeräten spezialisiert ist. Auch diese verkauft er 2005, für 94 Millionen Dollar geht sie an Yahoo.

2009 kehrt Börries mit seiner Familie und einer kühnen Idee nach Deutschland zurück. Mit einigen Weggefährten aus StarDivision-Zeiten gründet er sein viertes Startup NumberFour mit Sitz in Hamburg, Berlin und im Silicon Valley. Geldgeber sind langjährige Bekannte und Freunde, darunter Xing-Gründer Lars Hinrichs, Yahoo-Erfinder Jerry Yang sowie Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim.

An seiner digitalen Komplettlösung zum bezahlbaren Preis tüftelt er mit 65 Mitarbeitern acht Jahre lang, schließlich soll es perfekt werden und für alle passen – vom Schuster bis zum Bäcker, vom Hotelier und Kneipenwirt bis zum Boutique-Besitzer. Das auf die Beine zu stellen, ist zuvor noch niemandem gelungen. Doch Börries liebt Herausforderungen, und vor allem, sie zu lösen. „Das war die längste Entwicklungszeit in meiner Karriere“, stellt er fest. Als das System im Jahr 2017 fertig ist, nennt Börries die Firma in enfore um. Klingt wie eine Abkürzung von NumberFour. Das dazugehörige Logo – eine Hand mit angewinkeltem Daumen – steht für vier oder in anderen Kulturen auch für eins, die Hand für Handarbeit.

Und die soll seiner Zielgruppe dank der IT-Plattform erspart werden, ohne dass sie ihre Seele an die großen Plattformen verkaufen müssen. „Es ist nichts falsch an Amazon, Booking.com oder Airbnb“, sagt Börries, „doch die Kleinen sollen durch die fehlende Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren. Ich will ihnen die Tür ins digitale Zeitalter öffnen und ihnen dabei helfen, ihr Geschäft zu führen, auch ohne eigene IT Abteilung. Kleine Unternehmen liegen mir am Herzen, weil ich den Wettbewerb und die Vielfalt mag.“

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